Die 8. Generation beginnt – Wie macht sich die Wii U?

Am 18. November wird es offiziell so weit sein: Wir starten in die 8. Konsolengeneration. Nintendo wird dieses neue Zeitalter des Gaming eröffnen, mit dem Nachfolger einer der erfolgreichsten Heimkonsolen aller Zeiten. Was bringt uns dieser Wechsel? Versuchen wir einen Blick in die Zukunft zu werfen…

Wenig überraschend ist zunächst mal der Fakt, dass Nintendo den Anfang macht. Ihre 7. Gen-Konsole war die einzige nicht HD-fähige und hatte damit eine Sonderstellung. Allerdings wurde es schon länger mehr als deutlich, dass die Zeit der Wii abgelaufen ist und es einen Nachfolger braucht. Dass dieser nun erneut auf ein auffälliges Gimmkick setzt (in diesem Falle der Tabletcontroller) war zu erwarten. Nintendo hat bisher immer irgendein Gimmick zur neusten Konsole bereitgehalten, das über die blosse Performancesteigerung hinausgeht. Beim SNES war es der Controller gewesen, beim N64 war es das 3D-Gameplay, bei der Wii die Bewegungssteuerung. Wenn man will, kann man beim NES das Lizenzmodell für die Games als Neuerung betrachten (gegenüber dem „jeder-kann-entwickeln“ -Prinzip, dass Atari letztendlich aus dem Geschäft geworfen hat). Die einzige Nintendokonsole, die im Prinzip nur eine bessere Technik hatte, war der Gamecube. Und was ist passiert? Er wurde zu Nintendos grösstem Flop (unter den Heimkonsolen, wohlgemerkt).

Ich glaube zugegebenermassen nicht, dass sich der immense Erfolg der Wii wiederholen lassen wird. Der Casualgamer vom Typ 1 (Wii Sports) wird keinen Grund darin sehen, eine neue teure Konsole zu kaufen, wenn er bereits eine Wii hat. Der Casualgamer vom Typ 2 (Smartphone) sowieso nicht. Schwierig wird’s auch beim Casualgamer Typ 3 (Call of Duty): Die Spieler, die immer nur auf der Suche nach der „coolsten“ Konsole sind, haben traditionell nie Nintendo gespielt. Es sind die gleichen, die man einst Sega-Kids nannte, später zu Sony wechselten und sich schliesslich auch Microsoft frönen. Nintendo wird diese Käuferschicht nicht anlocken können, nie, alleine schon der Name „Nintendo“ reicht dazu aus. Tatsächlich vermute ich, dass die Konsole starken Anklang finden könnte bei älteren Gamern. Zocker, die schon zu SNES, NES oder gar Atari-Zeiten dabei waren; Zocker die sich nicht für Online-Multiplayer interessieren, die nach traditionellen Spielprinzipien suchen, die keine hochgerüstete Multimedia-Station brauchen. Ein starkes Angebot an Klassikern und Indiegames könnte dazu beitragen. Nicht zu unterschätzen ist auch der Effekt, den Nintendos Ruf und das entsprechende Marketing auf Eltern haben. Ich kann es keinem verübeln, der seinen Kindern lieber die Konsole kauft, die mit Mario wirbt, anstatt diejenige, die sich mit möglichst realistischen Kriegsdarstellungen profiliert. Egal was der Spieler dabei denkt, auch bei minderjährigen Zockern – die unbedingt cool sein wollen – müssen am Ende die Eltern entscheiden. Das ist ein Teil von Nintendos Erfolgsgeheimnis. Weitere Käufe wird’s geben durch Casualgamer des Typ 1, die noch keine Wii besitzen und natürlich die sehr treue Fanbasis von Nintendo.

