Eurovision Song Contest 2012

Der Eurovision Song Contest 2012 ist vorbei und es war wie immer ein grosser Spass voller liebgewonnener Rituale und schrägen, schrecklichen und sogar guten musikalischen Darbietungen. Insgesamt war das durchschnittliche Niveau diesmal so hoch wie schon lange nicht mehr, leider führte das aber auch zu einer verschwindend geringen Zahl an „Exoten“, die schon immer zum Contest dazugehörten. Viele regten sich mal wieder über das Siegerlied auf, die Pophymne „Euphoria“ von der schwedischen Sängerin Loreen. Das Lied sei nur ein weiterer dieser langweiligen Dancefloor-Hits, wie sie zur Zeit das Radio überfluten und biedere sich nur an den Mainstream an. Ich selbst finde jedoch, auch wenn das Lied durchaus Gemeinsamkeiten mit jenem Songtyp hat, dass der Sieg in Ordnung geht. Der Song ist eingängig, aber ohne billig zu klingen, kraftvoll und wird begleitet von einer gelungenen, endlich mal nicht auf nackte Haut setzenden Show. Hört es euch am besten mal selbst an:

Da es wie schon gesagt noch einige gute Auftritte gab, will ich an dieser Stelle mal einige davon nennen. Etwa die Beiträge von Island und Grossbritannien, die von allen Teilnehmern die wohl ungerechteste Platzierung erhielten. Die Isländer boten eine dramatische Ballade, vorgetragen als gelungenes Duett. Definitiv einer meiner Lieblingssongs dieses Jahr. Aber wie wurde es belohnt? Platz 20. Die notorischen ESC-Verlierer von der Insel hingegen versuchten es mit klassischem Pop, aber nicht gesungen von einem dilettantischen Castingshow-Sternchen, sondern von einem erfahrenen und fähigen Sänger, der sich in den englischen Charts einst schon über den Beatles positioniert hatte. Das Lied war vielleicht kitschig, aber das ist in der richtigen Dosierung ja nichts schlechtes. Hat’s was gebracht? Nope, 25. Platz. Bitte, liebe Europäer, wenn ihr die Briten noch ermuntern wollt weiterhin nur substanzlose Boygroups hinzuschicken…

 

Serbien hingegen wurde für seinen Song wesentlich besser belohnt, nämlich mit Bronze. Das finde ich gerechtfertigt, ist das Lied doch eines der hochwertigsten dieses Jahr. Schöne Melodien, die gut ins Ohr gehen, die zudem von einem Sänger dargeboten werden, den man auch als solchen bezeichnen kann (merke: das ist nicht Standard am ESC). Extrapunkte gibts dafür, dass das Ganze komplett in serbischer Sprache gehalten ist.

 

Auch gut gefallen hat mir der Auftritt von Mazedonien, pardon, Ehemalige Jugoslawische Republik Mazedonien. Gesungen auf Mazedonisch, bekam man eine langsam beginnende, sich aber konsequent steigernde Rocknummer geboten. Die Sängerin verlieh dem Lied dabei mit ihrer kräftigen Stimme etwas Opernhaftes. Platz 13.

 

Natürlich will ich euch aber auch die diesjährigen Skurrilitäten nicht vorenthalten. Am bekanntesten wurden dieses Jahr wohl die Buranovskiye Babushki aus Russland, die, wie der Name schon vermuten lässt, russischen Grossmütter. Die Truppe stellte nicht nur den Rekord für den ältesten ESC-Teilnehmer auf, sondern brachte auch den ersten Beitrag in udmurtischer Sprache. Das ist so dermassen Anti-Mainstream, dass es nur eine einzige logische Folge geben kann: 2. Platz!

 

Die Türkei hingegen versuchte es eher mit dem klassischen „How-gay-can-you-get?“ -Prinzip. Immerhin, damit wird eine der wichtigsten Zuschauergruppen angesprochen. Das Lied und die Choreografie sind jedenfalls schon recht over-the-top, wie sichs gehört. Ich fands lustig und Europa scheinbar auch, denn es gab den 7. Platz zur Belohnung.

 

Von den im Halbfinale ausgeschiedenen Beiträgen, hat im Vorfeld wohl der von San Marino am meisten Aufmerksamkeit erregt. Das Lied hiess nämlich ursprünglich „Facebook Uh, Oh, Oh (A Satirical Song)“ und ja, es geht tatsächlich um das was im Titel steht. Schliesslich kam es wie es kommen musste und der Text musste umgeschrieben werden, da er sonst gegen die ESC-Regeln verstossen hätte, welche jegliche Form von Werbung verbieten. Obwohl der Song musikalisch belanglos ist, verdient er eine Erwähnung als „ESC-Exot“

 

Die Goldmedaille geht in dieser Kategorie aber an Montenegro und ihren „Soundtrack zur Eurokrise“. Das Lied „Euro Neuro“ mag ein wirrer Sprechgesang ohne Sinn sein, ist in Wirklichkeit aber der politischste ESC-Beitrag den ich je gesehen habe. Ein Wunder eigentlich, dass es da nicht auch Probleme mit dem Regelwerk gab. Für mich der lustigste Moment dieses Contests und das obwohl ich zur Hälfte Grieche bin. Das nennt man dann wohl Galgenhumor.

Das war’s damit leider schon für dieses Jahr mit unserem Lieblings-Liederwettbewerb, aber hey, während ich dies schreibe sind es nur noch 363 Tage bis zur nächsten Austragung! Ich bin mir sicher die Schweiz wird dann mit einem [sarcasm mode on] innovativen, mutigen und qualitativen Beitrag vertreten sein [sarcasm mode off]. Und Albanien 12 Punkte geben 😉

Nerds… Start… Commenting… NOW!

by Andypanther

2 Antworten zu “Eurovision Song Contest 2012

  1. Pingback: Allgemeine Artikel - Seite 4

  2. Ich will das die omas eine tournee in die schweiz machen!

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