Zelda und die Sache mit der Sprachausgabe

Das Thema ist alt und wird regelmässig zum Release eines neuen Zelda wieder von vorne durchgekaut. Auch aktuell, wo sich die Gerüchte zum sagenumwobenen „Zelda HD“ aktuell überschlagen, ist dies nicht anders. Es ist an der Zeit, dass ich zu dieser Frage meinen definitiven Standpunkt darlege.

Wir halten fest: Seit es die Legende von Zelda in 3D gibt, war die Sprachausgabe ein Thema. Zu N64-Zeiten waren allerdings noch keine konkreten Forderungen möglich, da die Schwäche des Soundchips der damaligen Konsole nur zu gut bekannt war. Trotzdem war es auffällig, dass Link nicht einmal Textboxen bekam. In der 6. Generation begann das Hoffen grosser Fanschichten hingegen schon früh, bereits vom vielzitierten Render-Trailer an der Space World 2000 an. Allerdings hatte Nintendo ganz andere Pläne. Die Geschichte ist bekannt: 2003 erschien das in Cel-Shading gehaltene Wind Waker. Ein Spiel, dass mit seinem Stil viele vor den Kopf stiess, aber Zelda-typisch durch sein phänomenales Gameplay begeisterte. Da aber trotzdem eine genug hohe Zahl Spieler bestehen blieb, die „Erwachsenheit“ anhand der Literzahl an Blut und der Farblosigkeit der Grafik definieren, folgte 2006 Twilight Princess. Das Gameplay wurde diesmal zwar nicht ganz so begeistert aufgenommen, aber die Realismus-Fraktion hatte bekommen, was sie wollte. Nun ja, fast. Denn wer glaubt, dass die Cel-Shading-Hasser von damals jetzt zufrieden waren, der täuscht sich gewaltig: Die fehlende Sprachausgabe war nun das Problem! Nintendo hingegen blieb bekanntlich stur und erschuf mit Skyward Sword gar ein Spiel, dass beide Kritikpunkte in sich vereinte: Neuer Grafikstil und keine Sprachausgabe!

Das ist aber noch längst nicht alles, denn viele übersehen den Fakt, dass es Zelda mit Sprachausgabe in der Vergangenheit bereits gab. Mehrfach! Ende 80er lief tatsächlich eine kurzlebige Fernsehserie zu der legendären Franchise, die Link als primitiven Maulhelden präsentierte, dessen permanentes Ziel ein Kuss von Zelda ist. Muss ich den zum Meme gewordenen Spruch „Well! Excuuuuuuse me, princess!“ wirklich noch bringen? Auch in den Mangas zur Serie spricht der ansonsten stumme Held, so wie alle anderen Charaktere auch. Nicht zu vergessen: Die Zeldas für den CD – Moment, die existieren ja nicht! *Ohren zuhalt und lalalalala sage*

Nintendos Erklärung auf die Frage, warum es in Zelda keinerlei Sprachausgabe gibt und Link bis heute ein stummer Held geblieben ist, war immer die gleiche: Der Spieler soll sich mit Link identifizieren können. Würde man dieser Figur eine Stimme und eigene Dialoge geben, verliere sie ihren Effekt als Projektionsfläche. Das leuchtet zunächst ein. Stumme Helden haben diese Wirkung tatsächlich und Zelda ist auch nicht die einzige Serie, die auf dieses erzählerische Mittel zurückgreift. Trotzdem ist es keine Ausrede dafür, nicht wenigstens den restlichen Charakteren eine Stimme zu geben. Gerade die wiederkehrenden Rollen einer Zelda, eines Ganons oder einer Impa könnten durch eine gelungene Synchronisierung einiges an Tiefe gewinnen. Wenn ich an die besten Szenen aus den Zeldas seit Wind Waker zurückdenke, so kann ich mir sehr gut vorstellen, wie diese durch eine Sprachausgabe aufgewertet würden. Der Ganondorf aus Wind Waker mit einer gehörigen Portion Wahnsinn in der Stimme, Midna aus Twilight Princess möglicherweise mit einem Akzent, der den Effekt ihrer charakteristischen Laute aufrechterhält. Bei Skyward Sword hätte man für Phai einige klangliche Effekte einbauen können, um den derzeitigen Charakter ihrer Fantasiesprache zu bewahren. Und wie könnte ich die meiner Meinung nach beste Rolle in dem Spiel – Links Schulrivale Bado – vergessen, diese Figur hätte doch bestimmt auch mit einer Stimme so gut funktioniert. Allgemein scheint diese Lösung, „Sprachausgabe-für-alle-ausser-Link“, viel zu selten in Erwägung gezogen zu werden, was ich eigentlich schade finde. Die Idee hätte Potential, es würde nichts dagegen sprechen, es zumindest einmal optional zu versuchen. Ausserdem kennt man von den meisten Charakteren ja auch mit der jetzigen Variante zumindest den Klang der Stimme. Allen voran sind das natürlich Links markante „Hyyyyaaaaa!“ -Rufe, aber auch Laute, einzelne Worte oder gar kurze Sätze der NPCs.