Die Frage, die nun so viele interessiert, ist natürlich, was die Konkurrenz machen wird. Wie werden Sony und Microsoft in die 8. Generation starten? Allen die fest daran glauben, dass die beiden mit einem gewaltigen technischen Sprung an der Wii U vorbeiziehen werden sei an dieser Stelle gesagt: Das wird nicht passieren. Warum? Werfen wir einen Blick auf die Geschichte. Der aufgerüstete Atari 5200 als Ablösung für den 2600? Der 2600 bleibt vor seinem „Nachfolger“. Der alte 8-Bit NES gegen den neuen 16-Bit Mega Drive? Der NES setzt sich weiterhin durch. Der seine Power schon im Namen tragende Nintendo 64? Ist chancenlos gegen die 32-Bit Playstation. 6th Gen? Die schwächste Konsole gewinnt. 7th Gen? Die schwächste Konsole gewinnt. Wer noch immer Taktraten vergleicht und Pixel zählt, hat das Geschäft nicht begriffen. Es zählen genau zwei Sachen: Der Preis und das Softwareangebot. Nintendo bietet eine vergleichsweise erschwingliche Konsole mit dem garantiert stärksten First Party-Support von allen. Das allein sichert schon einen erfolgreichen Start. Es mag momentan noch kein wirklich neues Mario dabei sein (New Super Mario Bros. U basiert auf der Engine von New Super Mario Bros. Wii), allerdings war das bei der Wii auch nicht anders. Zudem weiss man bei Nintendo aus Erfahrung, dass es noch mehr als genug starke First Party-Titel geben wird. Sony hingegen steht mit dem Rücken zur Wand: Das Gesamtunternehmen steckt in der Krise und die letzte Heimkonsole sowie die Handhelds sind wirtschaftlich als Enttäuschung zu bezeichnen. Die nächste Konsole darf einfach nicht mehr so viel kosten wie die PS3, das wäre gerade zu Zeiten der Wirtschaftskrise ruinös. Natürlich wird dem harten Kern der Fans der Preis egal sein, aber was ist mit allen anderen? Microsoft spricht eine ähnliche Käuferschicht an und kann es sich im Gegensatz zu Sony viel eher leisten, seine Konsolen auf Verlust zu verkaufen. Immerhin, ein Argument das für Sony spricht ist das stärkere Angebot an Exklusivtiteln.

Was für Nintendo wirklich entscheidend sein wird, ist der Third Party-Support. Auf diesem Gebiet hat das Traditionsunternehmen bekanntlich schon seit längerem Probleme. Die Gründe dafür sind vielfältig. In der Current-Gen konnte es ihnen als deutlicher Marktführer egal sein, aber jetzt braucht es die Dritthersteller. Schluss mit lausigen Ports und liebloser Shovelware. Wenn heute ein Multiplattformer auf den Konsolen releast wird, darf die Wii U-Version nichts anderes als die Beste sein. Faule Publisher wie Activision, die das Gefühl haben, ihren neusten Hit (in dem Fall Black Ops 2) einfach in 720p portieren zu können, stimmen einem jedoch nicht gerade optimistisch. Jetzt in der Anfangsphase der Konsole, noch ohne direkte Konkurrenz, muss Nintendo beweisen, dass sich Multiplats darauf verkaufen können. Dann ist auch weiterhin mit Support seitens der Publisher zu rechnen, selbst wenn Konkurrenz bis dann vielleicht eine noch bessere Technik ermöglicht. Schliesslich werden Spiele noch immer primär dort entwickelt, wo sich das meiste Geld holen lässt, nicht dort, wo technisch am meisten möglich wäre (PS3, anyone?).

An dieser Stelle muss ich zugeben, dass ich mir die Wii U nicht zum Release holen werde. Das liegt aber nicht an der Konsole selbst, sondern daran, dass ich eigentlich generell nie etwas zum Release kaufe. Die einzigen Ausnahmen sind neue Teile von z.B Zelda oder Pokémon. Trotzdem wird das Teil wohl schon nächstes Jahr bei mir im Regal stehen, nur schon da ich auf die klassischen Nintendo-Franchises einfach nicht verzichten kann.

Wie sieht’s bei euch aus, was ist eure Meinung zu diesem Generationenwechsel? Überzeugt euch die Wii U oder wartet ihr auf die Nachfolger zu PS360? Lasst es uns wissen, denn ich finde dass es kaum ein spannenderes Thema zum Diskutieren und Spekulieren gibt als die Gamingbranche.

by Andypanther

7 Antworten zu “Die 8. Generation beginnt – Wie macht sich die Wii U?

  1. Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt und hoffe dass es nach der Drittherstellerdurststrecke mit der Wii nun endlich wieder ein paar starke „Nichtnintendo“-Titel geben wird, die ich auf meiner Nintendoplattform zocken kann.

