NBN-Bondathon: Goldfinger

Goldfinger-CoverDer Bondathon geht weiter. Diesmal mit einem Film, den wahrscheinlich viele kennen werden: Goldfinger. Im Jahr 1964 erschienen, gilt dieser Teil der Serie gemeinhin als der wichtigste und stilprägendste, wenn nicht sogar als der beste Ableger der gesammten Bond-Serie. Zum ersten Mal kamen viele der  – durchaus trashigen – Elemente ins Spiel, für die die Bondfilme so bekannt sind. Aber dazu später mehr…

Hintergrund

Auch diesmal wäre der bevorzugte Ian Fleming-Roman zur Verfilmung „Thunderball“ gewesen. Da aber der Rechtsstreit zwischen EON Productions und den Autoren des ursprünglichen Drehbuchs, Kevin McClory und Jack Whittingham, weiter anhielt, wurde der Roman Goldfinger gewählt. Für diesen Film kam erstmals der neue Regisseur, Guy Hamilton, zum Einsatz., nachdem sich sein Vorgänger, Terence Young, wegen finanzieller Unstimmigkeiten mit den Produzenten zurückgezogen hatte. Als Drehbuchautor konnte zum dritten Mal Richard Maibaum gewonnen werden, der hier mehr Änderungen gegenüber der Vorlage vornehmen sollte als je zuvor, aber auch dies soll später noch näher behandelt werden. Finanziell begab sich die Serie hier erstmals auf Blockbuster-Niveau: Ein für damalige Verhältnisse grosses Budget von 3 Millionen Dollar stand zur Verfügung, was den Kosten der zwei vorangegangenen Filmen zusammen entsprach.

Die altbekannten Rollen neben Sean Connery, der einen Vertrag über 5 Filme abgeschlossen hatte, blieben in ihrer Besetzung unverändert.  Lois Maxwell als Miss Moneypenny, Desmond Llewelyn als Q und Bernard Lee  als M.

Kommen wir also zu den filmspezifischen Charakteren. Zunächst wäre da Honor Blackman, zuvor bekannt aus der Fernsehserie „The Avengers“ (im Deutschen: Mit Schirm, Charme und Melone). Mit dem Namen Pussy Galore, den man sich auf der Zunge zergehen lassen muss, trat sie als Bondgirl auf. Zweideutige Namen gab es in der Bond-Serie ja so einige, aber keiner davon übertraf diesen von Mrs. Blackman. Dass die Produzenten damit in den 60ern durchgekommen sind, ist schon eine beachtliche Leistung! Nerd-Fact 1: Blackman ist mit ihren damals 38 Jahren nicht nur die älteste unter den Bondgirls, sondern auch eine der wenigen, die älter als der Hauptdarsteller waren. Die anderen Bondgirls, Jill und Tilly Masterson, wurden von Shirley Eaton und Tania Mallet dargestellt, welche beide ausschliesslich für diese Rollen bekannt sind. Trotzdem sollte erstere mit ihrem, – wenn auch kurzen – Filmauftritt noch Geschichte schreiben. Oder kennt irgendjemand, der je etwas von James Bond gehört hat, nicht die mit Gold überzogene Frau?

goldfinger-Himself

Gert Förbe als Auric Goldfinger

Der Namensgebende Schurke dieses Filmes, der vom Gold besessene Auric Goldfinger, wurde damals von dem äusserst erfolgreichen deutschen Schauspieler Gert Fröbe gespielt. Fröbe war als Charakterdarsteller bekannt und hatte die Produzenten von Goldfinger durch den Dürrenmatt-Film „Es geschah am hellichten Tag“ überzeugt, in dem er die Rolle eines Kindermörders innehatte. Allerdings musste er, wie andere zuvor, in Kauf nehmen, für seine Bond-Rolle nachsynchronisiert zu werden. Der Grund war auch hier sein deutscher Akzent. Nerd-Fact 2: Fröbe war tatsächlich einmal Mitglied der NSDAP, wie er 1965 in einem Interview zugab. Allerdings konnte er sich seinen Ruf bewahren, indem er beweisen konnte, dass er während der Nazi-Herrschaft eine jüdische Familie versteckt hatte. Eine weitere wichtige Rolle war diejenige von Goldfingers Henchman (in den Bondfilmen die Killer oder Leibwächter des Hauptgegners), Oddjob. Regisseur Guy Hamilton hatte hierfür den japanisch-amerikanischen Gewichtheber und Wrestler Harold Sakota ausgesucht. Dieser besass keinerlei Schauspielerfahrung, was allerdings nicht weiter tragisch war, da der Charakter onehin Stumm war und Sakota als olympischer Silbermedaillengewinner zudem eine überzeugende Statur für jene Rolle besass…

