Star Wars: Revisited

Seit bald 34 Jahren ist eine Geschichte aus der Filmlandschaft nicht wegzudenken: Star Wars.

Die klassische Geschichte vom ewigen Kampf zwischen Gut und Böse erfreut sich noch immer größter Beliebtheit und aus meiner Sicht wird die Popularität noch über eine lange Zeit erhalten bleiben.
Natürlich rührt diese Überzeugung daher, dass ich seit ich sechs Jahre alt bin ein Star Wars Fan bin, doch alleine die Tatsache, dass mich im Jahr 1995 ein fast 20 Jahre alter Film mehr begeistern konnte als alle modernen Dinge, die das Kino um diese Zeit zu bieten hatte, spricht Bände.
Und besonders auf einer Seite wie NerdyByNerds.ch ist es sehr wahrscheinlich, andere Star Wars Fans anzutreffen. Die Frage, die jedoch bleibt, ist:

Welcher Star Wars Nerd bist du?

Han-schießt-zuerst war ein Verbrechen?
Sagt dir Kashyyyk etwas – steige ein Level auf.
Weißt du, dass Chewbacca inzwischen tot ist? –  Noch ein Punkt für deine Nerd-Credibility.
Warst du erschüttert als dieses Jahr Irvin Kershner von uns gegangen ist? – gehe zur letzten Frage:

Welche DVD legst du in den Player, wenn du Star Wars (1977) schauen willst?

Wenn deine Antwort ist „Die DVD aus der Box, die ich am Erscheinungstag gekauft habe“ – viel zu lernen du noch hast…

Was ist das Problem mit der DVD?
Fans können furchtbar sein, sie können nerven, kleinste Details (ohne Grund) zerreißen. Sie können das Internet vollspammen, in der Meinung sie wüssten alles besser. Sie meckern wenn Heath Ledger als Joker gecasted wird und beginnen Petitionen, sobald man Daniel Craig als nächsten James Bond ankündigt.

Fans können extrem fanatisch werden, Harry Potter Fanfiction verfassen, die entweder den gesamten Krieg mit Voldemort erzählen, Sexgeschichten mit Harrys Kindern beinhalten oder andere furchtbare Sachen, die wir nicht weiter erwähnen wollen …
Bei all der Nervigkeit, sagt diese Obsession jedoch eines aus: Sie zeigt, wie viel dieses Produkt einigen Menschen bedeuten kann.

Und in dieser Hinsicht schlägt nichts die Fans von Star Wars.

1997 beschloss George Lucas eine Special Edition der originalen Star Wars Trilogie ins Kino zu bringen. Diese Neuveröffentlichung ist bis heute die erfolgreichste Wiederveröffentlichung, mit 138 million dollar Einnahmen für Episode IV allein.

Diese Veröffentlichung beinhaltete einige sehr gute Erneuerungen, Special Effects wurden verbessert, jedoch gab es auch einige Probleme:

Hin und wieder musste George Lucas Special Effects auf die Leinwand werfen, nur um zu zeigen, wie beeindruckend Special Effects sind – anscheinend hatte er sein eigenes Motto vergessen:

Eine Vermutung, die er mit den Episoden 1-3 bestätigte.
Mit der Veröffentlichung der DVD kamen weitere Probleme: nicht nur blieben die Special Effects, die man dem Publikum ins Gesicht rieb – nein, dazu kam ein Farbfilter, der dem normalen DVD-Schauer nicht auffältt, doch dem rosinenklaubenden Star Wars Nerd. Spätestens, wenn man einmal Darth Vaders Lichtschwert beobachtet, wie es in herrlichem rosa scheint, weiß man, dass etwas nicht richtig ist.
Auch gab es eine Änderung bei Das Imperium Schlägt Zurück, die ich in einem separaten Artikel besprechen werde.

Doch anstatt sich nur zu beschweren, dass er nicht bekommen hatte, was er wollte, gab es einen Briten, der einfach verrückter als alle Star Wars Nerds der Welt gemeinsam war.

Dieser User (Adywan) begann ein 2-jähriges Projekt, um den hässlichen Farbfilter zu entfernen, ebenso einige Dinge zu polieren und George Lucas‘ Special Effects Hascherei zu reduzieren.