  2. Sehr interessantes Thema, welches hier angestossen wird. Hier werden wir noch Monatelang diskutieren können! Nebenbei würde ich gerne mal eine Podcast dazu produzieren – wenn mal wieder wer Zeit hat. 😉

    Was man von der Wii U halten soll, sei jedem selber überlassen. Ganz klar liegt ihre „Stärke“ beim Controller (sowie möglicherweise bei den First Party Titeln). Wer also das Prinzip von Bewegungssteuerung und Tabletcontroller nicht mag, dem gefällt die Wii U nicht. Somit ist diese Konsole kein Thema für mich. Ich bleibe beim klassischen Spielen. Ich will einen „normalen“ Controller.

    Interessant finde ich, dass die Wii U mit ihrer Hardware eigentlich keineswegs die 8. Generation einläutet, sie holt lediglich zur 7. auf (etwas vereinfacht ausgedrückt). Der Grafikchip, welcher in der Wii U steckt, hat in meinem PC schon vor Jahren ausgedient. Das führt – strategisch betrachtet – in eine Richtung: Der Gamer wird nicht durch die Optik angelockt. Folglich konkurriert die Wii U nicht mit der Xbox oder der PS3, sie greift ihre Zielgruppe alleine ab. Nebenbei drückt veraltete Hardware den Preis.
    Hier hat die Wii einen tollen Trick erfunden: Kauf die günstige Konsole und später noch die teure Peripherie. So verdient Nintendo auch Geld. Wirtschaftlich ist das recht schlau: Günstigere Produktionskosten, günstigere Programmierkosten. Den Coregamer wird’s enttäschen.

    Damit man mich nicht falsch versteht:
    Ich will nicht nur Grafik. 1080p bei stabilen 60fps reichen mir vollkommen. Das ist – für PC-Verhältnisse – lange kein Meilenstein mehr. Der Rest der Power bzw. der Produktionskosten darf in KI, Innovation sowie Umfang gesteckt werden.
    Wir werden sehen, wie sich Microsoft und Sony strategisch ausrichten. Sony verbrennt noch täglich Geld mit ihren gescheiterten Handhelds, dies blieb Microsoft bislang erspart. Ich persönlich erwarte keine grossen Veränderungen der Marktanteile, da scheinbar noch keine Partei der „Grossen Drei“ ihre Ausrichtung am Markt zu ändern plant.
    Glaubt man den Analysten, so wird der Markt sowieso früher oder später von Casual-Minigames (Angry Birds..) beherrscht, da diese Spieleform – wirtschaftlich gesehen – eine Goldgrube ist. Und hier kommt dann OUYA zum Zuge…

    • Man muss „Generation“ im Sinne eines wirtschaftlichen Zeitraums sehen, nicht im Sinne von „Technischer Generation“. So war das bei den Spielkonsolen und wird es immer sein.

  3. Pingback: Allgemeine Artikel - Seite 5

  4. Ich habe nicht vor, mir eine Wii mit Tablet zu kaufen, denn in meinen Augen ist die Wii U aktuell nichts anderes. Klar gibt es interessante Spiele, aber da kaufe ich mir vorher einen 3DS XL 😀

  5. Meine WiiU bleibt vorbestellt, allein schon wegen ZombiU lohnt sich das in meinen Augen. Ich freue mich wie hulle auf das Spiel 😀

    Welcher Generation die Konsole letztendlich angehoert ist mir auch ziemlich egal, denn fuer mich steht Nintendo einfach fuer Spielspass und nicht fuer tolle CPU- oder Grafikleistungen. Und das war auch schon immer so. Finde ich. duh.

    Zac Gorman hat das in diesem Comic sehr schoen verdeutlicht: http://i.imgur.com/McEY1.jpg

  6. Die Wii U wird bestimmt einen Platz im Nerd HQ finden! Da wir die noch keine alte Wii dort unten stehen haben ist der Deal sich eine Wii U zu holen gar nicht einmal so schlecht, da wir ja viele alte Wii Titel auf diese Weise noch nachholen können 😉 Bei Nintendo ist es nun mal cool, dass sie nach wie vor, viele Splitscreen Titel haben und auf sowas ist ein richtiger Nerdkeller nun mal angewiesen!

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