Goldfinger führte – wie seine Vorgänger – einige wichtige Neuerungen ein. Etwa in der Introsequenz, die hier erstmals nichts mit der Story des eigentlichen Filmes zu tun hat. Ihr einziger Zweck bestand darin, stylisch auszusehen. Gleich danach kommt man zum ersten Mal in den Genuss einer Credits-Sequenz mit Titelsong. Im Prinzip hatte zwar schon der Vorgänger einen Titelsong, allerdings war dieser nur in den Credits zu hören.  Die Tradition, den Song während der Credits-Sequenz spielen zu lassen, fand mit  Goldfinger ihren Anfang. Gesungen wird das mit dem Film namensgleiche Lied von der bekannten Sängerin Shirley Bassey, die in ihrer Karriere insgesamt drei Bond-Titelsongs aufnahm. Bis heute kann man es ab und zu im Radio hören.

Story

Bond wird auf den Titelgebenden Auric Goldfinger angesetzt, der mit internationalem Goldschmuggel zu einem der reichsten Männer Englands geworden ist. Der MI6 versucht ihm seine Machenschaften nachzuweisen. Im Verlaufe der Ermittlungen stellt sich heraus, dass Goldfinger es auf nichts anderes, als die Goldvorräte von Fort Knox abgesehen hat…

Der grosse Unterschied zum Roman liegt darin, was Goldfinger mit dem in Fort Knox gelagerten Gold anstellen will: In der literarischen Vorlage will er es schlichtweg stehlen, was als klassisches „Plot-Hole“ gilt. Durch die schiere Menge an Gold würde es Wochen dauern, alles zu räumen – eine Zeitspanne, die bei einem Überfall logischerweise nicht zur Verfügung steht. Mit der Verfilmung sollte dies korrigiert werden. Goldfingers Plan ist nun noch um ein vielfaches raffinierter: Anstatt das Gold zu stehlen, soll im Innern der Anlage eine sogenannte „Schmutzige Bombe“ gezündet werden. Dadurch wäre der weltweit grösste Goldvorrat radioaktiv verseucht und damit unbrauchbar, was den Wert von Goldfingers eigenen Reserven ins Unermessliche steigern würde. Der „Cold War“ -Hintergrund wird dadurch erhalten, dass Goldfinger die Bombe durch Kontakte mit den Chinesen erhalten hat.

Kritik

Es ist ja so schwer eine positive Kritik zu schreiben. Bei einem Verriss sprudeln die Ideen dagegen nur so aus einem heraus.
Alles, schlichtweg alles wurde hier richtig gemacht. Die bewährten Merkmale der Vorgänger wurden beibehalten, perfektioniert und mit den richtigen Neuerungen ergänzt. Ich könnte mein Lob eigentlich schon bei der Credits-Sequenz beginnen, die nie zuvor so stylisch aussah, mit den angedeuteten Filmsequenzen auf der goldenen Silhouette der Tänzerin. Von dort aus geht der Film von Höhepunkt zu Höhepunkt weiter. Sei es Bonds Verführung von Goldfingers Assistentin, die legendäre Szene mit dem Goldüberzug, das Golfmatch der beiden Kontrahenten, die kultige Szene mit dem Laser… Ich könnte ewig so weitermachen. Das Zusammenspiel der einzelnen Darsteller funktioniert perfekt, von der ersten gemeinsamen Szene bis zum Ende. Der Spannungsaufbau ist beeindruckend, nicht einmal der kleinste Gedanke an Langeweile kommt auf, trotz dem nach wie vor äusserst langsamem Tempo.

goldfinger-Woman

Von den Darstellern kann ich mich nicht entscheiden, wer der Herausragendste ist. Sean Connery spielt den Bond wie er ihn geprägt hat: Smart, aber auch physisch stark, geschickt, aber nicht unverwundbar. Das wird besonders dadurch deutlich, dass der Agent zwar nicht jede kleinste Auseinandersetzung automatisch für sich entscheidet, aber trotzdem immer einen Weg findet, die Situation zu seinem Vorteil zu wenden. Und das selbstverständlich mit Stil. Manchmal ist es sogar blosses Glück, doch selbst dann reagiert der Superagent nur mit einem lockeren Spruch.

