Eurovision Song Contest 2014: Warum die Wurst gewann

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                                                                                                                                                                  Ich bin bekanntlich ein riesiger Fan des Eurovision Song Contest, kurz ESC genannt. Egal was ich mir deswegen anhören muss, ich liebe die alljährliche Freakshow mit ihren herrlichen Traditionen. Auch der diesjährige Wettbewerb hat mit dem Sieg der österreichischen Drag Queen Conchita Wurst wieder Geschichte geschrieben. Aber warum hat sie gewonnen? Wegen dem Lied, der Provokation oder beidem zusammen?

                                                                                                                                                                       Der Vorwurf, es gehe beim ESC nicht um die Lieder, ist nicht neu. Eigentlich ist er so so alt wie die Veranstaltung selbst. Besonders häufig hört man, es gehe nur um die Show und/oder reine Sympathien zwischen Nachbarländern. Natürlich sieht es in der Realität nicht ganz so einfach aus. Die einzige wirkliche Konstante beim Ländervoting sind die 12 Punkte zwischen Griechenland und Zypern und die 0 Punkte zwischen Armenien und Aserbaidschan (die einzige Feindschaft zweier Länder, die der ESC bisher nicht überwinden konnte). Ausserdem muss man sich bewusst sein, wie die Punkte überhaupt erst zustande kommen: In jedem Land wird dies nämlich zu je 50% von den Anrufern und einer fünfköpfigen Jury entschieden. Der Durchschnitt davon ergibt dann die Platzierung und damit die Punkte. Nur drei Länder kennen ein 100% Jury- respektive Televoting.

Und genau in diesen Statistiken wird es nämlich spannend! Wir lernen: Europa ist nicht homophob, auch nicht im Osten! Zumindest sind es nicht diejenigen, die den ESC schauen. Wenn etwa die Anrufer in Weissrussland, dem Land das nahe dran war wegen der Frau Wurst den diesjährigen Contest zu boykottieren, Österreich auf den 4. Platz wählen, ist dies ein klares Zeichen. Der einzige Grund, warum also nicht auch aus diesen vermeintlich konservativen Hochburgen die „Big Points“ an Österreich gingen, liegt an den dortigen – wohl nicht ganz unabhängigen – Juroren. Diese wählten die Conchita konsequent auf die hinteren Plätze und senkten damit natürlich den Mittelwert massiv. Würde der ESC einzig und allein von den Anrufern entschieden, wäre der österreichischen Sieg überwältigend geworden, denn im Westen konnte die Nummer auch die Jurys überzeugen und dadurch oft die Höchstpunktzahl holen.

Aber zurück zur eigentlichen Frage: Hätte es allein mit dem Lied „Rise Like a Phoenix“ für den Sieg gereicht, ganz ohne die Kombination von Bart und Kleid? Nein, hätte es nicht, obwohl der Song als eigentliche Bond-Hommage zweifellos gelungen ist. Aber umgekehrt muss dasselbe gesagt werden. Man hätte Conchita Wurst nicht irgendwas singen lassen und damit automatisch den Sieg holen können. Es brauchte am Ende beides und das ist gut so. Nicht zuletzt ist es auch ein starkes Zeichen für mehr Toleranz und Offenheit, in einer Zeit wo ständig davon geredet wird, dass die Gesellschaft wieder konservativer wird. „We are unstoppable!“ waren ihre Worte nach dem Sieg. Ich hätte es nicht besser ausdrücken können.

 

by Andypanther

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