Rückblick auf die bisherigen 3D-Zeldas

Zelda, die ultimative Kultserie! Welche Spielereihe kann schon einen ähnlichen Hype vor jedem neuen Teil entfachen und seine Fans mit derartiger Ungeduld die Tage bis zum Release zählen lassen? Bei Skyward Sword, das ab dem 18. November bei uns in den Läden steht, herrscht diesmal allerdings eine Kontroverse, wie es sie seit Wind Waker nicht mehr gab. Kann dieses allem Anschein nach extrem auf Bewegungssteuerung fokussierte Spiel mit einer merkwürdigen Grafikmischung aus Wind Waker und Twillight Princess funktionieren? Darüber kann man sich endlos streiten. Warum also nicht einmal einen Rückblick auf die bisherigen 3D-Zeldas wagen, um dann vielleicht besser beurteilen zu können, wo sich der neue Teil einordnen lässt.

Enttäuschung oder überraschender Übertitel?

Ocarina of Time

Das 97%-Wunderwerk, das „Best Game of all Time“, das Spiel, das die Gamingwelt revolutionierte. Die riesige freie Spielwelt, das innovative Gameplay und die für damalige Verhältnisse phänomenale Technik machten OoT zurecht zu einem Klassiker. So etwas hatte es zuvor nicht gegeben. Egal welches 3D-Action-Adventure man heute spielt, ohne dieses Zelda würde es anders aussehen.

Natürlich gab es auch viele Skeptiker, die nicht daran glaubten dass sich das klassische Spielprinzip der 2D-Zeldas (gemeint sind primär A Link to the Past und das Debüt) auf die dritte Dimension übertragen lässt. Ein Glück, dass sie unrecht hatten! Trotzdem fällt eine Sache auf, wenn man OoT genauer betrachtet: So neu sind die Ideen gar nicht.

Das grundlegende Konzept mit der Zeitreise beispielsweise, bei dem man das gleiche Land vor und während Ganondorfs Herrschaft durchstreift. Erinnert das jemanden an die Schattenwelt aus AlttP? Auch das Spielen eines Musikinstruments ist bei Zelda nichts neues, herausragend ist hier bloss dessen zentrale Rolle. Nimmt man Items, Gegner, Story und Schauplätze, wird man diese alle in den Vorgängern wiederfinden. Letztlich ist das gesamte Gameplay eine 1:1 Übertragung in eine 3D-Welt. Wirklich neu sind nur jene Elemente, die von der Dreidimensionalität Gebrauch machen, etwa das Kampfsystem. Ein weiteres perfektes Beispiel ist, ja, der Wassertempel! Alle hassen diesen Dungeon, aber ich finde, dass er seine Aufgabe ziemlich gut erfüllt – nämlich verwirrend und komplex zu sein. Nie musste die Umgebung sorgfältiger erforscht werden, in alle Richtungen und unter Berücksichtigung des Wasserstands. In 2D hätte das so nicht funktioniert.

Majoras Mask

Das doch recht umstrittene Sequel, für viele entweder das beste oder das schlechteste Zelda. Hauptgrund dafür ist das Element Zeit, das manche zu der (falschen) Annahme verleitete, dass dieses Game grundsätzlich ein erschwerendes Zeitlimit besitzt. Dabei sollte eigentlich jeder, der MM ernsthaft gespielt hat wissen, dass man im Spiel eigentlich nie einem Druck ausgesetzt ist, erst recht nicht mit verlangsamter Zeit. Aber fangen wir doch bei der Entwicklung an.

Das erste Lebenszeichen des Spiels hörte auf den Namen „Ura-Zelda“, das sich jedoch später als die geplante Ocarina of Time-Erweiterung für das (gefloppte) N64-Zusatzlaufwerk 64DD herausstellte. Was daraus wurde, sollte dem Nintendofan bekannt sein: Das für Gamecube erstmals spielbare Master Quest. Der richtige Nachfolger sollte „Zelda Gaiden“ werden, was übersetzt so viel wie „Nebengeschichte“ bedeutet. Die Vorgabe an das vom Vorgänger übernommene Entwicklerteam war klar: Eine schnelle Fertigstellung. Shigeru Miyamoto selbst gab hier jedoch erstmals den Posten des Chefdesigners ab, eine Entscheidung die dem Spiel anzusehen ist.

