Metroid Fusion – Das ungeliebte Kind unter den Metroids

Nintendos heilige Dreifaltigkeit: Mario, Zelda & Metroid. Von diesen drei Franchises ist letzteres doch das, von dem man am seltensten hört, was vielleicht auch daran liegt, dass es im Westen beliebter ist als in Japan. Trotzdem gehörten die Abenteuer von Samus Aran schon seit jeher zu den grössten Momenten des Gaming. Die alten 2D-Teile definierten offenes, erkundungsbasiertes Gameplay, welches man heute als „Metroidvania“ bezeichnet. Auch der Wechsel zu 3D brachte Innovationen: Metroid Prime für den Gamecube brachte frischen Wind in das First Person-Genre und kreierte eine Art „First Person-Adventure“. Oft wird dabei vergessen, dass am gleichen Tag wie Samus‘ 3D-Debüt auch der bisher letzte Teil der Serie in 2D veröffentlicht wurde: Metroid Fusion.

Story

Fusion spielt chronologisch nach allen anderen Metroid-Teilen. Hier mal schnell die Grundstory: Nach den Geschehnissen von Super Metroid (später kam noch Other M dazwischen) unterstützt Samus ein Forscherteam auf dem Planeten SR388, der ursprünglichen Heimat der Metroids. Nach den Ereignissen von Metroid II sind diese bekanntlich ausgestorben und es soll nun untersucht werden, welchen Einfluss dies auf das Ökosystem des Planeten hat. Während dieser scheinbar harmlosen Mission wird Samus von einem sogenannten X-Parasiten infiziert. Dies kostet sie beinahe das Leben, doch im letzten Moment kommen die Mediziner der Föderation auf die Idee, ihr Zellen des letzten Metroids zu injizieren. Dies vernichtet schlussendlich alle X in Samus‘ Körper, da Metroids deren natürliche Feinde sind. Trotzdem ist Samus sehr geschwächt und verfügt nur noch über einen geschwächten Anzug, genannt Fusion Suit, da die restlichen Teile chirurgisch entfernt werden mussten. Durch die Metroid-Zellen besitzt sie aber gleichzeitig auch die Eigenschaften der Metroids: Die Fähigkeit, Energie zu absorbieren (inklusive X-Parasiten) und eine ausgeprägte Kälteempfindlichkeit. Als sie zu einer Forschungsstation im Orbit von SR388 gerufen wird, in der eine Explosion stattfand, macht sich Samus natürlich sofort auf den Weg. Bald stellt sich heraus, dass sich die X in rasender Geschwindigkeit auf der ganzen Station ausbreiten…

Gameplay

In Sachen Gameplay gibt es nur wenig wirkliche Neuerungen. Es ist nun mögllich, sich an gewissen Wänden festzuhalten und von dort aus in alle Richtungen zu schiessen. Auch ein neuer Missile-Typ und eine damit verbundene Spezialtechnik wurden neu eingeführt, aber damit hat es sich von Samus‘ Seite auch schon. Eine weitaus drastischere Änderung ist die viel stärker linerare Ausrichtung des Spiels. Während man etwa in Prime nur Hinweise erhält (durch ein System welches sich auch ausschalten lässt) und bei einigem wichtigen Items frei wählen kann in welcher Reihenfolge man sie sammelt, ist Fusion um einiges restriktiver. Ein Computer weisst Samus sehr direkt an, wo das nächste Ziel ist. Auch ohne Einschränkungen durch mangelnde Ausrüstung ist vieles durch die Sicherheitsstufen der Türen künstlich blockiert. Das ist schade, wenn man die Tradition der Serie bedenkt. Allerdings muss man bedenken, dass Fusion ein sehr storylastiges Spiel ist. Dadurch lässt sich dieser Schwachpunkt etwas besser verschmerzen.

Denn eigentlich spielt sich Fusion fantastisch. Man hat die Steuerung zwar nicht bereits nach ein paar Minuten gemeistert, aber die Lernkurve ist genau richtig. Schnell schon lässt man Samus mit grosser Freude präzise Schüsse und perfekt getimte Sprünge vollführen, während man die Tiefen der Raumstation erkundet. Lediglich einige Techniken wie der Space Jump und der Speed Booster benötigen etwas Übung, um ein Gefühl für sie zu entwickeln. Man könnte jetzt auch ins Detail gehen und z.B kritisieren, dass man für einen diagonalen Missileangriff zwei Schultertasten gedrückt halten muss, ich jedoch bleibe bei meiner allgemein positiven Einschätzung zur Steuerung. Besser hätten sie’s für den Handheld nicht hingebracht.

