Blu Ray Review: Game of Thrones

Als die Herr der Ringe Trilogie 2001-2003 das Fantasy Genre dem Mainstream zugänglich machte, öffneten sich auch die Türen für viele weitere Projekte. Ähnlich dem Buch war der Herr der Ringe die Referenz für die Qualität des Genres und machte vielen bewusst, wie komplex und faszinierend diese Geschichten sein können.

Mit Game of Thrones ist das Fantasy-Genre nun auch im TV ein Schwergewicht. Und wie ein richtiger Nerd habe ich mir meine Dosis Game of Thrones aus England liefern lassen, um mir so bald wie möglich die herrlichen Blu Rays zu schauen… doch warum sollte man dieser Serie eine Chance geben?

Die Grobe Handlung
In einer Welt, in der Sommer Jahre dauern und Winter ein ganzes Leben ausfüllen können, beginnt eine Geschichte der Intrigen. Nachdem der Berater des Königs unter mysteriösen Umständen stirbt, liegt es an Eddard Stark (Sean Bean) in die Hauptstadt des Königreichs zu kehren, um herauszufinden, ob es sich nicht doch um eine Ermordung handelt. Was Eddard Stark findet, droht die Sieben Köngreiche von Westeros in eine neue Zeit des Krieges und der Unruhe stürzen…

King’s Landing, Hauptstadt der Sieben Königreiche

Warnung für Nicht-Kenner:
Dieser Artikel ist so gut wie Spoilerfrei, doch seid vorsichtig im Internet. Facebook Gruppenfotos von Game of Thrones verraten riesige Spoiler und ein großes Event, welches die Serie definiert und auszeichnet wird unweigerlich in jeder Diskussion über Game of Thrones erwähnt werden, also passt bitte auf und vermeidet das Internet und eure Freunde, die es schon gesehen haben.

Game of Thrones basiert auf dem Buch Die Herren von Winterfell von George R.R. Martin und ist der erste Band der Buchserie „Das Lied von Eis und Feuer“, welche im Original derzeit fünf Bände spannt. Geplant ist eine Staffel pro Buch.

Schon wieder ein neuer Herr der Ringe?
Mit der Popularität der Trilogie von Tolkien kamen auch zahllose Nachahmer. Herzlose Kopien wie Eragon versuchten sich rasch als „Neuer Tolkien“ zu etablieren – schafften es jedoch nie über die fahle Imitation hinaus. Der Markt ist jedoch nicht leicht übersättigt, denn wie auch ich, wollten die meisten den nächstbesten Herrn der Ringe, unterbewusst wissend, dass es nie mehr als ein „Herr der Ringe“-lite sein würde. Eine Geschichte, welche offensichtlich in diese großen Fußstapfen treten will, kann nur scheitern. Die wahren, großartigen Fantasygeschichten sind jene, die nicht auf Imitation aus sind und ihre eigene Bestimmung finden.
Insofern ist Game of Thrones – obwohl es als solcher vermarktet wird – kein „amerikanischer Herr der Ringe“. Es ist eine Geschichte über Intrigen, vorwiegend getrieben von Charakteren und ihren Entscheidungen.

Kein Fantasy – oder doch?

Auch wenn es keine Elben gibt, beeindruckende Fantasyarchitektur bleibt.

In Game of Thrones tauchen erfrischend wenig Fantasy-cliches auf.

  • Kein Bauernjunge, der Magie entdeckt
  • Kein grundlos böser Tyrann
  • Kein Charakter, der „alles Gute vernichten will“
  • Keine nervenden Charaktere, welche kein Recht haben überhaupt noch am Leben zu sein

All das vermeidet Game of Thrones. Es gibt auch keine Elben, Zwerge oder Ähnliches… lediglich Drachen scheinen in der Welt existiert zu haben, doch auch sie sind nur noch präsent in Form versteinerter Eier.