Anders sehe ich die Sache bei Link selbst. Ehrlich gesagt kann ich mir nicht im Geringsten vorstellen, wie diese Kultfigur sich einer so radikalen Änderung unterziehen könnte. Egal wie, egal wer, gibt man Link gesprochenen Text kann man es nur falsch machen. Die komödiantische Variante der TV-Serie steht sowieso nicht zur Debatte, kann aber vorzüglich als Totschlagargument gegen eine Sprachausgabe verwendet werden. Nintendo hat in dieser Hinsicht einfach recht – Links Persönlichkeit würde nicht mehr funktionieren. Es ist nämlich nicht so, dass ich die verschiedenen Reinkarnationen des Helden alle als identische Person empfunden habe, ganz im Gegenteil, jeder Link ist einzigartig. Nehmen wir etwa den Link aus Ocarina of Time als Beispiel: Schon als die Story mit ihm als Kind beginnt, wird er als tragische Gestalt dargestellt. Er weiss von Anfang an, dass er nicht wie die anderen ist und dass er kein leichtes Los gezogen hat. Das wird unter anderem auch dadurch erkennbar, dass man ihm für den gesamten Spielverlauf keinen einzigen glücklichen Gesichtsausdruck gegeben hat. In Skyward Sword hingegen lebt Link zufrieden in seiner idyllischen Heimat, höchstens hin und wieder mal beschäftigt durch kleinere Alltagsprobleme. Die Ereignisse um die Hauptstory des Spiels sind hier nicht vorbestimmt, sie kommen aus dem Nichts und reissen Link aus dieser Idylle heraus. Das Ergebnis mag dasselbe sein (der Held rettet die Welt), aber die Motivation ist eine völlig andere: Link tut es nicht weil es seine Bestimmung ist, sondern aus eigenem Willen heraus um einen geliebten Menschen zu retten. Das mit dem Schicksal spielt sich zwischen den Zeilen ab.

Das mag jetzt wie eine hoffnungslose Nerd-Interpretation klingen, aber es ist nicht zu bestreiten: Nintendo konnte mir glaubhaft zeigen, dass man die scheinbar gleiche Figur ohne einen einzigen von ihr gesprochenen Satz komplett anders darstellen kann. Aus diesem Grund bin ich gegen Link als sprechenden Hauptdarsteller. Die einzige Art, mit der ich es mir zumindest entfernt vorstellen könnte wäre, wenn er ausschliesslich japanisch synchronisiert wird. Ach ja: Eine deutsche Sprachausgabe ist in jeglicher Form sowieso tabu. Keine Diskussion!

Top left, bottom right:

Sprachausgabe für für alle ausser Link!

by Andypanther

Eine Antwort zu “Zelda und die Sache mit der Sprachausgabe

  1. Es ist die Kunst der schlauen Unternehmensführung, den Kunden Sparmassnahmen als Feature verkaufen zu können.

    Auch gut: Wir legen den Spielen keine Gebrauchsanweisung/Booklet mehr bei, weil wir so die Umwelt schonen wollen.

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