Das Ergebnis ist eine liebevoll zusammengestellte DVD, die mittlerweile in meiner DVD-Box den Platz für Star Wars IV einnimmt.

Was ist anders?
Hier einmal ein paar Screenshots. Kleines Spiel – zähl die Dinge, die dir auffallen, um dein Star Wars Nerdlevel zu evaluieren.

Abgesehen von der Farbe, hier einige Dinge, die ich besonders and der neuen Version liebe:

Der Millenium Falke besitzt neue Manöver, wenn er vor den Sternenzerstörern flieht.
Als Luke und Gefährten vom Todesstern fliehen, wurde das Duell zwischen Kenobi und Darth Vader neu überarbeitet. Durch cleveres drehen des Bildes und Neuanordnung wurde das Duell um einiges intensiver. Auch der Musiktrack „Battle of the Heroes“ von Episode III wurde hinzugefügt, um an das Duell Anakin/Obi-Wan zu erinnern.
Puristen mögen ein solches Hinzufügen eventuell verdammen und es auf eine Ebene mit George Lucas‘ Änderungen stellen, doch in meinen Augen wurde das sehr langsame, starre Duell durch die Änderungen aufgewertet.
Als der Falke vom Todesstern flieht, wurde ebenfalls die Verfolgungsjagd überarbeitet, hier das Ende des Duells und der Weltraumkampf danach:

Das Großartige an den meisten Änderungen ist, sie stechen nicht hervor, es fühlt sich natürlich an, nichts wird vor deiner Nase herumgewedelt und doch sind viele Dinge simpel und herrlich – so wie Verbesserungen sein sollten:

  • Die starren Puppen in der Bar blinzeln nun hin und wieder.
  • Die Rebellenbasis verfügt nun über ein holographisches Display (ähnlich Episode II).
  • Ein Kampfdroide aus Episode 1 kann auf einem Schrotthaufen gesehen werden.

Andere Szenen fallen leicht ins Auge:

  • Der Todesstern thront nun über einem Planeten, umringt von Sternenzerstörern während der imperiale Marsch ertönt.
  • Die Schlacht um Yavin wurde erweitert mit einer neuen Sequenz von Tie-Fightern und zusätzlichen Schießereien, im Hintergrund der Schlacht ist der rote Gasriese zu sehen und durch die Fenstern der Jägercockpits kann man X-Wings und Tie-Fighter sehen.

Ich wollte eigentlich einen Clip zur Schlacht posten, doch ich finde ein Clip und die Beispiele sollten reichen – es ist nicht schwer Clips zu Star Wars Revisited zu finden, doch ich würde empfehlen:

Holt euch Revisited, brennt es auf DVD, ladet eure Freunde für einen Star Wars Abend ein und beginnt eine der größten Trilogien der Filmgeschichte mit der perfekten Version von Krieg der Sterne.

Alles schön und gut, aber wo kriege ich Revisited?
Revisited ist ein Fanedit. Dieser Begriff beschreibt ein Hobby, bei dem Leute (Nerds) Filme neu zusammenschneiden – sei es um einen Zugunfall weniger schlimm zu machen (Terminator 3, Episode 1), sei es um einen Film in einem komplett anderen Licht zu zeigen (zum Beispiel eine Grindhouse Version von Star Wars) oder – im Fall von Revisited – um kosmetische Änderungen vorzunehmen.

Revisited kann man hier finden.

Da Fanedits sich in einer legalen Grauzone bewegen (Copyright etc.), kann fanedit.org nur hinweisen, welche Fanedits im Internet verfügbar sind – es ist nun ein bisschen komplizierter, die Fanedits zu finden, aber es funktioniert, hier eine Anleitung:

Ursprünglich waren die Links direkt auf der Seite, doch die MPAA (Motion Picture Association of America) hat die Seite abgeschossen und seither müssen sie auf http://www.fanedit.info verweisen.

Schritt 1: Finde den Fanedit
Auf fanedit.info findet man under ALL STAR WARS die Links.
Achtung, wenn du auf den Namen klickst, wirst du wieder auf die .org Seite zwecks Informationen verlinkt. Rechts neben dem Namen sieht man eine Vielzahl von lustigen Kürzel (z.B. RS DL NTSC).

