Voxel-Grafik: Revolution oder Reinfall?

Seit gut einer Woche erfreut sich unten stehendes Video wachsender Beliebtheit. Eine australische Firma mit Namen Euclideon will eine neue Technik entwickelt haben, welche die Grafik in Videospielen revolutionieren soll – und das Gezeigte überzeugt. Formen werden äusserst detailliert dargestellt, wie es jüngst nicht einmal DirectX 11 mit aktivierter Tessellation schafft. Der Unterschied? Die Masse! „Unlimited Detail“ wird versprochen und tatsächlich wird eine beinahe unlimitierte Anzahl an Objekten gezeigt, allesamt auf höchstem Detailgrad. Die Sensation scheint perfekt. „Durch Atome erzielte Grafik“ soll den von Polygongrafik dominierten Markt nun also revolutionieren.

Der Motor hinter diesen riesigen Gebilden ist jedoch nicht ganz neu. 1999 haben bereits Spiele wie Outcast von der sogenannten Voxel-Grafik Gebrauch gemacht. Doch warum hat sich damals eine solch geniale Technik nicht gegen die Polygone durchsetzen können? Die Niederlage hatte seine Gründe, welche uns Euclideon noch elegant verschweigt …

Bislang basierte eine Grafikengine – sehr vereinfacht – auf sogenannten Polygonen. Die dadurch entstehenden Flächen werden anschliessend mit farbigen Texturen überzogen. Um der Oberfläche mehr Struktur zu verleihen, werden diese noch mit Bumpmaps überzogen, um plastischer zu wirken. Auch die mit DirectX 11 neu eingeführte Tessellation hat einen ähnlichen Effekt.

Die nun als revolutionär angepriesene Voxel-Grafik funktioniert etwas anders. Hier werden jedem Punkt im dreidimensionalen Raum Eigenschaften wie Farben zugeordnet und in einem dreidimensionalen Koordinatensystem gespeichert. Anschliessend wird gerendert, was schlussendlich das Bild erzeugt.
Sehr vereinfacht gesagt basiert das Polygonmodell also auf Flächen, während die Voxel-Technik auf einzelne Punkte setzt. Aktuell wird die Voxel-Technik vor allem für Bilder im Bereich der Medizin eingesetzt.

Warum hat nun die ach so tolle Voxel-Grafik vor gut zwölf Jahren gegen das bekannte Polygon-Modell verloren? Weil die Voxel-Variante auch einige Schwächen mit sich bringt, welche uns die Australier im Video natürlich verschwiegen haben.
Das Ganze frisst mehr Speicher, als man möglicherweise vermuten mag. Im Video werden oftmals genau die gleichen Objekte repetitiv dargestellt. Da profitiert das Voxel-Modell, da einfach bekannte Datensätze nebenan erneut verwendet werden. Das spart Leistung. Wären alle Objekte unterschiedlich, sähe es schnell anders aus. Die Voxel-Engine ist also für unterschiedliche Objekte weniger geeignet. Wollen wir in unseren Games immer gleich aussehende Bäume, Häuser oder Menschen? Eher nicht.
Weiter wird im Video eine für Videospiele wohl viel wichtigere Schwäche gekonnt unter den Tisch gekehrt. Die Voxel-Technik eignet sich extrem schlecht für Animationen. Oder sieht man im Video unter den tausend Figuren auch eine, welche sich bewegt?

Abschliessend bleibt mir nur eines: Die Revolution wird noch auf sich warten lassen. Liebe Gamer, ich will euch nicht die Freude nehmen. Auch ich würde mich natürlich über die ultimative Grafikengine freuen, doch das ist sie nicht. Lasst euch nur nicht blenden! Es gibt noch immer Firmen, welche einfach Geld verdienen wollen. Und dass sich die Voxel-Grafik vor zwölf Jahren nicht durchgesetzt hat, hat auch seinen Grund.

by Joey the Hobbes

2 Antworten zu “Voxel-Grafik: Revolution oder Reinfall?

  1. Danke für die Wahrheit. Der Schwachsinn mit der Voxel Engine fällt auch dadurch auf das sich besagte Firmen wie Atomontage und Euclideon nicht bei Kickstarter registrieren und einfach nur Geld erbetteln ohne eine lauffähige Demo oder Beta anbieten zu können. Ich glaube das grade die neusten Videos nur mit Hilfe von Rechnerfarmen realisiert werden konnten da sonst die Resourcen gefehlt hätten. Ein grosser Beschiss, mehr nicht, leider.

  2. ja außen hui un innen pfui,
    macht nen soliden eindruck im ersten moment, aber wie ihr auch schon sagt, bei genauerem betrachten fällt auf das sich alles einfach wiederholt, sowas is ja auch kacke, was bringt nen arsch voll details wenn alles gleich auschaut!

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