Musikreview: Slayer – Reign in Blood (RIP Jeff Hanneman)

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Es ist wieder passiert, einer der alten Helden der Metal-Szene hat das Zeitliche gesegnet: Jeff Hanneman, Gitarrist und Gründungsmitglied der Thrash Metal-Legende Slayer. Zusammen mit Kerry King oder oft auch alleine verfasste er die Klassikersongs, die jedem Metaller bestens bekannt sein sollten. Anstelle eines weiteren R.I.P. -Artikels will ich an dieser Stelle das Album mit einem Review ehren, dass einst mein erster Kontakt mit der Band gewesen war und meinen musikalischen Horizont auf härtere Klänge erweiterte: Reign in Blood.



Für gestandene Metalfans braucht die Musik von Slayer keine Erklärung, für alle anderen sei hier aber trotzdem der typische Stil zusammengefasst: Harter, schneller, Doublebass-dominierter Thrash Metal (wer Trash sagt wird Gannon-Banned!). Der Gesang ist unmelodisch und aggressiv, ebenso wie die Melodien. Ein weiteres Markenzeichen sind die chaotischen und dissonanten Gitarrensoli. Slayer haben den Metal stark geprägt, zusammen mit Anthrax, Megadeth und Metallica stellten sie die „Big Four“ des Thrash Metal dar

Das Album beginnt mit der höchstmöglichen Provokation, die besonders in Deutschland für jede Menge Diskussionen gesorgt hat: „Auschwitz, the meaning of pain, the way that I want you to die!“ sind die ersten Zeilen von „Angel of Death“, einem der bekanntesten Songs der Band. Bei solchen Lyrics gibt’s natürlich erst mal Erklärungsbedarf, wobei die Antwort aber einfach ist: Slayer sind Amis! Es ist kein Geheimnis dass man auf der anderen Seite des Atlantiks teilweise erschreckend locker mit der NS-Zeit umgeht, Musik bildet da ebensowenig eine Ausnahme wie Film oder Comic. Konkret werden im Songtext die Taten des berüchtigten KZ-Arztes Josef Mengele (der auch, ihr ahnt es, „Todesengel“ genannt wurde) beschrieben, natürlich in der typischen Metalsprache. Verherrlichung? Keine Spur, Slayer wollten bloss möglichst brutale, böse und auch provokative Songtexte, so wie tausende andere Metalbands auch. Die Nazis und ihre Gräueltaten waren da logischerweise der naheliegendste Schritt, die Stufe die man nicht mehr übertreffen kann. Hätte für mich nicht unbedingt sein müssen, aber solange man weder verherrlicht noch verharmlost, kann ich damit leben (einige spätere Aussagen von Sänger Tom Araya, einem gebürtigen Chilenen, zum Pinochet-Regime stehen allerdings auf einem ganz anderen Blatt). Irgendwie ironisch, dass „Angel of Death“ gleichzeitig auch der beste Song auf der Scheibe ist. Nie werde ich die Wirkung vergessen, die dieser Metalklassiker beim ersten Hören entfaltete, die schiere Härte war unfassbar. Obwohl ich heute auch extremere Spielarten des Metal, vorzugsweise Death, höre, bleibt Angel of Death ein Monument des harten Thrash. Alleine dieser Wahnsinnsgroove im Mittelteil!

Nach dieser brutalen Eröffnung, wird das hohe Niveau durchwegs gehalten. „Piece by Piece“ ist der einzige Song des Albums der ausschliesslich aus der Feder von Kerry King stammt, er bietet Splatter ohne Ende, „Necrophobic“ ist nicht weniger appetitlich und punktet durch seine extreme Schnelligkeit. Oder wie schnell könntet ihr so liebliche Begriffe wie ‚Asphyxiation‘, ‚Mutilation‘, ‚Limb dissection‘ oder ‚Strangulation‘ aneinanderreihen? Die darauffolgenden Songs „Altar of Sacrifice“ und „Jesus Saves“ habe ich immer als Doppelpack gesehen, da sie ineinander übergehen. Das Tempo bleibt hier weiterhin hoch, was aber nicht bedeutet, dass es keine Abwechslung gäbe: Hört euch nur an, wie das Gitarrenduo Hannemann/King wieder ein Hammerriff nach dem anderen vom Stapel lässt. Und die Quote an „Anti-Christentum“ -Texten wird auch abgedeckt, was wünscht man sich mehr? Nun fragt man sich vielleicht: Gehen Slayer hier eigentlich auch mal wieder vom Gaspedal runter? Kaum, es gibt einige kurze Verschnaufpausen, aber grösstenteils ist Highspeed angesagt. Auch nach der Statistik ist Reign in Blood mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von über 200 bpm das schnellste Slayer-Werk.

In manchen Ohren klingen die Songs dieses Albums vielleicht alle gleich und ich bestreite nicht dass Slayer meist ein einziges Schema verwenden, aber ist das den schlecht? Egal welchen Song der Platte man herauspickt, es gibt nur Volltreffer. Sei es das kurze und heftige „Reborn“, das herrlich groovende „Criminally Insane“oder der Bandklassiker schlechthin: „Raining Blood“. Das Intro mit den Drums (da-da-dum) ist Kult und warnt den Hörer vor dem kommenden Spektakel. Wer sich darauf einlässt bekommt einen jener Metalsongs geboten, die zurecht als „Nackenbrecher“ bezeichnet werden. Primitiv und gleichzeitig genial! Insgesamt ist das Album so 10/10 wie etwas nur sein kann.

Man kann unmöglich ein einzelnes Bandmitglied hervorheben, jeder trägt seinen Teil zum unverwechselbaren Slayer-Sound bei. Das alles zerstörende Gitarrendou Hanneman/King, das präzise Doublebass-Drumming von Dave Lombardo, die fiesen Schreie von Tom Araya. Trotzdem will ich an dieser Stelle die Bedeutung von Jeff Hanneman betonen: Er war es, der die meisten Songs auf Reign in Blood geschrieben hat, die zwei bekanntesten davon alleine. Ohne seine Gitarrenarbeit hätte es die stilprägenden Slayer in der Form nicht gegeben und der extreme Metal würde heute ganz anders sein.

Ehren wir den viel zu früh verstorbenen „Schlächter“ also, mit einem Bier in der Hand und und Reign in Blood im Player. Rest in Peace, Jeff!

by Andypanther

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