Game Mythen: Stop ’n‘ Swop

Willkommen zu einer neuen Ausgabe der beliebten Game Mythen. Das Warten ist nicht umsonst gewesen, denn dieses Mal soll eine der bekanntesten „Urban Legend of Zeldas“ thematisiert werden, die Geschichte um die „Stop ’n‘ Swop-Items“ in Banjo-Kazooie. Die Sache ist lang und kompliziert und erstreckt sich über viele Jahre und mehrere Serienableger. Wo soll ich anfangen?

Zunächst war da Banjo-Kazooie, das legendäre Rare-Meisterwerk aus dem Jahr 1998. In dem Spiel, welches bekanntlich an Genialität kaum zu überbieten ist, gab es jedoch eine Sache, welche die Fans jahrelang beschäftigt hat und Theorien sowie Legenden hat entstehen lassen: Stop ’n‘ Swop. Im Spiel gab es nämlich einen auffällig platzierten, aber trotzdem unerreichbaren Schlüssel hinter einer Eiswand. Egal was man versuchte, an den Schlüssel kam man nicht ran und musste sich dieses Vorhaben wohl oder übel aus dem Kopf schlagen und normal weiterspielen. Schloss man aber das Spiel mit dem Maximum von 100 Puzzleteilen ab, zeigte einem Mumbo in einer Reihe von Videosequenzen Dinge, welche im Nachfolger vorkommen würden. Nicht nur war da zu sehen, wie Banjo und Kazooie sich den Eisschlüssel schnappten, auch zwei mysteriöse Eier wurden gezeigt. Diese waren offenbar in verdächtig aussehenden Sackgassen der Levels versteckt: Hinter der Tür in jener Nische in Gobis Valley, wo man Gobi eine leere Honigwabe stiehlt sowie im Innern der eigentlich unerreichbaren „Sharkfood Island“ im Strandlevel Treasure Trove Cove. Gemäss Rare könne man diese Items mithilfe des Nachfolgers Banjo-Tooie finden. Keine Information darüber, wie man dies konkret anstellt und zu was diese Items eigentlich gut sein sollten. „Durch das Lösen bestimmter Aufgaben im Nachfolger“ klang so vage wie nur irgend möglich. Rare hatten den Köder ausgelegt und die Spieler hatten angebissen. Jeder wollte wissen, was es mit den Items auf sich hat und am besten der erste sein, der sie in die Finger bekommt. Der Erfolg blieb jedoch aus.

Durch Hacken wurde immerhin herausgefunden, dass Ingame-Cheats existieren, welche den Eisschlüssel und die zwei Eier ins Pausenmenü bringen, zusammen mit vier weiteren, zuvor noch unbekannten Eiern. Auch ein sogenanntes „Stop ’n‘ Swop-Menü“ wurde entdeckt, welches zwar den Namen bekannt machte, aber trotzdem keinen Effekt hatte. Eine Besonderheit war, dass sich alle sieben Items nach ihrer Freischaltung permanent in den Pausenmenüs sämtlicher Savefiles festsetzten und sich selbst durch das Löschen der Datei nicht mehr entfernen liessen. Nur durch Aufschrauben der Cartridge mit anschliessendem „Inneren Reset“ konnten sie entfernt werden.

Falls sich jemand dafür interessiert, hier sind die Codes, welche – wie alle Ingame-Cheats – aufwändig in der Sandburg der Treasure Trove Cove eingegeben werden müssen. Wie gesagt, der Effekt ist rein kosmetisch und lässt sich nur durch Aufschrauben der Cartridge rückgängig machen.