Mit dem Übernatürlichen wird eher geflirtet als exzessiv gearbeitet. Ein herrlich atmosphärisches Opening der ersten Folge etabliert zwar eine (möglicherweise) übernatürliche Macht, doch dies spielt (derzeit) nur eine tertiäre Rolle.

Das mysteriöse Opening der Serie… wer steckt hinter diesem Zeichen?

Im Vordergrund stehen die Charaktere und ihre Entscheidungen. Die Fantasy Elemente werden nur sporadisch platziert. Und konträr zu dem Großteil der Fantasystories wirkt dies umso besser: In einer Welt, welche so echt wirkt ist das kurze Aufflackern einer mystischen Gestalt weit faszinierender als in einer Umgebung, in der jeder zweite Mensch ein Magier ist.

Was Game of Thrones richtig macht

Kein Status Quo
Neben Breaking Bad ist Game of Thrones derzeit in meinen Augen die größte Errungenschaft in Sachen TV-Serien. In vielen Serien etabliert sich nach einiger Zeit ein Status Quo – ein gewisser Standard zu dem die Story zurückkehren kann. Die Geschichte leidet meist dadurch, dass gewisse Handlungen eingeführt, dramatisiert werden, jedoch nach Abschluss sich nicht mehr auf künftige Staffeln auswirken.
In Game of Thrones birgt jede Entscheidung Konsequenzen. Bei erneutem Sehen der Serie wird man verstehen, wie kleine Momente schon riesige Ereignisse andeuten – nichts passiert hier zufällig und am Ende der ersten Staffel befindet sich jede Person an einem anderen Ort und hat sich verändert. Damit ist auch verbunden….

Keine Sicherheitsblase der Charaktere
Oft erlangt ein Charakter einen gewissen Ruf, er ist beliebt, die Leute lieben den Schauspieler oder die Teenagefans finden ihn/sie „hot“, was oft dazu führen kann, dass eine Rolle weit über ihr Ablaufsdatum getragen wird und sich die Autoren immer mehr Entschuldigungen einfallen lassen, um sie weiterhin in der Geschichte zu halten.
Ein Beispiel dafür wäre der Charakter von Kate in der Serie Lost, welche bereits nach 2 Staffeln keine Existenzberechtigung mehr hatte, außer Unterwäsche-sequenzen. Da Game of Thrones auf einem Buch basiert, hat jeder Mitspieler eine Geschichte, eine Motivation – niemand ist banal und wenn ein Kerl nervig ist und keinen Zweck erfüllt, sind seine Überlebenschancen sehr gering.

Überlebenschancen reduzieren sich drastisch im eisigen Norden.

Eine so vielfältige Riege an Personen fordert natürlich:

Spitzenschauspieler
Vielleicht klingt das jetzt zu sehr nach Fan-Meinung, aber Game of Thrones ist eine Serie mit durchgehend guten Schauspielern. Keine Fehlbesetzung, kein schlechter Schauspieler… besonders die Kinder, welche eine große Rolle in der Geschichte spielen, sind nicht nur gut, sie sind ein Highlight (vor allem Jack Gleeson als Joffrey Baratheon spielt den verzogenen Prinz so überzeugend, man kann ihn nur hassen).
Am bekanntesten ist wohl Sean Bean, welcher schon in Herr der Ringe als Boromir glänzte und hier eine Art „Boromir bevor er dem Ring verfällt“ spielt. Er ist die Vaterfigur, welche die noble Stark Familie und damit das moralische Zentrum der Serie zusammenhält.
Doch der größte unter den Schauspielern ist der kleinste: Peter Dinklage als zwergwüchsiger Tyrion Lannister ist ein Geschenk und jede Sekunde vor der Kamera ist unglaublich.

Ein kleiner Mann kann einen sehr großen Schatten werfen.

