NBN-Bondathon: Liebesgrüsse aus Moskau

Der NBN-Bondathon geht in die dritte Runde: Der zweite von EON produzierte Bondfilm aus dem Jahr 1963 steht an, Liebesgrüsse aus Moskau, ein absoluter Klassiker und Favorit vieler Fans. Auch diesmal gibt es die Einführung vieler klassischer Bond-Trademarks zu beobachten, die heutzutage nicht mehr aus der Serie wegzudenken sind, aber erst mal der Reihe nach…

Hintergrund

Aufgrund des grossen Erfolgs von Dr. No, war eine Fortsetzung nur eine Frage der Zeit. Schliesslich entschied man sich, den Roman „From Russia With Love“ zu verfilmen, unter anderem auch deshalb, weil dieser von John F. Kennedy als eines seiner Lieblingsbücher bezeichnet worden war. Das Budget wurde auf 2 Millionen verdoppelt, das Produktionsteam blieb jedoch weitgehend unverändert. Auch diesmal wurde das Drehbuch gegenüber dem Roman etwas abgeändert, etwa durch einige zusätzliche Actionszenen und das Ersetzen der sowjetischen Organisation SMERSCH durch das fiktive SPECTRE (im Deutschen nun Phantom). Dies sollte den Film politisch etwas abschwächen, immerhin befand man sich noch inmitten des Kalten Krieges. Ein bemerkenswertes Detail in der Buchvorlage ist übrigens, dass Ian Fleming Bond dort ursprünglich am Ende hatte sterben lassen wollen um die Serie zu beenden. Dass Fleming nie ein Fan seiner Bond-Romane gewesen war, wird damit einmal mehr deutlich.

Zu den wichtigsten Neuerungen gehörte die Einführung zweier Charaktere, die für die Serie noch von zentraler Bedeutung sein sollten, Q und Blofeld. Ersterer war im Prinzip schon im letzten Film als Major Boothroyd eingeführt worden und hatte Bond dort dazu gebracht, seine Beretta gegen die klassische Walther PPK einzutauschen, jene Pistole welche heute automatisch mit Bond in Verbindung gebracht wird. Dies geht auf einen Brief zurück, den ein gewisser Geoffrey Boothroyd einst an Ian Fleming geschrieben hatte. Boothroyd, seines Zeichens Waffenexperte und Autor von Büchern zu dem Thema, beschwerte sich dort über die Waffe Bonds. Die Beretta sei eher für eine Damenhandtasche als für einen Geheimagenten geeignet und er empfehle Bond stattdessen eine Walther PPK. Fleming kam diesem Wunsch nach und benannte sogar den Waffenmeister des MI6 nach Boothroyd. Daher auch die entsprechende Szene in Dr. No. Im zweiten Film nun übernimmt dieser Charakter zum ersten Mal die bekannte Q-Rolle, obwohl diese Bezeichnung noch nicht auftaucht. Zudem wird der spätere Q jetzt von Desmond Llewelyn verkörpert, der dies fortan in fast jedem Film bis zu seinem Tod tun sollte. Der mit Gadgets ausgestattete Aktenkoffer kann daher als erstes der „Bond-Spielzeuge“ betrachtet werden.

Der andere wichtige Charakter sollte später zu Bonds Erzfeind und einem der meistparodierten Figuren der Serie werden: Ernst Stavro Blofeld, der Kopf von SPECTRE. Sein Gesicht bleibt hier noch verborgen und sogar der Darsteller wird in den Credits weggelassen, man hört bloss seine Stimme und sieht ihn die weisse Katze streicheln. Was denkt ihr wo ein Dr. Evil herkommt?