  • Hellblaues Ei

CHEAT DONT YOU GO AND TELL HER ABOUT THE SECRET IN HER CELLAR

  • Lila Ei

CHEAT OUT OF THE SEA IT RISES TO REVEAL MORE SECRET PRIZES

  • Blaues Ei

CHEAT A DESERT DOOR OPENS WIDE ANCIENT SECRETS WAIT INSIDE

  • Hellgrünes Ei

CHEAT AMIDST THE HAUNTED GLOOM A SECRET IN THE BATHROOM

  • Rotes Ei

CHEAT THIS SECRET YOULL BE GRABBIN IN THE CAPTAINS CABIN

  • Gelbes Ei

CHEAT NOW BANJO WILL BE ABLE TO SEE IT ON NABNUTS TABLE

  • Eisschlüssel

CHEAT NOW YOU CAN SEE A NICE ICE KEY WHICH YOU CAN HAVE FOR FREE

Als der Nachfolger schliesslich erschien, hatten die Stop ’n‘ Swop-Items, wenn auch reduziert auf vier, erneut einen Auftritt. Diesmal waren sie tatsächlich sammelbar und konnten sogar relativ früh im Spiel gefunden werden: Es handelte sich um den Eisschlüssel und drei Eier, von denen zwei in herumhüpfenden Banjo-Kazooie Cartridges versteckt waren. Die Eier konnten ausgebrütet werden, um so zwei neue Moves sowie eine Multiplayer-Option freizuschalten. Der Eisschlüssel hingegen öffnete bloss einen Safe, in dem ein weiteres Item lag, welches wiederum für eine geheime Verwandlung eingesetzt werden konnte. Nette kleine Easter-Eggs (im wahrsten Sinne des Wortes!), aber von einer Verbindung zum Vorgänger war keine Spur. Die Jahre vergingen und die Sache wurde endgültig zum Mythos. Rare hüllten sich weiterhin in Schweigen und begannen stattdessen, die Sache in ihren eigenen Spielen zu parodieren.

Erst 2004 drangen erste Details an die Öffentlichkeit, welche erstmals eine plausible Theorie lieferten, wie die Verbindung zwischen den beiden Spielen hätte funktionieren sollen. Nochmals vier Jahre später wurden sie von einem Rare-Mitarbeiter bestätigt: Die Idee war gewesen, die Cartridges im laufenden Betrieb zu wechseln, um so die Daten vom jeweils anderen Spiel dem RAM (Random Access Memory) hinzuzufügen. Ermöglicht sollte dies dadurch werden, dass der bekanntlich flüchtige Arbeitsspeicher im Fall eines entfernten Moduls erst nach 10 Sekunden gelöscht würde. Genug Zeit also, um den Wechsel vorzunehmen. Einfach anhalten (Stop) und Tauschen (Swop). Aber warum wurde es dann nicht gemacht, wenn es ja offenbar technisch möglich gewesen wäre? Das Problem, so wurde weiter erklärt, lag hier nicht bei Rare, sondern bei Nintendo. Diese mochten die Idee vom Herausnehmen von Spielmodulen im laufenden Betrieb nicht und rieten davon auch in der offiziellen Bedienungsanleitung der Konsole ab, rechtlich gesehen eine verständliche Sichtweise. So kam es, dass alle ab 1999 produzierten N64-Konsolen die Zeit der Zwischenspeicherung im RAM massiv reduzierten (auf weniger als drei Sekunden) und Rare sich gezwungen sahen, das Feature zu streichen. Das ist sie, die traurige Wahrheit. Was man mit Stop ’n‘ Swop hätte freischalten können, werden wir vielleicht nie wissen, aber vielleicht ist das auch besser so. Im Remake haben Rare tatsächlich eine Möglichkeit eingebaut, an die Items heranzukommen. Aber natürlich erwartet den Spieler da nichts Grossartiges; ein paar Items für den ungeliebten Xbox 360-Teil Schraube Locker, das war’s.

Als man den Mythos um Stop ’n‘ Swop bereits als denkwürdige Anekdote innerhalb der Videospielgeschichte abgehakt hatte, geschah 2012 etwas historisches: Einer einfallsreichen Spielerin namens Cronikeys gelang es als erster Person, eines der sagenumwobenen Items ohne jegliche Cheats einzusammeln. Es handelte sich dabei ausgerechnet um den Eisschlüssel. Nicht viel später fand sie auch einen Weg, das Ei in der Wüste zu bekommen. Selbstverständlich bewirkte das „legitime“ Einsammeln dieser Items kein bisschen mehr als die Eingabe der Cheats, der Name Cronikeys wird aber trotzdem in die Geschichte eingehen. Zumindest für Nerds wie mich. Zugleich ist dieser Erfolg auch das bisher letzte Kapitel der Stop ’n‘ Swop-Saga, die definitiv ihren Teil dazu beigetragen hat, aus den alten Rare-Klassikern Kultspiele zu machen.


by Andypanther

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