Game Mythen: Missingno.

Es ist an der Zeit einen Glitch vorzustellen, der neben der Super Mario Bros. Minus-Welt der bekannteste überhaupt ist, so bekannt, dass er sogar einen Wikipedia-Eintrag besitzt. Gemeint ist natürlich nichts anderes als das kultige Glitch-Pokémon Missingno. Dieses Pokémon wurde zum Symbol für Glitches und Bugs, eine ganze Generation kennt seine verpixelte Tetrisblock-Form. Also gehen wir doch auch diesem Game-Mythos auf den Grund…

Die erste Generation von Pokémon-Games ist ja bekanntlich berüchtigt für ihre vielen Glitches (siehe Mew-Glitch), die aus den beschränkten Ressourcen resultieren, die den Entwicklern damals technisch zur Verfügung standen. Der Arbeitsspeicher (RAM) war beschränkt, daher mussten Kompromisse gefunden werden. Nur die nötigsten Daten wurden im RAM gespeichert, ständig wurden die selben Stellen wieder überschrieben und verändert. Man kann sich also vorstellen, wie viel selbst ein einfacher Fehler unter solchen Umständen bewirken kann.

Der Trick um Missingno. zu finden ist tatsächlich äusserst einfach, so einfach, dass er sogar rein versehentlich ausgelöst werden könnte. In der zweiten Stadt, Vertania City, gibt es einen alten Mann, der dem Spieler zeigt, wie man Pokémon fängt. Dazu wechselt das Spiel in den üblichen Kampfbildschirm, zeigt aber anstelle der Spielfigur und ihres Namens den alten Mann. Wer den Glitch nicht kennt, wird sich dabei nicht viel denken und einfach weitergehn, aber das Wesentliche passiert im Hintergrund: Um an der Stelle des Spielernamens „OLD MAN“ zu schreiben, muss der Spielername irgendwo zwischengespeichert werden. Die Entwickler entschieden sich, dafür den in einer Stadt leeren Speicherplatz für die Pokémon in hohem Grass zu verwenden. Normalerweise wird dieser sofort wieder überschrieben, sobald Daten für hohes Gras geladen werden. Nintendo hat aber scheinbar nicht daran gedacht, dass man via Fliegen in eine andere Stadt gelangen kann, ohne neue Daten zu laden, denn keine Stadt besitzt hohes Grass. Die einzige Ausnahme stellt ausgerechnet die Zinnoberinsel dar, deren Ostküste durch einen Programmierfehler technisch gesehen Gras und nicht Wasser ist. Da für diesen Ort allerdings keine Pokémon für hohes Gras programmiert wurden, kann trotzdem nichts überschrieben werden. Startet man dort einen Zufallskampf, wird geladen was sich gerade im Grass-Speicher befindet: Der Spielername.

Welche Form das Glitch-Pokémon nun haben wird, hängt von den Zeichen ab, die sich an dritter, fünfter und siebter Stelle des Spielernamens befinden. So ist Missingno. nur eine von vielen Formen, die der Glitch annehmen kann, wenn auch die häufigste. Andere Formen können die Gestalt des Kabutops-Fossils, Aerodactyl-Fossils oder des unidentifizierten Geistes annehmen. Auch Begegnungen mit Glitch-Trainern oder Missingnos „Bruder“ ‚M sind möglich. Der Level des Pokémons wird bestimmt durch die Zeichen an zweiter, vierter und sechster Stelle. Das Spiel wird auch die jenseits des Zeichenlimits liegenden Stellen bis 11 versuchen zu lesen, welche sich aber nur durch das Wählen eines Beispielnamens (etwa ASH) mit Daten füllen lassen.

Schauen wir uns doch mal die Eigenschaften von Missingno. selbst an: Das Pokémon ist ein Doppeltyp bestehend aus Normal und Bird, dem Beta-Vorgänger des Flug-Typs. Wie schon erwähnt, kann es mehrere Formen besitzen und sein möglicher Level geht weit über 100 hinaus. Es ist 3 Meter hoch und 1590.8 Kilogramm schwer. Sein Ruf ist in der Regel eine verbuggte Variante desjenigen eines Nidoran♂, kann aber varieren. Entwickeln kann es sich nicht (im Gegensatz zu ‚M, das je nach Level zu Kangama oder Piepi werden kann), allerdings kann es sich aus dem Glitch-Pokémon Z ゥ entwickeln, welches nur in der Gelben Edition unter zuhilfenahme von Gold/Silber zu finden ist. Missingno. kann gefangen werden, wobei dies jeweils mit vielen Grafikfehlern verbunden ist. Ein Fehler, der auch ohne Fangen auftritt, ist eine verglitchte Ruhmeshalle. Ein sehr positiver Nebeneffekt ist jedoch die Tatsache, dass man bei jeder Begegnung mit Missingno. das an sechster Stelle liegende Item 128 mal erhält. Dies tritt auf, weil die Anzahl des sechsten Item-Slots an derselben Stelle gespeichert ist wie die Abfrage, die testet, ob man Missingno. schon gesehen hat oder nicht. Sieht man das Glitch-Pokémon und hat an der Stelle eine kleinere Anzahl als 128, fügt das Spiel Items in dieser Zahl hinzu.

So toll das alles ist, man darf nicht vergessen, dass dieser Glitch das Spiel beschädigen kann. Wer also seine Cartridge nicht aufs Spiel setzen will, sollte vielleicht lieber auf einem Emulator testen (wobei diese Glitches zum Teil – je nach Emulator-Version – unterschiedlich ausfallen können). Auch wichtig zu wissen ist, dass der „Old Man Glitch“ nicht in der Gelben Edition funktioniert. Hier muss der Mew-Glitch verwendet werden, um an die richtige Index Nr. für Missingno. zu kommen.

Tja, das waren die Fakten zu diesem legendären Glitch. Ich kann mich noch gut erinnern, wie dieser Glitch damals als Gerücht aufgetaucht war und kontrovers diskutiert wurde. Er war einer jener Mythen, die man als Gamer in der Pause besprach und sich gegenseitig demonstrierte (128 Meisterbälle!). Was waren das doch für Zeiten…

Hier noch eine Liste mit den möglichen Pokémon und wann sie erscheinen sowie etwas Pixel Art von mir:

Habt ihr auch Erfahrungen mit dem Missingno.-Glitch gemacht? Lasst es uns wissen oder schlagt am besten gleich selbst einen Mythos vor, der es verdient hat, hier behandelt zu werden!

by Andypanther

7 Antworten zu “Game Mythen: Missingno.

  1. Pingback: Game-Mythen

  2. Ich weiss nicht aber bei meiner gelben Edition hat der Glicht auch ohne Mew funktioniert.

  3. Da fällt mir einen weiteren Mythos ein das pokemon lavandia syndrom würde mich freuen wenn ihr mal etwas dazu schreiben würdet 😉

    • Davon habe ich schon gehört, aber ich fürchte für einen ganzen Artikel reicht die Sache nicht aus. Vielleicht wäre eine allgemeine Story über die angebliche Gefährlichkeit von Pokémon eine Idee, denn Beispiele gäbe es da zur Genüge…

  4. Pingback: Gaming Mythen: Die Top 10 der kuriosesten Gerüchte

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