Die eigentliche Rolle als direkter Gegenspieler von Bond hat Blofeld hier allerdings nicht inne. Diese übernimmt die zu SPECTRE übergelaufene sowjetische Agentin Rosa Klebb. Eine wichtige Rolle unter Bonds Gegnern ist auch die des SPECTRE-Killers Red Grant. Dieser stellt den ersten klassischen „Henchman“ der Serie dar. Als „Henchman“ wird jeweils der wichtigste Leibwächter oder Killer im Dienste des jeweiligen Hauptschurken bezeichnet. Gerade wenn dieser eher der Drahtzieher ist, stellt der Henchman den physisch gefährlichen Gegner Bonds dar. Einige spätere Henchman sollten später noch Kultstatus erlangen. Red Grant ist mit seiner Erscheinung als grossgewachsener und muskulöser Blonder auch der erste in einer langen Reihe von Arier-Stereotypen unter Bonds Feinden. Zudem ist er Teil der hier erstmals verwendeten Introsequenz, die jeweils zwischen Gun Barrel-Eröffnung und Credits-Sequenz gezeigt wird.

Natürlich hat Bond aber auch Verbündete. Hervorzuheben ist in diesem Film vor allem Pedro Armendáriz als der türkische MI6-Mann Ali Kerim Bey. Dieser sympathische Charakter ist einer der einprägsamsten Bond-Verbündeten. Allerdings umgibt ihn ein tragischer Fakt: Pedro Armendáriz, der an einer unheilbaren Krebserkrankung litt und die Dreharbeiten nur unter starken Schmerzen absolviert hatte, beging kurz nach Fertigstellung des Films Selbstmord. Liebesgrüsse aus Moskau ist somit sein Vermächtnis. Als wichtigstes Bondgirl ist diesmal Daniela Bianchi als die sowjetische Dechiffrier-Spezialistin Tatiana Romanova zu sehen. Zum zweiten und letzten Mal kommt auch der Charakter Sylvia Trench vor, die bereits im Vorgänger Bonds on-off Freundin darstellte, welche dieser immer im entscheidenden Moment wegen eines Auftrags sitzen lassen muss. Dieser Running-Gag sollte nach diesem Film nämlich fallengelassen werden.

Story

SPECTRE planen die sowjetische Dechiffriermaschine „Lector“ zu stehlen und diese anschliessend wieder zurückzuverkaufen. Allerdings wollen sie dies indirekt durch den besten Agenten des MI6, James Bond, tun. So könnten sie nicht nur die beiden Geheimdienste gegeneinander ausspielen, sondern zugleich noch Rache nehmen für den Tod von Dr. No. SPECTREs Nr. 3 Rosa Klebb weist Tatiana Romanova an, Bond mit der Aussicht auf die Lector anzulocken. Romanova, die ihrerseits nicht weiss das Klebb nicht mehr für die Sowjets arbeitet, schickt Bond folglich ihre als „Liebesgrüsse aus Moskau“ getarnte Falle. Der MI6 weiss zwar dass dies eine Falle ist, hat aber keine Ahnung dass SPECTRE dahintersteckt. Folglich wird Bond nach Istanbul geschickt, wo der Kontakt stattfinden soll.

Kritik

Nicht wenige bezeichnen Liebesgrüsse aus Moskau als den besten Bond überhaupt, eine Meinung die ich durchaus nachvollziehen kann. Der Film macht alles richtig, was schon sein sein Vorgänger richtig gemacht hat, nur besser. Die Story ist durch das Hinzukommen von SPECTRE zudem eher noch interessanter als im Buch, selten musste Bond gegen einen derart perfiden Plan ankämpfen. Die unterschiedlichen exotischen Schauplätze verleihen dem Film diese unbeschreibliche, auf diese Art nur bei Bondfilmen präsente Atmosphäre, die selten so gekonnt erreicht wurde. Manche mögen auch hier die Inszenierung zu langsam finden, aber mich stört das nicht im geringsten. Ganz im Gegenteil, der Film steigert sich in der ersten Hälfte langsam zu einen immer epischer werdenden Finale, das seinen Höhepunkt in mehreren Kampfszenen kurz nacheinander findet. Den Anfang macht ein brutaler, zunächst einmal verbal ausgetragener Kampf zwischen Bond und Red Grant, wobei Bond nicht Bond wäre, wenn dieser Kampf an einem weniger glamourösen Ort als an Bord des Orient Express stattfinden würde. Danach setzt sich 007 nacheinander gegen Angriffe mit einem Hubschrauber und Schnellbooten durch, um zum Schluss mit Rosa Klebb in Venedig konfrontiert zu werden.

