OUYA – Eine Revolution der Spielkonsolen?

Anfangs Juli war sie angekündigt worden, die Open-Source Konsole OUYA. Basierend auf Android, soll sie komplett „offen“ sein (das heisst, jeder kann und darf Spiele entwickeln und die Hardware modifizieren) und auf „Free-to-play“ setzen. Bereits kurz nach der Ankündigung gingen Spenden in Millionenhöhe ein, weit über der erwarteten Summe. Auch grosse Namen der Gamingbranche wie etwa Minecraft-Erfinder Notch haben sich bereits beteiligt. Als Releasetermin ist bis jetzt März 2013 angegeben, zu einem Preis von 99 Dollar.

Diese Konsole wird Folgen haben auf das Gaming, wie wir es heute kennen – sollte das Kickstarter-Projekt denn erscheinen. Die Meinungen gehen logischerweise auseinander, aber das ist nur normal. Hier also mal meine Gedanken zu dem Thema …

Zunächst einmal ein wichtiger Fakt: OUYA hat Potential, sehr viel Potential. Obwohl das offene Modell gleichermassen Vorteile und Nachteile für alle Beteiligten liefert, sehe ich das Positive überwiegen. Der Markt in der aktuellen 7. Generation ist übersättigt, fast schon eine Wirtschaftsblase, die jederzeit platzen kann. Die Kommerzialisierung ist sehr weit fortgeschritten und fängt an, immer mehr Gamer zu verjagen. Wer nichts mit den Spiel- und Verkaufskonzepten des Mainstream anfangen kann, schaut zu oft in die Röhre. Die neue Konsole könnte daher frustrierte Gamer in Scharen anziehen. Hinzu kommen all jene, die Gaming bis jetzt primär von Smartphones, Tablets und Steam kennen. Diese Mischung aus alten und neuen Käuferschichten bietet wirtschaftlich ein enormes Potential und könnte somit auch grosse Publisher anziehen. Nicht zuletzt wird durch die Einladung an Modder und Hacker, an dem System herumzubasteln, schnell eine eigene Community entstehen.

Die Nachteile von OUYA darf man aber natürlich nicht übersehen. „Free-to-play“ hat mich als System nie wirklich überzeugt. Zu oft zahlt der Spieler am Ende mehr als bei regulärer Bezahlsoftware. Nur Modelle, wie jenes von Minecraft (einmal zahlen, das Game gehört einem, kein kostenpflichtiger Zusatzcontent) würde ich persönlich unterstützen. Wenn die Mehrzahl der OUYA-Games im gleichen Masse kommerzialisiert würde wie das heutige Standard-Freemium-Spiel, nimmt das der Konsole viel Attraktivität für all jene, die nach einer Möglichkeit suchen. dem DLC- und Limited Content-Wahn zu entkommen. Ein anderes Problem entsteht durch die Sache, die gleichzeitig die grösste Stärke der Konsole ist: Die Offenheit. Wenn jeder Modden und Spiele entwickeln kann, öffnet das auch Tür und Tor für Abzocker und Softwaremüll. Es würde nicht lange dauern, bis einige besonders liebenswerte Individuen versuchen, an die Daten der User zu kommen, um daraus Geld zu machen. Auch der Titel „Heimkonsole mit den meisten Schrottgames“ wäre schnell vergeben.

Keine Probleme sehe ich hingegen bei der Hardware, die natürlich nicht im geringsten 8. Gen-Würdig ist. OUYA kann und wird  nicht zu einem PS360-Konkurrenten werden, so viel ist klar. Ihre Möglichkeiten liegen auf einer anderen Ebene. So ist es etwa durchaus möglich, dass das Wunderding die Downloadmärkte von Sony und Microsoft killt. Wer würde sich dann noch seine Plattformer und Puzzlegames in dieser restriktiven Umgebung besorgen, wenn er die offene und kreative OUYA-Community hat? Schwerer zu beurteilen ist die Frage, wie sich der Emporkömmling unter den Konsolen auf Nintendo auswirken würde (ein Punkt, der seltsamerweise nirgends diskutiert wird). Die Erfinder des klassischen Konsolengaming würden auf einen Schlag ihren Vorteil durch den tiefsten Preis verlieren, von dem gleichen Problem mit dem Downloadmarkt gar nicht erst zu sprechen. Die neue Konsole wäre mehr als nur ein bisschen attraktiv für die Casualgamer, welche der Wii zu ihrem Erfolg verholfen haben. Die einzigen Vorteile von Wii und Wii U wären dann noch die alternativen Steuerungsmethoden, der Vertrieb über physische Datenträger sowie, im Falle der Wii U, die Technik. Trotzdem sehe ich Nintendo hier weniger in Gefahr, aufgrund der treusten Fans der Big 3, dem exzellenten Namen als Familienkonsole und natürlich den grossen First Party-Titeln.

Momentan können wir nur abwarten. Fazit ist aber: Diese Konsole hat das Potential, die grössten Änderungen in der Spielebranche auszulösen seit der PS1 oder von mir aus auch dem NES. Für Spannung bleibt also gesorgt😉

by Andypanther

2 Antworten zu “OUYA – Eine Revolution der Spielkonsolen?

  1. Pingback: Allgemeine Artikel - Seite 4

  2. Sehr interessant und leider gleichzeitig kaum beachtet! Ein solches System könnte der fehlenden Kreativität in dieser Branche wieder die Türen öffnen. Hoffentlich bleibt die Hardware jedoch fix, damit die Entwickler auch wissen, wofür sie programmieren.

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