World War Z: Zombies, Zombies uuund… Zombies!

Aktuell gehören Zombies mal wieder zu den ganz grossen Stars. Egal ob im Film, Videospiel oder Comic; überall müssen die Untoten in irgendeiner Form dabei sein. Wie man diese jedoch darstellt, unterscheidet sich von Mal zu Mal. Bevorzugt man die klassische langsame Variante im Night of the Living Dead-Stil, moderne Sprint-Zombies oder gar die ganz intelligente Version der wandelnden Leichen? Die Möglichkeiten sind vielfältig. Wie dem auch sei, ich habe mir kürzlich den mit Spannung erwarteten Film World War Z angesehen. Schauen wir also, wie gut diese Zombies beim NBN-Test wegkommen..

Ich war ja gespannt, wie die Kombination von meinem Landsmann Marc Forster als Regiesseur und Brad Pitt als Produzent/Hauptdarsteller funktionieren sollte – in einem Zombie-Blockbuster! Forster ist ja normalerweise eher nicht der erste Name, der beim Stichwort „Mainstreamkino“ einfällt. Sein einziger derartiger Film war der 22. Bond, Quantum of Solace, den ich nicht gerade für ein Meisterwerk halte. Grund zur Skepsis war also da, zumal mich der Trailer auch nicht so wirklich überzeugt hatte. Das Buch, auf dem der Film basiert, habe ich übrigens nie gelesen. Was ich weiss ist, dass es so gut wie nichts mit dem Film gemeinsam hat.

Story

Die Story des Films ist denkbar simpel: Eine Zombieapokalypse bricht in Form eines Virus aus, dass Menschen zu, nun ja, Zombies macht und von diesen dann per Biss übertragen wird. Die Zombies sind ausserordentlich schnell und stark. Nach einem Biss ist man schon nach kürzester Zeit infiziert. Der für die UN arbeitende Gerry Lane (Brad Pitt) ist mit seiner Familie mittendrin, schafft es aber, sich dank seiner Position auf ein als Flüchtlingslager dienendes Kriegsschiff evakuieren zu lassen. Allerdings darf seine Familie den begehrten Platz nur behalten, wenn er einwilligt, sich an einer Mission zu beteiligen, die den Ursprung des Virus finden soll. Die epische Rettung der Welt kann also beginnen!

Wenn ich der Story etwas vorwerfen kann, dann wären das die fehlenden Informationen darüber, warum auf Gerry Lane so viel Hoffnung gesetzt wird. Hat er denn schon vor den Ereignissen dieses Films ein, zwei Mal die Welt gerettet? Ausserdem würde ich generell ein Setting bevorzugen, dass ganz normale Leute ins Zentrum rückt, keine auserwählten Militärtypen. Aber das ist bloss persönlicher Geschmack.

Review

In diesem ersten Akt des Films, also bis zu dem Punkt an dem die grosse Mission beginnt, ist die Geschwindigkeit halsbrecherisch schnell, die Schnitte auf höchstem ADHS-Niveau. Ich war zwar nie wirklich ein Fan deratiger Geschwindigkeit in Filmen, aber hier war sie zugegebenermassen ein ziemlich effektives Stilmittel, dass das Chaos einer Zombieapokalypse gut einzufangen vermochte. Als Ausgleich dazu variiert das Tempo später stärker. Richtig so, denn irgendwann würde es den Zuschauer nur noch ermüden.

Nach und nach wird die Handlung zu einer weltweiten Schnitzeljagd, bei der es zwischen all den Zombieangriffen nicht immer viel Platz für Story- oder Charakterentwicklung gibt. Das ist auch der Grund, warum mir keine der Figuren wirklich in Erinnerung geblieben ist. Alle blieben blass, mussten schnell wieder Platz machen für mehr Zombie-Action. Mit einer Ausnahme: Die Untoten als Kollektiv sind der eigentliche Hauptdarsteller. Sie sind der einzige „Charakter“, der über die Spieldauer hinweg wirklich wächst und eine richtige Persönlichkeit bekommt. Anfangs geht alles so schnell, dass die Zombies nichts mehr als eine undefinierbare Masse sind, eine Naturkatastrophe. Man sieht zwar einige „Verwandlungen“, trotzdem bleiben die Zombies in diesem Moment noch eine Sache, keine Individuen. Das ist auch gut daran zu erkennen, dass es etwa bis zur Mitte des Films dauert, bis die infizierten endlich „Zombies“ genannt werden. Man sieht sie in jeder erdenklichen Situation rund um die Welt, immer mit dem gleichen, stur verfolgten Ziel. Diesem Ziel ordnen die Zombies alles unter, ohne jegliche Rücksicht rammen sie ihre Körper gegen alle Hindernisse. Ihre schlimmste Waffe ist ihre schiere Anzahl, wie in den Szenen in Jerusalem eindrücklich zu sehen ist. Zombies können quasi als Symbol dafür betrachtet werden, welche Macht die Masse theoretisch besitzt. Gesunde Menschen sind aber nur begrenzt in der Lage diese Macht wirklich zu entfesseln, da sie durch Vernunft und Angst gehemmt sind. Das ist es, was Zombies im Grunde so furchteinflössend macht, ihre Fähigkeit die Macht der Masse uneingeschränkt zu nutzen. Dies war für mich der vielleicht stärkste Aspekt von World War Z. Die hervorragende Inszenierung dieser Eigenschaft.