Was das bedeutet?
Teil eins ist die Filesharing-Seite, auf der der Edit gehostet wird: MU (Megaupload), RS (Rapidshare), BT (Bittorrent) …

Der Zweite Teil ist die Art des Fanedits: DL (Doublelayer DVD mit Menü, Kapiteln und anderem Zeugs), SL (Singlelayer DVD mit Menü etc.-4,7 Gigabyte), AVI, MP4 (einzelne Videodatei ohne DVD Menü oder anderem, kleinere Dateigröße, schneller zu laden, geringere Videoqualität).

Das dritte Kürzel betrifft nur die beiden DVD-Formate NTSC oder PAL. PAL ist das Standardformat bei europäischen DVDs, aber europäische DVD Player haben kein Problem mit NTSC, also keine Sorge.

Wenn man hat, was man will (für Deutschland/Schweiz/Österreich zum Beispiel RS DL PAL), einfach auf die Abkürzung klicken und ein Download mit einem Archiv beginnt.

Schritt 2: Keine Panik!
Das Archiv ist NICHT der Film. Es wird innerhalb weniger Sekunden downgeloaded sein. Das Archiv besitzt eine Datei mit Endung .dlc.
DLC ist ein Format, in das man Adressen von Filehostern speichern kann, es beinhaltet also die Information, welche Links man downloaden soll.

Mit jdownloader kann man die DLC Dateien öffnen. Jdownloader installieren und dann doppelklicken auf die DLC-Datei.

Jdownloader ist ein nützliches Werkzeug, dass die Drecksarbeit im Hintergrund erledigt. Wenn man keinen Account für Rapidshare oder andere Seiten hat, muss man oft lange Wartezeiten in Kauf nehmen, bis der nächste Download verfügbar ist. Jdownloader wartet für dich oder kann mittels Reconnect-Funktion die Filehoster austricksen.

Zieh die DLC Datei in den Linkgrabber (oder Doppelklick auf die DLC Datei) und Jdownloader checkt, ob die Archive noch online sind. Markier nun alle Archive und Rechtsclick „Dateien zum Download hinzufügen“ und Jdownloader wird mit dem Download starten.
Unterdessen geh hinaus, spiel Ball, triff dich mit Freunden, kauf Popcorn für den DVD-Abend, rette die Welt … jdownloader macht die Arbeit.
Wenn er fertig ist, wird er die Archive selbsständig entpacken und in deinem Downloadordner sollte nun ein DVD-Image von Star Wars: Revisited sein.

Möge die Macht mit dir sein!

Mein Lord! Ist das …. legal?

Wie schon gesagt: Fanedits sind eine legale Grauzone.
Die Faneditgemeinschaft fordert auch auf, die Filme nur zu downloaden, wenn man eine Kopie des Originals besitzt.
Lucas ist sich bewusst, dass es Fanedits gibt und hat geäußert, dass sie Maßnahmen einleiten werden, wenn sie der Meinung sind, es würde starke Copyright-Verletzungen geben.

Ich sehe es auf diese Weise: Wenn ich eine DVD auf Amazon bestelle und ich erfahre, dass die DVD eine gekürzte oder geschnittene Fassung erhält, werde ich sie nicht bestellen und das Original suchen.
Würde ich einen Fanedit beispielsweise von Episode I herunterladen, würde ich nicht bekommen, was ich wollte – es ist eine Version, an der jemand anders herumgeschnippelt hat, in der Meinung es besser zu wissen.

Insofern wird man Fanedits ohnehin nur schauen, wenn man bereits das Original kennt/hat und eine andere Version sucht, also sehe ich Fanedits nicht auf der gleichen Stufe wie eine Kopie eines Filmes, die jemand online stellt.

Man muss schon sehr geekig sein, um fanedits zu schauen und die Zielgruppe, die auf so etwas anspricht, hat ohnehin schon mindestens 3 Versionen von Star Wars im DVD/VHS-Regal.

Meister Qui-Gon – mehr zu sagen du hast?