Komplexe Handlungen
Die obige Plotbeschreibung spottet der tatsächlichen Handlung und soll nur einen groben Einblick vermitteln. In Wahrheit besteht Game of Thrones aus einer Unzahl an Geschichten, Mythen und Intrigen. Aus diesem Grund ist TV das perfekte Medium für diese Geschichte, denn eine so facettenreiche Handlung würde nicht von einem Kinofilm profitieren. Auch lässt sich die Handlung im Vergleich zu Herr der Ringe schwer auf wenige Stränge reduzieren und so fühlen sich zehn einstündige Folgen pro Staffel sehr adäquat an, ohne dass je das Gefühl entsteht, die Autoren würden Zeit schinden.

Recherche
George R.R. Martin hat seine Hausaufgaben gemacht. Ein Freund, der Geschichte studiert,  empfahl mir die Buchserie vor Jahren, da er meinte, es sei eine der wenigen Fantasyserien, welche das Mittelalter sehr genau portraitiert. Und selbst als Laie merkt man, dass der Autor sich sehr für das Mittelalter interessiert: Politische Heiraten von Minderjährigen, Prostitution, Waffenkunde, Schlachttaktiken, Geographie… nichts ist unüberlegt und gibt der ohnehin schon faszinierenden Geschichte noch mehr Tiefe.

Viel und doch fokussiert
Die Welt von Westeros verlangt einiges ab. Persönlich war ich sehr misstrauisch, da ich, wie oben erwähnt, sehr oft von Fantasy in die Irre geführt wurde. Ich will nicht einen Doktor in einer imaginären Sprache abschließen müssen, die Karten auf Klingonisch lesen können und dann 4000 Seiten durchwälzen, um letztendlich zum Schluss zu kommen, dass es das nicht wert war.
Leider vergessen die meisten Fantasyautoren dass es nicht um die Anzahl an y z ‚ ^ ä und ö’s in den Namen der Ahnenliste geht sondern um die Symbolik.

Aus eben diesen Gründen war ich der Buchserie nicht allzu angetan, doch nach ein paar Folgen war das Interesse and George R.R. Martins Welt geweckt. Was an Herr der Ringe faszinierend ist, ist die Dichte der Welt, die vielen Geschichten und ein talentierter Autor kann eine solche Welt erschaffen.

Eine gute Welt prägt die Charaktere und ist kein Füllmaterial. So ist es auch in Game of Thrones. Wann immer ein Charakter eine Geschichte erzählt, ist diese 1) interessant aber auch 2) wichtig für die Stimmung und Motivation der Personen, die diese Geschichte hören.
Wie Tolkien und Stephen King thematisiert Martin den Effekt von Legenden und Helden. Es ist viel zu verarbeiten, doch unglaublich belohnend.

So bekämpft man Piraterie – die perfekte Blu Ray

Das beste Geschenk am Morgen

HBO weiß, dass Game of Thrones eine blühender Franchise ist, die man nur richtig pflegen muss um danach die Dollars/Euros zu ernten. Und für ein Set wie dieses bereue ich keinen Cent. Anstatt einfach die HD-Episoden auf die Platten zu pressen und ein, zwei Trailers dazuzuwerfen ist die Game of Thrones Blu Ray der beste Wegweiser durch Westeros.

Hier ein grober Überblick der Highlights (ich bin noch nicht Ansatzweise durch):

Episoden in 1080p – natürlich Standard für Blu Ray, doch diese Serie ist so wunderschön und ist ein Traum in HD. Die Sets und Special Effects sind herrlich, die Kostüme so detailliert, man will jede Szene pausieren und betrachten.

Audiokommentare – 7 von 10 Episoden beinhalten Kommentare der Drehbuchautoren, Schauspieler (darunter Golden Globe Gewinner Peter „Tyrion“ Dinklage) und besonders ein Kommentar von George R.R. Martin zu der Episode, welche er persönlich für die Serie geschrieben hat.

Emilia Clarke (Daenerys Targaryen) kommentiert neben Peter Dinklage und anderen die sechste Episode.

