Logitech G402 Hyperion Fury Review

Wie in meinem Maus-Guide sowie im Podcast neulich angekündigt, bin ich mal wieder auf der Suche nach einer neuen Maus. Wer weiss, worauf es beim Maus-Kauf ankommt, weiss auch, dass dies ein mühsames Unterfangen sein kann.

Die Logitech G402 Hyperion Fury ist eines der Modelle, welche bis in die Endrunde vordringen konnten. Da mir das nette Unternehmen aus Lausanne ein Testexemplar zugeschickt hat, konnte ich mir eine eigene Meinung zum bald verfügbaren G400s Nachfolger bilden. Sie fällt etwas gespalten aus…

Facts

Anfangen möchte ich mit dem einfachen Teil – den wichtigen Daten:

  • Sensor: AM010 (optical LED)
  • Auflösung: 240 – 4’000 CPI (80er Schritte)
  • Gewicht: 108g (ohne Kabel)
  • Länge, Breite, Höhe: 13,6cm / 7,2cm / 4,1cm
  • 8 programmierbare Tasten
  • Polling Rate: bis 1’000Hz (1ms)
  • 32-Bit-ARM-Prozessor
  • max. Geschwindigkeit: >500 inch (2,54cm) per second
  • Preis: Ab ca. 65.-

Alter Sensor? Wenig DPI? So schnell?

Hier scheinen auf den ersten Blick drei Dinge ungewöhnlich. Die CPI Zahl ist mit 4’000 für aktuelle Marketingstandards sehr niedrig ausgefallen. Das ist erfreulich! 4’000 CPI reichen meistens aus. Schön, dass Logitech das CPI bzw. DPI Wettrennen nicht mehr mitmacht.
Wo Logitechs neuer (Marketing) Fokus liegt, zeigt der zweite, auffällige Punkt: Die Geschwindigkeit. Die G402 behauptet, „die weltweit schnellste Gaming-Maus“ zu sein. Das könnte stimmen. 500IPS sind 12,7m pro Sekunde! Damit sind sie zweifelsohne übers Ziel hinausgeschossen, obwohl sich dieses Produkt in erster Linie an FPS-Spieler wendet. Kurz: Das Marketing änderte von DPI, die niemand braucht, zu Geschwindigkeiten, die niemand braucht.
As drittes fällt der Sensor auf. Er ist alt. Der AM010 wurde bereits in der G100s sowie in der G602 verbaut. Was die Leistung anbelangt, galt er immer als solide, einzig zu langsam war er. Das wurde nur mit der neuen Fusion Engine überkompensiert. Passend dazu ein Zitat zur G402 von Chris Pate, Product Manager für Logitechs Gaming-Mäuse, aus einem Reddit AMA Thread:

The optical sensor [AM010] is very accurate and responsive, […]. Really the only drawback it has is its maximum speed, which is why we added the Fusion Engine to augment its capabilities and let it go faster.

Fusion Engine?

Somit sollte das Gesamtpaket nun stimmen. Aber was verbirgt sich denn eigentlich hinter dieser „Fusion Engine“?
Da der AM010 Sensor bei hohen Geschwindigkeiten seine Mühe hatte und Logitechs aktuell bester Sensor, der PMW3366DM-VWOU aus der G502, für diese Kategorie möglicherweise zu teuer war, musste eine neue Lösung her. Am besten eine, die günstig ist und sich trotzdem gut vermarkten lässt. DPI-Vermarktung ist out, jetzt wird Geschwindigkeit verkauft! Das wird so gemacht:

Einfach gesagt, wurde ein Gyrometer und ein Beschleunigungsmesser eingebaut, welche zusammen („fusion“) mit dem optischen Sensor arbeiten und diesen ergänzen. Klingt nach viel Aufwand, um einen alten Sensor zu reanimieren und etwas Marketing zu betreiben? Das Resultat scheint jedoch zu funktionieren. Der Erfolg gibt Logitech recht.

