Casual und Core – Die Antwort

(Als Antwort auf den Artikel „Casual und Core – Eine Meinung & mögliche Definitionen„)

Mein Artikel zur Fanboy-Definition von den Begriffen „Casual“ und „Coregamer“ hat seine Wirkung nicht verfehlt. Zugegebenermassen, provokativ war er, aber eigentlich wollte ich damit in erster Linie zeigen, wie es mir persönlich jeweils rüberkommt, wenn ich in einem Gamestop stehe oder im Netz surfe. Exakt das, was ich geschrieben habe, scheint die Meinung der lauten Masse zu sein. Sony, HD und Blut = Hardcore. Nintendo, bunte Grafik und 12er Rating = Casual. Dass Adventures in zuckersüssen Fantasywelten Spieltiefe besitzen können, das erfährt man erst durch gründliche Recherche. Es mag sein, dass diese Dinge primär von Trollen und „coolen“ Schülern behauptet werden, trotzdem ist es das, was am meisten auffällt und sich auch immer mehr etabliert hat. Warum sonst würden seriöse Game-Medien ein Darksiders als „Zelda für Erwachsene“ bezeichnen und als einziges Argument dafür den Gewaltgrad heranziehen? Das Splatter erwachsen ist, wäre mir neu.

Im Prinzip könnte mir das alles ja eigentlich egal sein, sollen die Leute doch denken, was sie wollen. Ich spiele weiterhin das, was mir Spass macht. Das Problem aber ist, dass die lautesten Mitglieder einer Gruppe immer auch diese sind, die am stärksten von den Aussenstehenden wahrgenommen werden. Wenn also Eltern, die sowieso skeptisch gegenüber jeglicher Spielesoftware sind, von der Szene in erster Linie mitbekommen, dass Jump ‚n‘ Runs Babyspiele sind und „richtige“ Gamer sich stattdessen durch afghanische Häuserschluchten ballern müssen, schadet dieses „Casual/Core“ –Weltbild der gesamten Szene. Wollen wir die Publicity wirklich den Trollen überlassen?

Aus diesem Grund ist es wichtig, zu unterscheiden, was wirklich den Unterschied zwischen einem – von mir aus – Hardcoregamer und einem Gelegenheitsspieler ausmacht. Um einen solchen Hardcoreler zu identifizieren, gibt es meiner Meinung nach mehrere Möglichkeiten.

Der reine Skill

Ein erfahrener Gamer kann sich in ein neues Spiel sehr schnell eingewöhnen und die Spielmechanik verstehen. Zumindest Grundkenntnisse in allen Genres sind vorhanden.

Das Wissen

Egal welches Genre es ist, ein Gamer weiss über die wichtigsten Spiele und seine Geschichte Bescheid. Kein Pflichtkriterium für die Bezeichnung „Hardcore“, da gerade jüngere Spieler einfach noch nicht alles wissen können, aber ein gewisses historisches Interesse sollte schon da sein.

Die Spielzeit

Ein heikler Punkt. Viele halten die tägliche Zeit vor dem Fernseher/PC-Monitor für ausschlaggebend ob jemand „Core“ ist oder nicht. Das Problem ist nur, dass die meisten Leute ab einem gewissen Alter ja einer Arbeit nachgehen müssen und so zwangsläufig weniger Zeit für ihr Hobby haben. Somit wäre, wenn man nur nach der Zeit geht, ein Gamer ab einem gewissen Alter automatisch disqualifiziert. Also seid vorsichtig mit diesem Kriterium.

Die Sammlung

Viele Gamer, die selbst vielleicht keine Ranglisten anführen und nur begrenzte Zeit pro Tag zocken, haben sich ansehnliche Kollektionen zugelegt. Ich finde auch das kann man in einem gewissen Sinn als „Hardcore“ bezeichnen. Natürlich wäre es wieder etwas anderes, wenn etwa jemand noch nie einen Controller angefasst hat und Spiele nur aus reiner Sammelsucht besitzt, aber ich denke kaum, dass jemand ohne Zockerleidenschaft überhaupt erst so ein Interesse dafür entwickelt.

E-Sportler/Ernsthafte Onlinegamer/Speedrunner/TASer

Wer sich zu einer dieser Gruppen zählen kann, ist wohl die Definition von Hardcore. Nur gerade die E-Sportler bewegen sich auf professionellem Level, die anderen betreiben ihre Variante zu spielen „nur“ als Hobby. Trotzdem werdet ihr keinen finden, der mehr über Games weiss als Speedrunner oder TASer. Was Onlinegaming betrifft, so denke ich, dass es schon einen gewissen Grad an Skill und Interesse braucht um allein dadurch „Hardcore“ zu werden. Wer also Joeys Waffenstat-Artikel für Berechnungen und Tests nutzt, hat die Bezeichnung verdient. Wer hingegen nur das neuste CoD spielt, um cool zu sein und sich dabei auch noch kindisch benimmt, nicht.

Das sind meine Definitionen. Man muss natürlich nicht alles davon erfüllen und kann umgekehrt aber auch nicht durch etwas bestimmtes davon automatisch „Hardcore“ werden. Das ist eine sehr individuelle Sache mit vielen möglichen Grauzonen. Was wäre etwa jemand, der zu den besten Wii Sports-Zockern überhaupt gehört und mehrere Weltrekorde darin besitzt?

Ihr werdet gemerkt haben, Namen und Genres tauchen hier nicht auf, weil sie keine Rolle spielen. Im Prinzip lässt sich alles auf Hardcore oder Casual-Variante zocken, was ich eigentlich ein gutes Schlusswort zum Thema finde. Alles hängt vom Spieler ab, nicht von der Sache.

Grüsse von einem leidenschaftlichen Sammler von Spielen und Nerdwissen, Casual-Speedrunner und Hobby-TASer.

by Andypanther

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