Star Wars Revisited ist noch längst nicht vorbei.
Dezember 2011 wird wahrscheinlich nach 3-jähriger Arbeit die Veröffentlichung von Star Wars: The Empire Strikes Back: Revisited sehen.
Eigentlich wollte diesen Artikel dafür widmen, aber in meinen Augen war es notwendig, das Konzept vorerst vorzustellen und Episode V einen eigenen Artikel zu widmen. Das Projekt Star Wars V: Revisited ist bereits so enorm, dass ich es nicht als kleinen Appendix abtun wollte.

Als kleinen Appetitmacher, hier die geniale überarbeitete Szene zwischen Darth Vader und dem Imperator:

Der Dialog wurde angepasst, um an die originale Szene zu erinnern:

Damals hatte man noch keinen Schauspieler für den Imperator und verwendete einen Platzhalter. In der DVD-Version verwendete Lucas den Schauspieler Ian McDiarmid (Imperator in Episode VI, I, II und III) für Kontinuität, aber änderte (warum auch immer) den Dialog und die Erscheinung wurde der von Episode III angeglichen, anstatt der von Episode VI.

Sozusagen nimmt Revisited den „best of both worlds“ Weg und vereint das neue Material im Geiste des Originals – eine Special Edition wie sie von offizieller Seite hätte gemacht werden sollen, nicht unentgeltlich von einem Star Wars Liebhaber.

Es arbeiten sogar bereits Fans an einer Deutschen Version von Revisited, also kann man hoffentlich bald Heinz Petruos Darth Vader Stimme hören, während man sich den perfekten Star Wars Genuss liefert und auf Episode V Revisited in HD wartet.

Also, es wird noch einiges an Star Wars Nerdsachen von mir geben, bis dahin:

Am vierten Mai werde ich bei euch sein.

P.S.: Wenn der obige Satz verstanden wurde, +1 auf der Star Wars Nerdskala.

by flipthetruck

7 Antworten zu “Star Wars: Revisited

  1. Pingback: New collaboration | Movies that flip the Truck

  2. Ah, herrlich nerdig! Vielen dank für den Artikel. Bei Star Wars bin ich eher Purist, und hab mir deswegen die limitierten Versionen mit den Original-Kinofassungen geholt.

    Aber ich glaube da stimmt etwas mit einer Jahreszahl nicht: „1977 beschloss George Lucas eine Special Edition der originalen Star Wars Trilogie ins Kino zu bringen.“ Ich nehme an du meinst ’97? Denn ’77 wär schon etwas früh 😉

  3. *fixed
    Das Problem mit den originalen Kinoversionen ist, dass es ein halbherziger Transfer von den Laserdisc Versionen ist und deswegen die Qualität nicht mal annähernd so gut ist, wie sie sein hätte können.
    Diese DVDs warn ein weiterer Grund warum Revisited gemacht wurde aber da gibts noch duzende andere Restaurationsprojekte
    Es gibt auch eine Puristen-Revisted version ohne Musik beim Laserschwertduell und ohne neuer Todessternsequenz

    Aber natürlich Filmhistorisch kann man sowieso nur die originalen Filme schaun

  4. Sehr guter Erstling! Vielen Dank dafür!
    Hoffen wir, dass noch viele weitere folgen werden, welche sich an dieser Messlatte orientieren. 😉

    Ich muss mir wohl die Filme noch alle auf DVD besorgen …
    Bislang dachte ich immer, ich hätte die schon so oft gesehen, dass eine DVD eigentlich überflüssig wäre.

  5. Finde das Thema Fanedit nach wie vor äusserst spannend, es ist interessant wie vieles nur mit schneiden erreicht werden kann. Ich könnte mir durchaus vorstellen einmal einen eigenen fanedit zu machen, man hat interessante Möglichkeiten. Star Wars Revisited ist jetzt nicht ein solches Beispiel, aber man kann durchaus eine völlig andere Story erzählen.

    Super Blog weiter so 😉

  6. Pingback: German Article on Revisited | Star Wars Revisited News

  7. Pingback: 2 Jahre Nerdy By Nerds! | Nerdy By Nerds

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