Verarbeitung

Wie von Logitech gewohnt, macht die Verarbeitung grundsätzlich einen soliden Eindruck. Das Mausrad rastet schön ein und lässt sich definiert drehen. Nichts klappert. Das etwas über 2m lange Kabel ist leider nicht textilummantelt – damit sollte man leben können. Problematischer ist da eher, dass das Kabel extrem steif ausgefallen ist – trotz fehlender Textilummantelung!

Bezüglich Aufbau und Verarbeitung, scheinen auch die Tasten (bzw. Switches) ihre Schwächen zu haben. Wer seine Maus etwas ungewöhnlich behandelt, könnte folgendes Problem erleben (aka „Slam Misclick Issue“):

An dieser Stelle möchte ich nicht im Detail darauf eingehen, wie gut die Maus in der Hand liegt, da dies jeder Anwender anders empfinden wird. Als ergonomische Maus für Rechtshänder ist sie mir persönlich nicht bequem genug. Die rechte Aussenkante ist etwas eckig ausgefallen, wodurch sie sich am Ringfinger unbequem anfühlt – aber das ist nur mein Empfinden.

Weiter sind die beiden vorderen Seitentasten (standardmässig für CPI-Einstellungen gedacht) etwas schwer erreichbar, besonders die hintere der beiden.
Wie im grossen Bruder, der G502, wurde auch hier wieder ein „Sniper-Button“ (verringert CPI) verbaut, den eigentlich niemand will. Da diese Taste direkt unter dem Daumen liegt, wird sie gerne mal versehentlich gedrückt. Wer seine motorischen Fähigkeiten jedoch im Griff hat, erkennt in diesem Button eine sofort erreichbare, frei programmierbare Taste, der alle Aktionen zugewiesen werden können, welche schnelle Reflexe benötigen.

Sensor Performance

Mit am wichtigsten ist, wie die Maus bei Kriterien wie Smoothing, Jitter, Angle Snapping, Acceleration, Tracking Speed und Lift-Off-Distance abschneidet. Diese Begriffe werden hier erklärt.
Smoothing ist beinahe inexistent. Bis 2080 CPI kommt kein Smoothing zum Einsatz. Bei über 2080 wären es 4 Frames (<1ms). Jittering tritt erst bei den hohen CPI Zahlen auf. Angle Snapping bzw. Prediction ist nicht auszumachen. Acceleration ist vorhanden, jedoch so unbemerkbar, dass man fast schon inexistent sagen dürfte. Der Tracking-Speed ist – wie bereits angetönt – mit ca. 12,7m/s (500IPS) sogar höher als benötigt und die Lift-Off-Distance bewegt sich bei unter 2mm.
Was die reine Sensorleistung anbelangt, kann die G402 Hyperion Fury folglich kaum kritisiert werden.

Fazit

Die G402 Hyperion Fury scheint ein würdiger Nachfolger der G400s zu sein. Die Verarbeitung macht – bis auf zwei kleine Schwächen – einen guten Eindruck. Der Sensor leistet – wenn auch auf ungewöhnlichem Wege via „Fusion Engine“ – gute, zuverlässige Arbeit.
Wer die G402 entdeckt, ist auf der Suche nach einer ernsthaften Gaming-Maus. An dieser Stelle könnte man auch zum grossen Bruder, der G502 Proteus Core, greifen. Diese ist zwar etwas teurer, schlägt das kleinere Modell jedoch in fast allen Belangen (bis auf scheinbar leicht abfallende Füsse). Was ich damit sagen will: Die G402 Hyperion Fusion ist eine gute Maus. Wer jedoch eine ernsthafte Gamer-Maus sucht, investiert lieber etwas mehr und holt sich eine noch bessere. Die Zielgruppe der G402 sind also „arme Pro-Gamer“, was schwer ernst genommen werden kann.

by @Joey

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