Die Darsteller können durchwegs überzeugen, so dass es mir schwer fällt, jemand bestimmtes hervorzuheben. Sean Connery spielt Bond vielleicht noch eine Spur smarter und britischer als zuvor, ohne jedoch dieses nötige Mass an Kälte und Abgebrühtheit zu vernachlässigen, dass die Figur schon immer mitdefiniert hat. Seine Unverwundbarkeit ist hier vergleichsweise weniger stark als in anderen Filmen, dafür sprechen einige Details wie Bonds wiederholte (unbemerkte) Rettungen durch Red Grant und die Tatsache dass es am Schluss Bondgirl Romanova ist, die Rosa Klebb tötet und damit verhindert dass diese Bond mit ihrer vergifteten Klinge trifft. Der typische „Lokale Verbündete“, in diesem Fall Ali Kerim Bey, nimmt hier eine grössere Rolle als in den meisten Bonds ein, was ebenfalls die Übermenschlichkeit des Superagenten reduziert. Alleine, das ist klar, hätte Bond diese Mission nicht bestanden.

Robert Shaw als Red Grant

Auf der Gegenseite zeigt uns Robert Shaw in seiner Rolle als Red Grant einen kaltblütigen Killer, der zudem noch den nötigen Wahnsinn für einen echten Bond-Feind besitzt. Definitiv eine richtig besetzte Rolle. Dasselbe gilt auch für Lotte Lenya als Rosa Klebb, die mit ihrer eiskalten und erbarmungslosen Art leicht die Vorstellung einer strengen Lehrerin vermittelt, die komplett den Verstand verloren hat. Ihre Untergebenen können einem echt leid tun. Allerdings ist auch bei ihr die Angst vor der Nr. 1, Blofeld, deutlich zu spüren.

Am wenigsten gefallen hat mir vergleichsweise die Rolle der Tatiana Romanova. Dieses Bondgirl ist naiv und unselbstständig, bis auf die Erschiessung von Klebb leistet sie während des gesamten Films nicht viel. Das werfe ich allerdings nicht der Schauspielerin Daniela Bianchi vor, sondern eher den Autoren. Zwar ist Romanova, im Gegensatz zum Bondgirl aus Dr. No, wichtig für die Story, aber ich mag sie trotzdem weniger. Die Frau kann etwas nerviges haben und wird eigentlich mehr oder weniger nur von Bond mitgezogen und gerettet. Ich weiss dass man so etwas an einem Bond eigentlich nicht kritisieren kann, denn wer mit feministischen Idealen an diese Filmserie herangeht, ist definitiv am falschen Ort. Trotzdem erlaube ich es mir, hier schlichtweg meine eigene, subjektive Meinung einzubringen.

Apropos politisch inkorrekt: Der ganze Abschnitt im Zigeunerlager (alleine der Begriff!) bietet ja wohl eine selbst für Bond-Verhältnisse aussergewöhnliche Menge an Rassismus und Sexismus. Das läuft nun wirklich unter „Das darf nur Bond“

Fazit

Liebesgrüsse aus Moskau ist der vielleicht stilvollste Bond. Nie mehr danach gab es in der Serie einen derart reinrassigen Spionagethriller ohne Trash-Elemente. Ein Film, der eigentlich genauso gut funktionieren würde, wenn der Haupcharakter nicht Bond heissen würde. Der einzige Grund warum ich hier nicht die Höchstnote zücke, ist dass mir das Bondgirl im Vergleich zu anderen weniger gut gefällt. Wer das jedoch anders sieht kann seine persönliche Bewertung aber gerne korrigieren. Hiermit spreche ich für diesen Film eine uneingeschränkte Empfehlung aus, ganz egal ob Bond-Fan oder nicht.

9,5 von 10 Dreiern im Zigeunerlager

James Bond will return in Goldfinger

by Andypanther

3 Antworten zu “NBN-Bondathon: Liebesgrüsse aus Moskau

  1. Pingback: NBN-Bondathon: James Bond jagt Dr. No | Nerdy By Nerds

  2. Pingback: Der Nerdy By Nerds Bondathon - 50 Jahre James Bond

  3. Desmond Llewelyn aka Q rest in peace 😦

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