Review: Buried – Lebend begraben

 
Buried – Lebend begraben
OT: Buried 
Konzeptfilm / Thriller: Esp, 2010 
Regie: Rodrigo Cortés 
Darsteller: Ryan Reynolds, div. Sprechrollen

Meine Blu-ray- Sammlung ist um eine weitere Perle angewachsen. Mit Buried ist ein Film dazugestossen der es wahrlich verdient, in Full HD angesehen zu werden. Warum? Hier mein Review.

Inhalt:
Die Geschichte von Buried ist im Prinzip schnell erzählt: Paul Conroy  erwacht in völliger Dunkelheit  in einem Sarg, einige Meter unter der Oberfläche begraben, auf. Im Sarg findet er lediglich ein Mobiltelefon, mit welchem er versucht, seine Rettung in die Wege zu leiten. Doch die Uhr tickt, denn der Sauerstoff wird knapp.

Kritik:
Ein 90 minütiger Film, der über die gesamte Spiellänge in einem Sarg spielt, klingt im ersten Moment nach einem verrückten Studentenfilm. Dass sich dahinter jedoch eine grosse Hollywood -Produktion verbirgt, mag erstaunen. Wohlgemerkt es handelt sich um einen – für Hollywood-Massstäbe – Low-Budget Film, der lediglich 3 Millionen Dollar gekostet hat (zum Vergleich: Mit dieser Summe könnte man gerade mal 2 Minuten von James Cameron’s Avatar finanzieren).

Um es einmal vorweg zunehmen, euch wird  während diesen 90 Minuten kein einziges Mal langweilig werden. Rodrigo Cortés ist das Kunststück gelungen, einen nicht nur beklemmenden, sondern auch kritischen Film zu schaffen. Ganz klar lehnt sich Cortés dabei an die Werke Hitchcocks an, alleine das Grundszenario erinnert an eines der klaustrophobischen Konstrukte des Altmeisters. So wird auch in diesem Film mit den Ängsten des Beengtseins gespielt. Eine Angst, die sich vom Protagonisten direkt auf den Zuschauer überträgt. Die Kamera arbeitet mit teilweise genialen Einstellungen. Zum Beispiel, wenn aus einer Deckenperspektive des Sargs so herausgezoomt wird, dass dieser nun plötzlich unendlich erscheint. Mit solchen Aufnahmen gelingt es dem Film, beim  Zuschauer ein Gefühl des Verlorenseins zu erzeugen, das Filmerlebnis wird somit äusserst intensiv.
Interessant ist auch, wie Cortés das Problem des ständig gleichen Standorts umgehen wollte. So sagt dieser selbst, dass er  die verschiedenen Abschnitte des Filmes durch wechselnde Farbgebung und  unterschiedlichen Einsatz der Kamera auch in stilistischer Hinsicht trennen wollte. Damit wollte er dem Zuschauer eine Orientierungshilfe liefern.

Der Film wächst jedoch darüber hinaus, lediglich eine Hommage an Hitchcock zu sein und wirft weiter kritische Fragen zu unserer Gesellschaft auf.  Der Protagonist wird von einer unerträglichen Warteschleife in die nächste geleitet, wo ihm zum wiederholten Male unnötige Fragen zu seiner Krankenkassennummer und ähnlichem gestellt werden. So kommt es zu einem schon fast skurrilen Kampf gegen einen Beamtenapparat, den es mehr interessiert, ob Terroristen mit im Spiel waren, als das Leben dieses Mannes zu retten. Folglich stellt sich also die Frage, ob nicht wir alle mit in diesem Sarg stecken, der aus den Fugen der Bürokratie gezimmert zu sein scheint.

Trotzdem ist auch dieser Film nicht über jeglichen Zweifel erhaben, teilweise nutzt er etwa allzu klischeehafte, inszenatorische Mittel. Auch der Soundtrack ist zwar durchaus spannungsfördernd,  zeichnet sich jedoch nicht durch grosse Kreativität aus.

Fazit:
Ein Film, den man wegen seinem interessanten Konzept gesehen haben muss. Ein Film, so gnadenlos erdrückend  wie Tonnen von Sand.
Ein Film, so intensiv, dass man froh ist, wenn man den Kinosaal wieder heil verlassen kann.

Wertung: 8 von 10 Schlangen in der Hose

by Butsch

9 Antworten zu “Review: Buried – Lebend begraben

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  3. Habe den Film im Kino gesehen – unglaublich beklemmendes Erlebnis. Aber ich glaube es ist ein Film, den man nur einmal schauen kann. Fällt eher in die Kategorie „Must See – aber zu unangenehm für ein zweites Mal“
    Reynolds ist auch super in dem Film, hätte ich mir nicht erwartet

  4. uniformsixpackfreak

    Als ich diesen Film zum ersten Mal sah, war ich hin und weg! Das Geschick des Regisseurs, das Ganze nur in einem Sarg spielen zu lassen und dennoch äusserste Spannung zu entfachen – Respekt!! Hier wird wiedermal ersichtlich, wie wertvoll dieser Beruf überhaupt ist, und was alles aus einer prinzipiell einfachen Szene herausgeholt werden kann. Hut ab Rodrigo Cortés!

  5. Pingback: Review: Buried – Lebend begraben « Phoenix Death Studios

  6. Der ist völlig an mir vorbeigegangen, das muss ich mir aber unbedingt anschauen. Ich halte Ryan Reynolds nicht für den größten Schauspieler vor dem Herrn – obwohl ich natürlich auf ihn als Deadpool warte – und um hier zu überzeugen, muss er ja schon einiges auspacken.

    Danke fürs zeigen. (Und damit Credits fließen: ich bin via Maloney zu euch gelangt.)

  7. –> Ich werde die entsprechenden Credits auf das Konto von Maloney überweisen😉

    Ich war auch kritisch und fragte mich warum ausgerechnet Ryan Reynolds, ein Schönling der die Frauen ins Kino treibt, aber die Bedenken waren grundlos, denn Reynolds hat hier eine ernsthafte und packende Leistung abgeliefert. Aber werden nicht sowieso einige dieser Schönlinge Hollywoods zu unrecht unterschätzt? und können ihr wahres potential erst dann zeigen, wenn sich mal endlich ein ernsthafter Regisseur ihrer erbarmt und sie aus der Liebeskomödien-Hölle befreit.

  8. Spannend, dass du Reynolds in die Schönheits-Liebeskomödien-Ecke stellst. Ich kenne ihn eher aus der flache-Männerwitze-und/oder-Action-Ecke („Waiting…“, „Smoking Aces“) oder eben im Superheldenkontext (mehroderminder-Deadpool in „Wolverine“ und als Green Lantern, wobei ich letzteren nicht geschaut habe).

  9. Erinnert mich irgendwie an die zweiteilige CSI-Folge „Grabesstille“..
    Da ist auch einer der Ermittler in einem Sarg gefangen.

    „Buried“ klingt interessant, auch wenn man sich das nicht so ganz vorstellen kann, dass ein Film über die ganze Länge nur in einem Sarg spielt😉
    Möcht ich mir aber trotzdem auf jeden Fall mal anschauen !!

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