Im letzten, mehr auf klassische Horrorelemente zurückgreifenden Akt wird aber ein radikal anderes Bild der Untoten gezeigt. Man sieht zum ersten Mal, wie sich die Zombies verhalten, wenn keine gesunden Menschen in der Nähe sind. In diesem passivem Dämmerzustand wirken die Horrorgestalten fast schon bemitleidenswert, ohne aber ihren Schrecken völlig zu verlieren. Den Höhepunkt bildet schliesslich ein minutenlanger „Dialog“ zwischen Gerry Lane und einem Zombie, der gänzlich ohne Worte auskommt. Ich weiss, dass das Ende polarisiert, dass es wegen interner Streitigkeiten mehrmals neu gedreht wurde, aber das ist mir egal: Ich halte es für das Highlight des Films! Das Finale auf diese Weise zu gestalten war eine sehr clevere Idee und entschädigte dafür, dass vorher etwas gar viele Hollywood-Klischees verwendet wurden.

Leider gibt es aber ein sehr grosses Problem mit World War Z, dass mir den Spass etwas verdorben hat: Das offensichtliche Schielen auf ein niedriges Alters-Rating. Versteht mich nicht falsch! Ich bin eigentlich die letzte Person, die ständig nach Blood & Gore schreit, aber das ist nun mal ein verdammter Zombiefilm! Da will ich einfach einen gewissen Gewaltgrad sehen. Bei den schnellen Massenszenen am Anfang fällt es noch nicht wirklich ins Gewicht, aber wenn ein am Boden liegender Zombie mit einer Axt bearbeitet wird oder die Überlebenden gerade damit beschäftigt sind, die Wunden von (natürlich offscreen) abgetrennten Gliedmassen zu verarzten, sieht es einfach nur irritierend aus, wenn die Kamera sich geradezu panisch von den „schlimmen Stellen“ fernhält. Denselben Effekt hat es, wenn die Zombies mit Granaten getroffen werden, aber nicht ein einziger Blutstropfen zu sehen ist. Hier widerspricht sich der Film. Er beschwört die schlimmste Apokalypse aller Zeiten und präsentiert uns einen astronomisch hohen Bodycount, versucht aber gleichzeitig so familienfreundlich wie möglich zu sein. Man könnte fast sagen er fürchte sich vor seinem eigenen Genre. Vermutlich wurde die Gewalt klein gehalten, damit sich das enorme Budget von 200 Millionen an den Kassen leichter wieder einholen lässt.

Fazit

World War Z ist ein spassiger Zombiefilm ohne allzu viel Story, der trotz einiger sehr starker Momente auf keine Weise mit den Klassikern des Genres mithalten kann. Der niedrige Grad an Gewalt könnte einige irritieren und Fans des Buchs werden sich vermutlich sowieso nur ärgern. Hinzu kommen viele kleinere Logikfehler, über die man aber hinwegsehen kann, wenn man den Film als das nimmt, was er ist.

7 von 10 an Nordkorea gescheiterten Zombies

by Andypanther

4 Antworten zu “World War Z: Zombies, Zombies uuund… Zombies!

  1. Naja, dann wars vermutlich doch richtig, dass ich anstelle diesem zu Man of Steel ins Kino gegangen bin🙂 Fürs Heimkino scheint er aber dennoch was für mich zu sein. Und irgendwie ist die vom-Zombie-infiziert-Story für mich seit Resident Evil auch irgendwie ausgelutscht oder? Die Spiele dazu konnte ich übrigens nie fertig spielen, hab mich zu sehr gegruselt😀

  2. Gut geschrieben Andypanther. Klingt für Zombiefans wie uns tatsächlich eher nach Heimkino als nach Must-See-In-Cinema… Zombies werden nie langweilig😉

  3. Wie gesagt für mich ist es kein Zombiefilm aber auch als Actionfilm vermag das Ganze nicht überzeugen

  4. Hab ihn vorgestern nun endlich auch gesehen. Fand ihn insgesamt sehr durchwachsen und würd ihn als nicht lohnenswert bezeichnen. Der “fehlende” Gewaltgehalt ist mir gar nicht aufgefallen, die schnellen Schnitte (in Kombination mit dem total unnötigen und schlechten 3D-Effekt) hingegen sehr negativ. Marc Forster ist damit schon beim Bond-Film sehr negativ aufgefallen. Mir war das alles viel zu wirr und zu anstrengend. Ich verstehe zum Beispiel nicht, warum man selbst bei einer kurzen Kussszene zwei Schnitte einbauen muss. Fast schon so erbärmlich wie Prince of Persia. World War Z hat allerdings einige echt starke Momente, etwa gegen Schluss, als sie die Krankheitserreger einsammeln gehen wollen. Packend und bedrückend. Hab mir dazu sehr gut ein Survival Horror Game vorstellen können…

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