Besonders viel Spass macht auch das Zusammenspiel mit den Schurken dieses Films. Von Anfang an wird zwischen Bond und Goldfinger, aber auch Bond und Oddjob, eine Spannung aufgebaut, die sich langsam steigert und einem sehnsüchtig auf das Finale warten lässt. Goldfinger und Oddjob ergänzen sich dabei perfekt: Zum einen der Mastermind, körperlich nur ein alter, übergewichtiger Mann, aber geistig ein hochgefährlicher Fanatiker; zum anderen der Leibwächter, ein stummer Befehlsempfänger, aber von furchteinflössender Statur und erbarmungsloser Kaltblütigkeit. Trotz dieser Unterschiede wirken sie beide auf ihre Art bedrohlich, sind sie Bond doch jeweils in ihren Attributen überlegen. Besonderes Lob verdienen sie also beide, ob jetzt Gert Fröbe, der auch ohne die Möglichkeit seinen Charakter selbst zu sprechen einen der besten Bond-Villains aller Zeiten geschaffen hat oder Harold Sakota, der trotz fehlender Schauspielkenntnisse alles aus seiner limitierten Rolle herausgeholt hat, sowohl in seiner Gestik als auch in den Kampfszenen. An dieser Stelle R.I.P. an beide.

Aber was wäre ein Bondfilm ohne das dazugehörige Bondgirl? Pussy Galore, ich muss diesen Namen einfach immer wieder erwähnen, kommt zwar erst in der zweiten Hälfte des Films vor, wird aber von da an umso wichtiger. Sie spielt in der Story nämlich eine Schlüsselrolle, im krassen Gegensatz zu vielen späteren Bondgirls (insbesondere während der Moore-Ära). Eine Tatsache, die anhand ihres ultrasexistischen Namens nicht ganz einer gewissen Ironie entbehrt. Besonders interessant wird es, wenn man den Romanhintergrund des Charakters betrachtet. Dort wird sie nämlich als lesbisch beschrieben. Etwas, das im Film keinerlei Erwähnung findet. Honor Blackman hat jedoch betont, dass sie diesen Fakt in ihre Rolle hat einfliessen lassen. Wenn man jedenfalls ihre betont kühle Art gegenüber Bond, sowie ihre Verführung durch diesen (schon beinahe eine Vergewaltigung) betrachtet, ist man gerne bereit, das zu glauben.

Abgesehen von den Hauptdarstellern und der Inszenierung gibt es auch viele kleine Details, die zur Qualität dieses Films beitragen und seither ihren festen Platz in der Serie gefunden haben. So sieht man hier etwa zum ersten Mal eine Szene in Q’s Labor (der Charakter wird im Deutschen noch mit „K“ angesprochen) und eine von ihm aufgerüstete Edelkarosse, in diesem Fall Bonds klassischen Aston Martin. Erstmals mit der Bitte, ihn unbeschadet zurückzubringen… Ausserdem bestellt Bond hier, ob ihr’s glaubt oder nicht, zum allerersten Mal einen „geschüttelten, nicht gerührten“ Martini.

Nun könnte man kommen und den Film dafür kritisieren, dass der Trashfaktor zugenommen hat. Das stimmt zwar einerseits, aber trotzdem darf man nicht vergessen, dass ein gewisser Anteil an Trash schon immer zu Bond dazugehört hat und immer dazugehören wird. Allein die Dosis ist es, die entscheidet. In diesem Fall stimmt sie, die Action ist unrealistisch, aber auf eine gute Art. Man kann es „Gehobener Trash“ nennen.

Fazit

Hier ist wirklich alles Gold was glänzt! Dieser Bond ist ohne Frage der wichtigste Teil der ganzen Serie. Er ist die Blaupause, an der sich jeder einzelne Nachfolger auf die eine oder andere Art orientiert hat. Jeder, selbst der grösste Bond-Hasser, muss zumindest diesen einen Film gesehen haben. Doch bevor ich noch einmal die doppelte Menge an Text schreibe, bringe ich es am besten auf den Punkt: Goldfinger ist der beste Bond aller Zeiten. Amen.

10 von 10 bei „007“ gestoppte Countdowns

James Bond will return in Thunderball

by Andypanther

Eine Antwort zu “NBN-Bondathon: Goldfinger

  1. Pingback: Der Nerdy By Nerds Bondathon - 50 Jahre James Bond

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