Das Star Wars Holiday Special

Leute, ich mag euch wirklich. Und auch diesen Blog. So sehr, dass ich etwas vom schlimmsten getan habe, was sich ein Mensch antun kann. Für ein Review. Wenn ihr diesen Artikel also lest, dann denkt an das Opfer, welches ich erbracht habe…

Das Star Wars Holiday Special (oft auch Christmas Special genannt) ist ein Fernsehfilm aus dem Jahr 1978. Er spielt im Star Wars-Universum und ist, ob ihr’s glaubt oder nicht, sogar Canon. Die Story kann in einem Satz erzählt werden: Chewbacca will zum sogenannten „Life Day“ seine Familie auf dem Planeten Kashyyyk besuchen, aber das Imperium ist auf der Jagd nach Rebellen, weshalb der ganze Star Wars-Cast für die Wookie-Familienfeier kämpfen muss. Seht ihr, ein Satz. Aber irgendwie wurde diese Story auf zähe 97 Minuten ausgedehnt.

Alles und jeder musste scheinbar einen Gastauftritt bekommen, egal ob es nach irgendeiner nachvollziehbaren Logik in den Film passt. Es gibt eine Kochshow mit einer von einem Mann dargestellten vierarmigen Alien-Köchin, eine holografische Zirkuseinlage, eine verwirrende Gesangssequenz in der Mos Eisley-Kantine und eine höchst bizarre, singende Sex-Fantasie eines Wookies (ernsthaft, es ist exakt das!). Bizarr, das ist ein Wort welches man in nahezu jeder Szene passend verwenden kann. Dazu kommen noch gefühlte sieben Stunden unübersetzte Wookie-Dialoge. Klingt nach grossartigem Trash? In der Theorie ja, aber in Wirklichkeit haben wir es hier mit einem Film zu tun, der so sehr „so-bad-it’s-good“ ist, dass er wieder ins Schlechte kippt. Es ist schon eine Kunst, aus einer derart simplen Story einen so zähen Film zu machen, bei dem man konstant auf die Uhr schaut. Nicht einmal die Anwesenheit von Charakteren wie Luke, Han Solo oder Prinzessin Leia im ersten Star Wars-Film nach dem Debüt von 1977 können dieses Desaster retten. Ausserdem kriegen die Wookies und die Cameos eh das meiste an Screentime ab.

Interessant sind eigentlich nur die paar Minuten des Cartoons im Film, der nicht nur gekonnt die Vierte Wand einreisst, sondern tatsächlich auch den ersten Auftritt des Kopfgeldjägers Boba Fett darstellt. Optisch ist das ganze nicht wirklich ansprechend und auch inhaltlich passiert nicht viel, aber es ist qualitativ trotzdem ohne weiteres das Highlight des Films. Wahrscheinlich findet man in den Weiten des Internets eine zusammengefügte Fassung des im Film unterbrochenen Cartoons, falls ihr Interesse habt.

Zu den unlustigen Showeinlagen, langweiligen Wookie-Szenen und der wahrlich zufälligen Aneinanderreihung dieser Elemente; kommen noch die unmotivierten Darbietungen des klassischen Schauspieler-Trios Hamill, Fisher, Ford hinzu. Letzterer macht sich noch am besten, während man den anderen richtig ansieht, wie wenig Lust sie auf diese Fernsehproduktion hatten. Darth Vader ist übrigens auch zu sehen, aber die paar Sekunden sind nicht der Rede wert. Gemeinerweise wurde sogar Alec Guinness in dem Film „verewigt“, da einige Szenen aus dem ersten Film für eine Rückblende recycelt wurden. Wenigstens blieb Peter Cushing dieses Schicksal erspart.

Was soll man noch sagen? Das Star Wars Holiday Special ist tatsächlich so schlecht wie immer behauptet wird und es macht keinen Spass es zu schauen, nicht einmal dieser „Spass-aus-den-falschen-Gründen“ kommt auf. Natürlich wäre es gelogen zu behaupten, dass ich nicht das eine oder andere Mal amüsiert war über manche schier unfassbar bizarre/schlechte/zufällige/surreale Szene, aber trotzdem überwog insgesamt das Ermüdende. Vielleicht sind ja diverse bewusstseinserweiternde Substanzen nötig, um die wahre Brillianz dieses Films zu erkennen? Selbst George Lucas himself, ein Mann der bekanntlich jede noch so angebrachte Kritik an sich abprallen lässt, hat mehrfach zugegeben sich für das Holiday Special zu schämen. Denn obwohl er zugegebenermassen kaum in die Produktion involviert war, hat er trotzdem das Okay zur Veröffentlichung gegeben. Daher muss ich ihm, obwohl ich ihn oft genug kritisiere, eines zugute halten: Er steht dazu, dass er Mist gebaut hat. Ganz anders als beispielsweise Nintendo, die gerne so tun als würde es die CD-i-Zeldas nicht geben. Offiziell releast wurde das Holiday Special aber nie, alle heute kursierenden Versionen basieren auf alten VHS-Mitschnitten.

Fazit

Das Holiday Special ist ein Internet-Kult und gilt zurecht als eines der schlimmsten Werke der Film- und Fernsehgeschichte. George Lucas würde am liebsten jede existierende Kopie vernichten, aber sorry George, das Internet vergisst nicht! Nicht umsonst existiert sogar eine umfangreiche Fansite! Mein abschliessendes Wort ist: Egal wie kultig es ist, egal wie viele darauf basierende Memes ihr seht: Widersteht der Neugier! Man muss nicht alles gesehen haben, manches bleibt besser im Dunkeln der Vergangenheit…

0 von 10 unübersetzten Wookie-Fluchwörtern

Frohe Weihnachten (oder happy Life Day) und möge die Macht mit euch sein!

by Andypanther

Eine Antwort zu “Das Star Wars Holiday Special

  1. Puh, und ich dachte schon ich muesste das jetzt doch irgendwann mal nachholen. Danke fuer die Warnung!

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