Ewoks: The Battle for Endor

Die Ewoks sind zurück! Ich hatte überraschenderweise meinen Spass am ersten Ewok-Fernsehfilm, also warum nicht den zweiten auch ansehen? Ewoks: The Battle for Endor ist allerdings komplett anders – und meiner Meinung nach nicht im Positiven. Warum ich das so sehe, erfahrt ihr im Review.

Nur ein Jahr nach dem letzten Film erschienen, spielt dieser Film nach den Ereignissen des Vorgängers und der Ewok-TV-Serie. Alle menschlichen Charaktere (aber nicht alle Ewoks) sind wieder dabei, ein neues Abenteuer mit der weitgehend gleichen Besetzung also. So scheint es zumindest. Dann aber beschliesst der Film, dass es eine gute Idee sei einfach mal so schnell drei Viertel der Familie in den ersten 10 Minuten umzubringen. Wie bitte? Nach einem kindlichen Märchenabenteuer für die ganze Familie wird’s nun plötzlich zu einem Schlachtfest? Nur das hilfloseste Mitglied der Familie, Cindel, bleibt nun übrig um sich bis zum Abspann zu kämpfen. Toll, Herr Lucas, einfach toll. Nichts hätte einen stärkeren Bruch zum Vorgänger darstellen können, als Gefechte mit Laserwaffen einzuführen, denen gleich zu Beginn einer der beiden bekannten Protagonisten zum Opfer fällt. Die Zuschauer haben nun also eine Bindung zu beiden Kindern aufgebaut und einen Film lang zugesehen wie sie gemeinsam alle Gefahren überwinden und als sich dabei weiterentwickeln? Nein, scheiss auf das, wir bringen den Jungen einfach um. Ich kann mir keine Variante vorstellen, wie man dies schlüssig in den Film hätte einbauen können und trotzdem bei der gleichen Zielgruppe bleibt.

Ich sage nicht dass bei Kinderfilmen keine Charaktere sterben dürfen. Ganz im Gegenteil, viele grosse Klassiker besitzen einen traurigen Todesfall, sei es Bambi oder in meiner Kindheit The Lion King. Der Unterschied zum zweiten Ewok-Film liegt darin, dass diese Tode eine Bedeutung hatten und Teil des Grundthemas der gesamten Story waren. Hier aber werden bloss beiläufig Charaktere entsorgt, für die in der neuen Story kein Platz mehr ist. Denn Lucas wollte aus Cindel unbedingt Heidi oder sowas in der Art machen. Das ganze wird noch dadurch verschlimmert, dass der Verlust der Familie schon kurze Zeit später kein Thema mehr ist, so als wäre es nie passiert. Wahrscheinlich war sie eh nur adoptiert oder so…

Der nächste entscheidende Fehler war es, die zentrale Ewok-Figur, Wicket, Englisch sprechen zu lassen. Ewoks funktionieren nicht wenn sie Englisch können, sie sind deswegen cool weil sie einerseits kindlich wirken und sich nur durch Gesten mit Menschen verständigen können, aber trotzdem Krieger sind. Vermenschlichung ist eine sehr schlechte Idee, zumal im Film gleichzeitig auch alle anderen Ewoks jegliche Persönlichkeit verlieren. Wurde hier etwa vergessen dass diese Spezies im Filmtitel ist? Der Grund für Wickets plötzliche Englischkenntnisse liegt natürlich darin, dass der einzige verbliebene menschliche Charakter mit irgendwem kommunizieren muss. Allerdings wird schon bald ein neuer vorgestellt (Noa, ein vor Jahrzehnten auf Endor gestrandeter Mensch), der dies wieder überflüssig macht. Warum also aus Ewoks etwas machen, was sie nicht sind?

Ach ja, Bösewichte gibt’s auch noch! Im ersten Teil waren diese nicht wirklich relevant und mehr Mittel zum Zweck, hier allerdings wurde etwas mehr gemacht: Der lokale dunkle Herrscher will die „Macht“, welche eigentlich bloss die Energiezelle des Sternenkreuzers der Towani-Familie ist. Deswegen veranstaltet er mit seiner Truppe aus Space-Orks das Massaker zu Beginn des Films. Auch auf dieser Seite steht die Hexe/Priesterin Charal, welche seltsamerweise ein Mensch ist und von der ich keine Ahnung habe, wie sie in dieses Konzept passen soll. Jedenfalls haben wir durch diese Antagonisten Kanonenfutter für Ewoks mit Laserwaffen (kein Scherz!).

Leider kann nicht einmal dieses herrliche Trash-Element den Film retten. Die Story passt hinten und vorne nicht, die Ewoks wären ohne weiteres durch stumme Menschen ersetzbar gewesen und die schauspielerische Leistung von Aubree Miller als Cindel hat auch merklich nachgelassen. Ich schätze mal, ohne den Vorgänger würde Battle for Endor besser funktionieren, aber selbst dann wüsste ich noch immer nicht für welche Zielgruppe dies eigentlich gedacht ist.

Fazit

Gegenüber dem überraschend gelungenen ersten Ewok-Film, ist die Fortsetzung eine Verschlechterung in jedem Bereich. Im direkten Vergleich fällt am stärksten der verstörend hohe Bodycount auf. Battle for Endor ist ein verwirrendes Mittelding zwischen Trash, Kinderfilm und klassischem Adventure, dass aber in keinem dieser Aspekte überzeugen kann. Ich kann ihn also nur für Trashfilmabende mit ausreichender Versorgung an Alkohol oder für fanatische Star Wars-Allesseher empfehlen.

2 von 10 Kartenspielen mit tödlichem Ausgang

(ein Punkt für Noas witziges ADHS-Haustier, einer für die Ewoks mit Laserkanonen)

by Andypanther

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