Ich wage mal zu behaupten, dass Majoras Mask das mit Abstand düsterste Zelda ist. Termina ist eine mysteriöse Welt voller Rätsel, die ihr Geheimnis nie ganz preisgibt. Dadurch, dass alle Charaktere einem fixen Tagesablauf in der dreitägigen Zeitschleife folgen, lernt man sie und ihre Eigenheiten mit der Zeit sehr gut kennen. Wenn man dann sieht, wie sie alle langsam aber sicher realisieren, dass ihr Untergang bevorsteht, erreicht dieses Spiel eine atmosphärische Dichte wie kaum ein anderes. Die jeden Tag ein bisschen hektischer und bedrohlicher werdende Hintergrundmelodie der Hauptstadt trägt hervorragend dazu bei. Überrascht es da, dass die Story keinesfalls dem Zelda-Üblichen Gut-Böse-Schema folgt? Selbst nach dem Endkampf bleiben viele entscheidende Fragen unbeantwortet und lassen einem dadurch Raum für eigene Interpretationen.

In Sachen Gameplay und Technik bietet Majoras Mask noch etwas mehr: Unter vollem Gebrauch des erweiternden Expansion Paks zauberte Nintendo hier noch einmal alles aus ihrer Konsole hervor. Ein besser aussehendes N64-Spiel muss man erst finden! Spielerisch gibt es neben zahlreichen Detailverbesserungen vor allem auch eine deutliche Steigerung des Schwierigkeitsgrads, die im bis heute besten 3D-Zelda-Dungeon ihren Höhepunkt findet.

Wind Waker

Was waren wir alle gehypt nachdem wir 2000 diese Tech-Demo mit Link und Ganondorf gesehen hatten. Wie geil wird das denn? Umso grösser war dann der Schock, als das richtige Spiel, übrigens das erste Zelda in Cel-Shading-Grafik, präsentiert wurde. Nur zu gut erinnere ich mich noch an den verächtlichen Spitznamen „Celda“.

Was uns dann aber letztlich geboten wurde, war über alle Zweifel erhaben. Zu perfekt war das Gameplay, zu gut die Ideen, um sich noch über die Grafik aufzuregen, die im Endeffekt sogar sehr gut zu Links Abenteuer passte. Mittlerweile kann ich mir für Wind Waker keine andere Optik mehr vorstellen. Wer dieses Spiel noch immer aufgrund des Grafikstils ablehnt, dem kann ich nicht helfen. Denn die Klasse von Wind Waker kann man als anspruchsvoller Spieler einfach nicht ignorieren.

Besonders angetan hat es mir der Ozean, auf dem man stundenlang herumsegeln und Inseln erforschen kann. Das gibt dem Spieler ein so herrliches Freiheitsgefühl, wie ich es in der Art bisher nie mehr erlebt habe. Sehr gut gefallen haben mir auch die Items und ihre geschickte Nutzung. So kann man den Greifhaken etwa auf drei verschiedene Arten einsetzen: Als Alternative zum Enterhaken, als Waffe, um Gegnern Sachen zu stehlen oder als Kran, um vom Schiff aus Schätze zu bergen.

Zu kritisieren habe ich hier eigentlich nur, dass dieses Spiel zusammen mit Super Mario Sunshine am Anfang der Nintendo-Unsitte stand, Spiele unnötig linear zu gestalten. Warum muss Tempel A vor Tempel B gemacht werden? Man hat alle Items für beide und auch storymässig würde nichts für eine feste Reihenfolge sprechen. Trotzdem zwingt mich das Spiel dazu und sowas, merkt euch das endlich, Nintendo, muss einfach nicht sein.

Twilight Princess

Das Zelda, das alle oberflächlichen Spieler zufriedenstellen sollte, die den Vorgänger aus rein grafischen Gründen abgelehnt hatten. Aber seien wir ehrlich: Waren wir nicht alle von den Trailern gehypt, in denen Zelda besser als je zuvor aussah? Nicht zuletzt war der Real-Look auch eine grosse Überraschung gewesen, nachdem Nintendo anfangs nur von einem Wind Waker 2 gesprochen hatte. Letztlich ist Twilight Princess ein auf der Wind Waker-Engine aufgebautes Gamecube-Spiel, das aus verkaufstechnischen Gründen auch für Wii portiert wurde. Dass dies nicht ursprünglich geplant war, ist deutlich zu sehen. Nicht umsonst bekam die Cube-Version oftmals bessere Wertungen. Grund dafür ist die alles andere als perfekte Steuerung, die uns die Grenzen der ursprünglichen Wiimote aufzeigte. Auch die Spiegelung Hyrules sowie Links Wandel zum Rechtshänder kamen nicht überall gut an.

