Hotline Miami – Mehr Trip als Spiel

Es ist eines der beeindruckendsten Spiele, die ich in den letzten Jahren gespielt habe, aber definitiv auch eines der frustrierendsten. Und verrücktesten. Hotline Miami kann man nur lieben oder hassen. Oder beides gleichzeitig.

Um zu verstehen, was Hotline Miami so speziell macht, muss man es gespielt haben. Denn auf den ersten Blick ist das Gameplay nichts besonders einzigartiges: Man steuert seinen Charakter aus der  Vogelperspektive (auch „top down“ genannt) und kämpft gegen Horden von Gegnern. Die Levels startet man jeweils bloss mit seinen blanken Fäusten, während die Gegner allesamt bewaffnet sind. Schon der kleinste Treffer bedeutet das Ende, während die Gegner jedoch oftmals mehrere benötigen. So weit, so unfair also. Erschwerend kommt hinzu, dass die einzelnen Etagen der Gebäude (die Missionen finden ausschliesslich in solchen statt) jeweils am Stück absolviert werden müssen. Erst wenn der letzte Gegner tot ist, geht’s weiter. Stirbt man, muss man die Etage von vorne beginnen. Vor jeder Mission kann ausgewählt werden, was für eine Maske die Spielfigur anziehen soll. Diese verleihen jeweils eine bestimmte Zusatzfähigkeit und können durch hohe Punktzahlen in den Missionen freigeschaltet werden.

Was erst zu dem unverwechselbaren Erlebnis einer Session dieses Spiels führt, ist die Kombination mit anderen Faktoren. Da wäre etwa die Optik: Hotline Miami ist grafisch gesehen nichts als ein Pixelhaufen, ein Pixelhaufen voller grell leuchtender Neonfarben und coolem 80s-Style. Kombiniert wird dies mit einer geradezu grotesk expliziten Gewaltdarstellung, bei der Blutfontänen, zerteilte Gegner und herausschauende Gehirne zur Tagesordnung gehören. Aber auch das, bockschweres Retro-Gameplay mit blutiger 80er-Pixelgrafik, ist es nicht, was Hotline Miami wirklich ausmacht.

Die nächsten Zutaten wären Story und Setting. Wie der Titel vermuten lässt, spielt sich die Geschichte in Miamis Unterwelt der 80er ab, 1989 um genau zu sein (ein tolles Jahr übrigens!). Man steuert einen namenlosen Protagonisten, der in seinem Apartment jeweils mysteriöse Anrufe mit kryptischem Inhalt erhält. Trotzdem weiss er jeweils exakt was zu tun ist und sucht daraufhin ein bestimmtes Gebäude auf, um darin (in 90% der Fälle) alles umzubringen, was sich bewegt. Danach geht’s weiter zu Pizzabuden oder VHS-Stores, wo seltsamerweise immer der gleiche, nette Typ arbeitet. Von Zeit zu Zeit trifft er ein maskiertes Trio, deren Dialoge ähnlich verwirrend sind wie die Anrufe. Die Atmosphäre ist während des gesamten Spiels ausgesprochen surreal und versetzt den Spieler in einen eigentlichen Rausch. Denn perfekt wird die Mischung durch den hypnotischen Soundtrack, der aus experimentellen elektronischen Klängen besteht. Da ist sie, die einzigartige Kombination!

Ein vertrautes Bild

Wer sich nun allerdings in diese kranke Welt begeben will, sei vorgewarnt: Hotline Miami kennt keine Gnade! Die Gegner sind vielleicht nicht besonders intelligent, aber sie kommen in Massen und sind schnell – keine gute Ausgangslage für ein „One-Hit-Point-Wonder“. Die Auswahl an Waffen ist zwar gross, aber Schusswaffen locken durch ihren Lärm meist Scharen von Feinden an und sollten deshalb nur mit grösster Vorsicht eingesetzt werden. Oft wird einen das Spiel in die unmöglichsten Situationen bringen, die zu Wutausbrüchen der übelsten Art führen können. Besonders Bosskämpfe führen zu zahllosen Toden und unglaublichem Frust. Aber es ist wie bei allen schweren aber trotzdem guten Games: Sie frustrieren einem genug um wahnsinnig zu werden, aber nicht genug, um aufzugeben. So bleibt man auch nach dem x-ten Bildschirmtod noch dran, versucht seine Strategie etwas anzupassen und die Etage zu überleben. So gleicht das ganze einem Puzzle, für das eine ganz bestimmte Lösung gefunden werden muss, im schlimmsten Fall durch reines Trial&Error-Gameplay.

Fazit

Hotline Miami ist mehr eine Droge als ein Spiel. Es nimmt einen mit seiner schrägen Mischung aus 80er-Glam, Brutalität und schierer Frustration gefangen und hinterlässt dadurch einen bleibenden Eindruck. Alles in allem ein Paradebeispiel dafür, warum diese Gaming-Ära den Indiegames gehört.

9 von 10 Autos mit stylischen Flügeltüren

by Andypanther

2 Antworten zu “Hotline Miami – Mehr Trip als Spiel

  1. Definitv ein gutes Spiel, auch wenn ich es nie laenger als 10 Minuten durchgehalten habe ohne matschig im Kopf zu werden 😀

  2. Soundtrack und Game passen so wuderbar zusammen, das ich bezweifle das ich ohne die gute Mucke zichtausend durchläufe in den levels überstanden hätte ohne meinen Rechner aus´m Fenster zu werfen… zwischendurch brauchte ich auch Studen, Tage oder gar Wochen Pause, weil alleine der Gedanke an das Spiel so ein komisches Gefühl in mir ausgelöst hat.
    Trotzdem macht das Game mehr laune als die Sackteuren AAA Titel.

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