Musikreview: Iron Maiden – Iron Maiden

Es wird mal wieder Zeit, etwas klassisches zu reviewen. Zur Abwechslung soll hierfür mal etwas Musikalisches herhalten. Wir begeben uns zurück ins Jahr 1980, dem Jahr, in dem das Debüt einer Band erschien, die heutzutage Weltruhm geniesst und die neben Metallica wohl erfolgreichste Heavy Metal-Band aller Zeiten darstellt: Iron Maiden. Da die Jungfrauen einer meiner alltime-Faves sind, sollen sie mit ihrem selbstbetitelten Debüt die Ehre des ersten Alben-Reviews von NBN bekommen.

Iron Maiden (das Album) sticht neben den anderen Aufnahmen der Band sofort hervor: Der Sound! Was für ein ungeschliffener, rauer Punksound das doch ist, da wirkt nichts auch nur im geringsten glattpoliert. Selbst das noch immer raue Folgealbum, Killers, hat diesen Punksound nicht so stark. Es ist kein Geheimnis, dass die Band selbst den Sound nicht ausstehen kann und schon seit längerem mit einer kompletten Neueinspielung liebäugelt, ich jedoch mag’s. Das Album ist perfekt so wie es ist und stellt ein Abbild seiner Zeit dar, der Zeit, als die NWoBHM (New Wave of Britisch Heavy Metal, für die Anfänger hier) geboren wurde. Die Bewegung hat schliesslich ihre Wurzeln im Punk und daher ist es nur verständlich, wenn das auch zu hören ist.

Maiden hatten die Gelegenheit zu dieser Aufnahme bekommen, nachdem sie sich in den letzten Jahren einen Namen im Londoner Underground gemacht hatten und ihre im Vorjahr erschienene Demo, die heute legendären „Soundhouse Tapes“, ein Riesenerfolg gewesen waren. Erfolgreich genug für einen Deal mit EMI. Von der Demo sind hier noch zwei Songs geblieben, der Opener „Prowler“ und die Bandhymne „Iron Maiden“. Obwohl als Produzent ein gewisser Will Malone angegeben ist, wurde das Album grösstenteils von den Musikern selbst produziert, was eine Erklärung für den Sound sein könnte. Eine weitere Besonderheit ist, dass dies das einzige Maiden-Album mit Dennis Stratton an der Gitarre ist. Stratton interessierte sich im Gegensatz zur restlichen Band eher für bluesigere, progressivere Musik und fand daher besonders gefallen an Songs wie „Strange World“ oder „Remenber Tomorrow“. Bandleader Steve Harris und der Rest waren jedoch eher an Metal interessiert, weshalb Stratton die Band schon kurz nach der Aufnahme wieder verliess. Ersetzt wurde er durch Adrian Smith, der (nach einem Unterbruch) auch heute noch bei den Jungfrauen zu hören ist. Diese Differenz ist eigentlich bis heute bemerkbar, denn ein Strange World ist im gesamten, 15 Studioalben umfassenden Katalog der Briten ziemlich einzigartig geblieben. Trotzdem wurde auch der genannte Titel von Steve Harris verfasst, Stratton hat keinerlei Credits vorzuweisen. Apropos Credits: Mit „Charlotte the Harlot“ ist der bis heute einzige Iron Maiden-Song vertreten, der von Gitarrist Dave Murray allein geschrieben wurde. Ziemlich bemerkenswert eigentlich, wenn man bedenkt, dass Murray das neben dem Bandleader einzige Mitglied ist, das auf jedem Album dabei war.

Aber bevor ich weiter auf einzelne Songs eingehe, muss natürlich auch noch der Mann am Mikro erwähnt werden: Der kultige Paul Di’Anno, Sänger auf den ersten beiden Maiden-Alben. Di’Anno ist so ziemlich das Gegenteil vom späteren Maiden-Frontmann der klassischen Jahre, Bruce „Air Raid Siren“ Dickinson. Seine Stimme war nicht die eines typischen Melodic Metal-Sängers, also opernhaft hoch und klar, sondern unausgebildet und rau, genau wie der Sound des Albums. Auch sein Auftreten und sein Image hatten nichts mit dem von Sängerdiva Dickinson zu tun. Paul Di’Anno war ein Punk, das merkte man ihm an. Trotzdem bedeutet das aber nicht, dass sein Gesang deswegen schlechter wäre, ganz und gar nicht. Er mochte nicht den Stimmumfang seines Nachfolgers haben, aber Singen konnte er trotzdem. Es passte hervorragend zur Musik und überzeugte besonders in seinem Wechsel zwischen harten und ruhigen Passagen. Ich bleibe dabei: Kein anderer Iron Maiden-Sänger konnte diese Songs jemals besser interpretieren.