Guide to Westeros – Jede Episode (nur auf Blu Ray verfügbar) verfügt über den „Complete Guide to Westeros“. Einem Menü an der Seite, welches zu jedem Kapitel die wichtigsten Charaktere, Geschichten und Geographie einblendet – HBO ist sich bewusst, wie komplex die Handlung ist und greift dem Zuschauer unter die Arme. Der Box liegt auch ein kompletter Stammbaum bei.

Animierte Hintergrundgeschichten – Bei jeder Adaption muss man Dinge vernachlässigen und manchmal hat die faszinierendste Hintergrundgeschichte keinen Platz. Doch auch hier kommt ein brillanter Fanservice in Form von animierten Kurzgeschichten über die Geschichte von Westeros und die großen Häuser. Die Geschichten werden von unterschiedlichen Schauspielern in ihren Rollen vorgetragen und manches historische Ereignis wird von mehreren Seiten betrachten, beispielsweise der große Bürgerkrieg, der aus vier Seiten beleuchtet wird.

Eine Unmenge an Making Ofs und Charakterprofilen sind ebenfalls enthalten und es wird noch ein wenig dauern, bis ich die Facetten der ersten Staffel komplett entdeckt habe.

Fazit
Fakt ist, dass die Game of Thrones – Season 1 Box nun stolz neben meiner Herr der Ringe Box steht und mich erneut an die Stärken des Fantasygenres erinnert. Und wie der Herr der Ringe, unterscheidet sich diese Serie vom Rest durch eine Tatsache: Sie ist nicht vom Buch abhängig. Man fühlt sich nie verloren, wenn man die Buchreihe nicht schon dreimal gelesen hat. Ebensowenig gibt es in der Serie Ungereimtheiten, welche nur durch „im Buch ist es besser erklärt“ gerechtfertigt werden können (siehe Harry Potter Filme).

Nein, Game of Thrones ist zehn Stunden hochqualitativen Dramas und hoffentlich eine Serie, welche uns noch lange begleiten wird.

  • Die Game of Thrones Blu Rays erscheinen im deutschsprachigen Raum am 30. März.
  • Die Serie wurde bereits über TNT ausgestrahlt und ist ab 23. März im Free TV auf RTL II zu sehen.

by FLIPTHETRUCK

5 Antworten zu “Blu Ray Review: Game of Thrones

  1. Sehr schöner Artikel, der wirklich neugierig macht! Da erscheint eine Ausstrahlung auf dem Schundkanal RTL II regelrecht unwürdig.

  2. Ja, RTL II spricht echt nicht für die Qualität😀 aber egal, solange es gesehen wird.

    Find es sehr interessant, dass die Serie sehr viele Leute abschreckt weil sie so viele Charaktere mit komplexen Geschichten hat, alleine in der ersten folge kommen ungefähr 15 wichtige Charaktere vor und da kommen noch einige mehr dazu😀

  3. Hab die Serie auch vor kurzem auf DVD gekauft und gleich an einem Stück verschlungen…Fantasy ist wirklich ein wenig knapp bemessen, daher könnte man das Ganze auch einfach in die „Tudors“ Schublade stecken, doch so einfach ist es auch wiederr nicht, da vor allem Die „Nights Watch“ Handlung sehr viel Spannung schürt…so oder so ich bin schon jetzt äusserst gespannt auf 2. Staffel

    • Ich hab mir auf die Empfehlung von Flipthetruck hin die Blu-Ray Fassung gekauft, und habe diese wie du in einem Höllentempo durchgeschaut. Ich denke es ist bei dieser Serie gewollt das vor allem am Anfang der Geschichte also der ersten Staffel die Fantasy Elemente äußerst Sparsam eingesetzt werden, die Welt wirkt so glaubhafter und kommende Fantasy Elemente behalten auf diesem Wege ihren Zauber. Ich bin äußerst gespant wie die Geschichte weiter geht und schon fast schon traurig das ich schon alle Folgen hinter mir habe! Was meinst du, wäre „Tudors“ ein guter Ersatz für mich?

  4. Pingback: Trailer for Game of Thrones Season 3 | Movies that flip the Truck

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