Warum ich von Splatoon begeistert bin & Militärshooter ablehne

Seit der E3 ist es Realität: Nintendo macht einen Onlinemultiplayer-Shooter! Aber wie man das japanische Traditionsunternehmen kennt, sieht dies etwas anders aus als bei den meisten. Splatoon ist ein knallbuntes und auch für Kinder vollkommen harmloses Geballere, bei dem das Ziel daraus besteht, möglichst viel Territorium mit der eigenen Farbe zu bedecken. Lasst mich erklären, was ich daran so toll finde – aber Achtung: Es wird ausnahmsweise politisch!

Es ist kein Geheimnis: Ich bin sehr pazifistisch und damit gegen jegliche Form von Krieg und Militarismus. Deshalb vertrete ich auch die in der Schweiz sehr unpopuläre Position, wonach die Wehrpflicht und auch die Armee als solche abgeschafft werden sollten. Spielen mit militaristischem Setting stehe ich sehr kritisch gegenüber. Bevor hier Missverständnisse entstehen: Ich bin nicht gegen Gewalt in Spielen, das ist nicht mein Problem. Allein der Kriegshintergrund bereitet mir Probleme. Ego Shooter, die eindeutig auf Mehrspieler-Unterhaltung setzen und sich keinesfalls um eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema Krieg bemühen sowie Waffen möglichst realitätsnahe einbinden (mit Munition und entsprechendem Sound), halte ich für problematisch. Auch Singlepayer-Kampgagnen eignen sich meiner Meinung nach nicht als Rechtfertigung: Für mich ist ein interaktives, visuelles Medium nicht in der Lage, ein so ernstes Thema wie Krieg angemessen zu behandeln. Zumindest nicht in der Form eines Spiels, wo man mit Waffen herumrennt und auf andere schiesst. Denn am Ende, wenn man das Gameplay auf seinen Kern reduziert, geht es doch nur um Reaktionszeiten und Reflexe – er oder ich! Filme, Bücher oder Comics funktionieren hier eine Stufe anders. Diesen Kunstformen liegt nicht eine sportliche Herausforderung zugrunde. Stichwort Sport: Ja, ich bin auch nicht begeistert von Paintball, Lasertag oder Airsoft. Ich brauche keine Sportart, die mehr oder weniger Krieg simuliert. Dabei habe ich mich auch immer gefragt, warum die Waffen optisch eigentlich so vergleichsweise nah an echten sind. Würde es sportlich den geringsten Unterschied machen, wenn sie etwa pink wären und unrealistische Formen aufwiesen?

Ausgangspunkt war aber das von Nintendo angekündigte Splatoon. Dieses führt meinen Gedanken von vorhin nämlich zu Ende und bietet ein klar von typischen Third Person-Shootern isnpiriertes Gameplay, dass sich in der Präsentation aber jenseits jeglichen Realismus bewegt. Deshalb muss sich jeder, der das Spiel aufgrund des Aussehens nicht spielen will, sonst aber vergleichbare Dinge zockt, die Frage gefallen lassen, ob es eben doch nicht nur ums Gameplay geht. Was gibt es einem zusätzlich, wenn das Szenario realistisch ist? Niemand wird sagen wollen, dass er Krieg so toll findet und diesen unbedingt simuliert haben will, also was ist es dann?

Für mich sind Videospiele Flucht. Die echte Welt ist unfassbar grausam und bietet keine schwarzweiss-Geschichten, daher will ich von Spielen primär in eine andere welt geführt und unterhalten werden. Wenn geballert werden soll, sind mir fantastische Settings am liebsten – unrealistische Fantasiewaffen und Fiktive Welten und Kreaturen. Eingefleischte Fans von militärischen Shootern mögen all dem widersprechen. Ich will ihnen ihren Spass nicht nehmen, aber es ist nun mal so, dass ich mich unmöglich mit dieser Art von Spielen unterhalten kann.