Und eben, die Songs: Klassiker über Klassiker! Ich denke jeder der sich selbst als Metaller bezeichnet, sollte diese Lieder schon längst im Blut haben. Hier die Tracklist:

1: Prowler
2: Sanctuary (erst ab den Re-Releases)
3: Remember Tomorrow
4: Running Free
5: Phantom of the Opera
6: Transylvania
7: Strange World
8: Charlotte the Harlot
9: Iron Maiden

Man hört hier schon so manche Maiden-Trademarks heraus: Steve Harris‘ galoppierender Bass, die berühmten Twin Leads und natürlich diese hymnenhafte aber trotzdem nie primitive Eingängigkeit. Mit dem siebenminütigen „Phantom of the Opera“ ist auch so etwas wie die Urform eines Maiden-Longtracks enthalten, bis heute ein Favorit von Band und Fans. Mit seinem Bezug auf den gleichnamigen Buchklassiker ist er auch der erste von vielen Maiden-Songs, die inhaltlich eine literarische oder filmische Vorlage thematisieren. Songs wie „Prowler“ und „Running Free“ fallen dagegen eher in die Kategorie Maiden-Rocker, Songs die wie geschaffen sind zum Headbangen. Das bereits zuvor erwähnte „Strange World“ ist natürlich der Exot, durch seine progressive Art unterscheidet er sich völlig von allen anderen Songs der Band. Es überrascht nicht, dass er als einziger Song des Albums in keiner offiziellen Aufnahme mit einem der späteren Sänger zu finden ist. Der Titelsong ist hingegen ein Kultklassiker, er gehört zu den ersten von Steve Harris geschriebenen Songs und wird seit Gründungstagen an jedem Konzert gespielt. „Transylvania“ schliesslich ist einer der wenigen reinen Instrumental Tracks der Band, ich habe den immer gerne auf der Gitarre versucht, um schneller spielen zu lernen.

Die Tracks mit Text haben natürlich noch sehr simple Inhalte vorzuweisen, keine Überraschung wenn man das damalige Alter der Beteiligten bedenkt. Bei vielen Songs geht es eigentlich hauptsächlich darum, jung zu sein und sich nicht anpassen zu wollen, der ideale Soundtrack für die Generation also. Und dann gibt es Trash wie „Charlotte the Harlot“ (dass sogar in späteren Alben fortgesetzt wurde). Primitiv, aber lustig. Die Ausnahme stellt wie schon erwähnt „Phantom of the Opera“ mit seinem literarischen Bezug dar, ein Stilmittel auf das die Band später noch oft zurückgreifen sollte. Spätere Titel wie Brave New World sind daher selbsterklärend.

Was gibts noch zu sagen? Ah ja, Eddie, Maidens Bandmaskottchen, ist auf dem Cover zum ersten Mal zu sehen. Natürlich handgezeichnet, so wie es alle Metalcover sein sollten. Der schwermetallische Zombie geht, wie jeder Metalnerd weiss, auf ein Stück Bühnendeko aus den Anfangstagen zurück. Sein voller Name, Eddie the Head, ist wiederum eine Anspielung auf den klassischen Witz mit dem Kind, das nur als Kopf geboren wurde (hey, Maiden kommen aus England). Auf dem Cover der Running Free-Single war Eddie nur im Hintergrund zu sehen, verdeckt von Schatten. Auf dem Album nun, zeigte er erstmals sein Untotes Gesicht in voller Pracht, der Anfang einer grossartigen Serie an Artworks von Zeichner Derek Riggs. Diese wurden nämlich so populär, dass die Leute teils nur anhand des Covers ein Album kauften (remember, there wasn’t such a thing called internet back then).

Fazit

Ein Debüt, wie es einer legendären Metalband würdig ist. Vieles was Iron Maiden später berühmt machen sollte, ist hier bereits in seiner Urform enthalten. Wer es noch nicht kennt – unbedingt anhören, es handelt sich dabei um ein Stück Rockgeschichte! Natürlich könnten jüngere Metalhörer, die ausschliesslich mit fett produzierten Gitarrenwänden aufgewachsen sind, etwas irritiert sein durch den Sound. Da sage ich nur: Es ist METAL! Metal soll nicht perfekt und angepasst sein, es darf unvollkommen und roh sein, besonders wenn es sich um klassischen NWoBHM handelt. Wer zwar die Musik, aber nicht den Sänger mag, dem empfehle ich die erste Dickinson-Scheibe, The Number of the Beast. In dem Sinne: Up the irons!

by Andypanther

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