Ich muss zugeben, ich war nie der grösste Fan von Twilight Princess. Es gibt einige Gründe, warum ich ihn für den spielerisch schwächsten 3D-Teil halte. Etwa die eher zähen Wolfs-Abschnitte, die viel zu einfachen Bosse, die Teils Quicktime-Events (sic!) beinhalten. Es gab zwar viele tolle Ideen, gerade etwa gewisse neue Items haben es mir angetan, trotzdem kam das Gameplay so gut wie nie ans Niveau eines Ocarina of Time heran. Was das Konzept der Schattenwelt betrifft: Wirklich, Nintendo, jetzt kopiert ihr A Link to the Past schon zum zweiten Mal?

In Sachen Präsentation sieht das Ganze natürlich schon etwas anders aus. Es gibt wirklich einige beeindruckende Cutscenes zu sehen, wie es sie in dieser Intensität noch nie zuvor in einem Zelda gab. Auch die Grafik gefällt mir alles in allem, obwohl es leider teils starke Qualitätsschwankungen zu sehen gibt. Soundmässig wird man natürlich, wie bei Zelda üblich, von den kompositorischen Meisterleistungen von Koji Kondo verwöhnt. Es gibt viele bombastische Soundtracks zu hören, wenngleich viele davon Neuinterpretationen bekannter Themen sind. Die Story finde ich im Grunde ja nicht so spektakulär, aber sie ist gut erzählt und bietet mit dem Schattenwesen Midna einen der stärksten Zelda-Charaktere aller Zeiten.

Meine mögliche Reihenfolge wäre also:

  • Platz 1: Ocarina of Time & Majoras Mask
  • Platz 2: Wind Waker
  • Platz 3: Twilight Princess

Denkt daran, dass ist bloss meine eigene subjektive Meinung, also kein Grund zur Fanboyschlacht auszurufen. Versuchen wir nun besser herauszufinden, wo sich Skyward Sword einordnen könnte.

Möglichkeit 1: Die Enttäuschung

Nintendo will die durch Wii Sports gewonnenen Käuferschichten nicht vergraulen und macht es deutlich zu leicht. Sämtliche Schwierigkeit entspringt lediglich der mühsamen Steuerung. Somit wären die echten Fans unterfordert und genervt zugleich, was das Spiel klar auf den letzten Platz bringen würde. Abhilfe könnten dann nur noch eine grandiose Story und ein Hard Mode schaffen.

Möglichkeit 2: Gewohntes Niveau

Das Spiel besitzt einen ausgewogenen, wenn auch stellenweise zu leichten Schwierigkeitsgrad. Allerdings ist die Steuerung intuitiv, leicht und bietet trotzdem die Möglichkeit für anspruchsvollen, intelligenten Einsatz. Die Fans wären zufrieden und der persönliche Geschmack würde letztlich entscheiden, wo das Spiel eingeordnet wird.

Möglichkeit 3: Das Überspiel

Wir bekommen endlich das, was sich Miyamoto von Anfang an unter einem Zelda mit Bewegungssteuerung vorgestellt hat. Man fühlt sich zu keinem Moment wie ein Nerd mit einem komischen Controller, sondern wie ein grün gekleideter Held mit Schwert. Es macht einfach so viel Spass sich durch die genialsten Kämpfe und Rätsel seit der N64-Ära zu spielen, dass man sich eine andere Steuerung nicht mehr vorstellen kann. Selbstverständlich sind auch Story und Atmosphäre vom feinsten, wie man es sich von Zelda gewohnt ist.

Wie es am Ende sein wird, werden wir am 18. erfahren. Bis dahin zählt die Tage und zockt am besten nochmal eure alten Zeldas durch, um warm zu werden für das neuste Kapitel der Legende!

 by Andypanther

2 Antworten zu “Rückblick auf die bisherigen 3D-Zeldas

  1. Pingback: Allgemeine Artikel

  2. Würde auf möglichkeit 3 tippen!!

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s