Es würde mich sehr interessieren, was andere zu dem Thema zu sagen haben, insbesondere richtet sich dies auch an die Leute von GameRights. Seid ihr der Meinung, dass man einen Spieler als Soldat spielen lassen kann und den Krieg trotzdem weder verharmlost noch verherrlicht? Könnt ihr mir sagen, warum so viele Spieler zwingend raelitätsnahe Darstellungen von Krieg brauchen, wenn es doch auch mit einer reinen Fantasydarstellung möglich wäre?

by Andypanther

4 Antworten zu “Warum ich von Splatoon begeistert bin & Militärshooter ablehne

  1. Ich habe den Artikel mal noch im GameRights Forum gepostet, da wird wohl noch die eine oder andere Anmerkung kommen.
    Ich persönlich bin auch gespannt auf Splatoon. Hoffentlich bekommt Nintendo den Onlinemodus in den Griff – das haben sie bislang fast nie geschafft.

    Noch ein paar Anmerkungen bzgl. GameRights:
    Grundsätzlich sind wir gegen Game-Verbote im Allgemeinen. Wir beschränken unser Engagement nicht auf ein bestimmtes Sub-Genre wie beispielsweise Militär-Shooter. Folglich ist es nicht unser Ziel, einen Militarismus zu verteidigen.
    Auch ich ziehe gutes Gameplay einer tollen Grafik vor, wenn auch der Artstyle natürlich sehr viel Einfluss auf die Stimmung und somit das Spielerlebnis hat. Ein Splatoon wird folglich wohl nie eine bedrückende oder gefährliche Stimmung transportieren können. Gewisse Spieler möchten sich aber von solchen Stimmungen packen lassen – genau wie bei Filmen.
    Warum verteidigt GR nun Militär-Shooter? Ich würde einen Blick von der anderen Seite vorschlagen: GR exkludiert Militär-Shooter nicht von ihrem Engagement. Die Idee ist die Folgende: Was niemand Erwachsenem schadet, soll nicht verboten werden. Ähnlich dem Motto „jedem das Seine“. Wer solche Shooter mag (und alt genug dafür ist) soll sie spielen dürfen. Wer sie nicht mag, muss nicht. Diese Situation ist für keine Seite problematisch. Das hat mit Verherrlichung oder Verharmlosung nichts zu tun.

    Ich persönlich empfinde realitätsnahe Darstellungen nicht zwingend notwendig. Sie können jedoch die Spannung fördern. Was echter aussieht, kann besser die Illusion schaffen, selber im Spiel zu sein, was das von dir erwähnte Eintauchen in Spielwelten erleichtert. (Wozu wollen Leute sonst VR Brillen?) Zudem sind Spiel und Realität meist noch extrem weit auseinander. Beispiel: Der Genre-Platzhirsch CoD ist absolut unrealistisch, was auch nötig ist, um den Spielspass nicht zu verderben (Respawn, Selbstheilung etc…). Zugegeben, dies bezieht sich jetzt mehr aufs Gameplay als auf die optische Darstellung.

  2. Sehr interessanter Artikel, der ziemlich genau meine Meinung vertritt. Ich wuerde allerdings fast noch einen Schritt weitergehen und das nicht bei Shootern belassen sondern auf die gesamte Konsole ausweiten. IMHO wird Nintendo immer noch von vielen Gamern belaechelt und als Kinderkonsole angesehen, eben weil es keine harten, boesen Spiele gibt und alles viel zu bunt ist. Wenn man diese Leute dann aber mal fragt, was sie an ihren Spielen so schaetzen, dann kommt natuerlich auch nie der Aspekt der Gewalt und des Realismus‘ sondern hauptsaechlich das Gameplay. Versucht man dann aber, zu erklaeren, dass Nintendo in Sachen Gameplay wirklich was kann, dann stoesst man auf Scheuklappen und taube Ohren..

  3. Hallo Herr Andypanther. Sich auf der eigenen Webseite an GameRights zu wenden, ist vielleicht nicht ganz die feine Englische Art. Denn hätte Joey nicht einen entsprechenden Link in unser Forum gesetzt, wäre deine Frage vermutlich untergegangen.

    Im Forum wird diesbezüglich schon rege diskutiert. Falls du also auch einen GR-Account hast, schau mal rein. Ich bin nämlich zu faul, die ganzen Forenbeitrage zu copy/pasten, die bisher von «den Leuten von GameRights» schon verfasst wurden.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s