Der Hauptfokus liegt auf Erkunden, Überleben und epischen Bosskämpfen. Besonders Spieler mit einer Vorliebe für ersteres werden mit Fusion sehr glücklich werden. Viel Spass dabei, zerstörbare Wände an unscheinbaren Orten zu entdecken, die sich optisch nicht von der restlichen Umgebung unterscheiden. Dieser Aspekt kann auch vom linearen Design nicht ruiniert werden. Zudem wird Entdeckerdrang ja belohnt, in Form von mehr gefundenen Upgrades. Auch das zweite Hauptelement, das Überleben, wurde gut umgesetzt. Durch die teils recht weit voneinander entfernten Speicherpunkte und das Design, welches einem oft zwingt, unbekannte Wege zu gehen, fühlt man sich nie so ganz sicher. Oftmals ist das, was man geboten kommt, gar reiner Survival-Horror. Etwa diese Stelle, an der man neue Gegner trifft, welche komplett immun gegen jeglichen Angriff sind, Samus frei durch den Raum jagen können und hohen Schaden verursachen. Alles was man tun kann, ist sie kurz mit einem Schuss zu lähmen und wegzurennen. Das düstere Setting und das richtig schön ekelhafte Design der Gegner helfen da wenig. Am schlimmsten für die Nerven des armen Spielers sind jedoch die Begegnungen mit dem SA-X, dem X, das Samus imitiert. Es ist mit allem ausgestattet, was Samus bei voller Ausrüstung beherrscht, ist schnell und sehr, sehr tödlich. Wenn man nun gezwungen ist, den Weg durch unerforschte Räume zu finden, während man von dieser Killermaschine gejagt wird, sorgt das schnell einmal für einen Puls im dreistelligen Bereich. Die klassische „Im-Weltall-hört-dich-keiner-schreien“-Stimmung wurde einmal mehr perfekt eingefangen.

Aber was wäre Metroid ohne grandios inszenierte Bosskämpfe? Auch hier bekommen wir es mit einem Haufen raumfüllender Monstrositäten zu tun, welche es dem ungeübten Spieler alles andere als leicht machen. Auswendiglernen von Bewegungsabläufen ist oftmals das einzige Mittel, da die Designer recht grosszügig waren bei der Menge des erlittenen Schadens. Hier zeigt sich, wer in welcher Konsolenära aufgewachsen ist: Ich, mit einer 5th Gen-Konsole als Einstieg, gebe ehrlich zu, an die 50 Versuche für einen einzigen Boss gebraucht zu haben. Ein Teil der Schwierigkeit kommt davon, dass man nach jedem Boss auch noch gegen den X-Kern kämpfen muss, der die Kreatur bewohnt hat. Wehe dem, der mit seinem letzten E-Tank an diese Stelle gekommen ist. Glaubt mir, wenn ihr einen Boss schlagt und danach gegen einen X-Kern draufgeht, werdet ihr jeden einzelnen der Entwickler eigenhändig umbringen wollen.

Technik

Vom technischen Aspekt her holt Fusion alles aus den limitierten Ressourcen des GBA heraus. Düstere Korridore voller schleimiger Aliens, schöne Storysequenzen mit Bildern, gelungenes Gegnerdesign. Da findet man es einmal mehr schade, dass dieser Handheld eine so schlechte Beleuchtung besitzt. Definitiv eines der Spiele, die durch den Gameboy Player etwas dazugewinnen. Die Songs passen meiner Meinung nach auch sehr gut, da sie oftmals versuchen, diese geheimnisvolle Stimmung einer dunklen Raumstation zu erzeugen. Und wer die Effekte von schlechter Qualität findet… Tja, der sollte eben keine Handheldspiele zocken!

Fazit

Metroid Fusion ist nicht perfekt. Es ist zu linear und manche Bosskämpfe sind durch das Prinzip der X-Kerne extrem frustrierend. Trotzdem ist das Game ein würdiger Teil der Metroid-Serie, bietet eine intensive Story (vielleicht gerade durch die Linearität), eine sehr dichte Atmosphäre und stellt teilweise eine echte Herausforderung dar. Besonders, wenn man nicht jedes Battletoads und Ninja Gaiden im Schlaf durchzocken kann, stellt einen Fusion gerade noch genug stark auf die Probe, dass man trotzdem dranbleibt. Klassische Sidescroller-Action mit der First Lady der Videospiele – bis heute leider ohne Nachfolger geblieben.

9 von 10 KIs mit zu vielen Befugnissen.

by Andypanther

Eine Antwort zu “Metroid Fusion – Das ungeliebte Kind unter den Metroids

  1. SPOILER: Samus ist eine Frau!!!

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