Call of Duty goes casual

Echt jetzt? Die CoD-Spiele sind doch hardcore? Mann gegen Mann? Skill gegen Skill? Mehr hardcore geht doch gar nicht? Das dachte ich auch mal …
Und so war es vielleicht auch mal. Mittlerweile habe ich meine Meinung jedoch revidiert.
Was verstehe ich überhaupt unter casual? Casual-Spiele sprechen eine sehr breite Spielergemeinschaft an, oftmals mittels eines einfachen Schwierigkeitsgrads. Dies ist wohl der Aspekt, welcher nachfolgend am meisten zum Tragen kommt.
Ja, CoD wurde einfach. Man beachte: Ich spreche hier nicht von der Singleplayer-Kampagne, sondern vom Multiplayer-Mode!

Doch eins möchte ich gleich vorne wegnehmen: Ich kann Activision diese Richtung nicht verübeln. Wollen wir nicht alle Geld verdienen? Wann immer irgendwie möglich? Natürlich. Gerade im Falle des Studios Activision, welches nebst der CoD-Franchise leider kaum noch etwas besitzt, was sich verkaufen lässt. (Hier sind die zugekauften Activision Blizzard Teile natürlich ausgeschlossen.) Der Erfolgsdruck muss folglich umso grösser sein.
Mit Spielen, welche sehr viele potenzielle Spieler (so auch untalentierte Spieler) ansprechen, kann nun mal viel mehr Geld verdient werden. Die Käuferschicht der Pro-Gamer ist wesentlich kleiner.
Gäbe es nun keine „noobigen“ Casual-Elemente, fiele es allen untalentierten Shooterspielern (75%?) viel schwerer, einige Kills zu erzielen und somit ein Erfolgserlebnis zu erfahren. Die Folge: Die unbegabten bzw. ungeübten Spieler, welche die Mehrheit darstellen, wären frustriert. Ergo: Sie werden sich in Zukunft keine CoD-Titel mehr kaufen. Die Millionengewinne blieben aus.

Warum sind die (neuen) CoD-Teile nun casual?
Schon in Call of Duty: Modern Warfare 2 ist er mir aufgefallen, dieser unterschwellige Hang zum Casual in Form einer Vereinfachung – in diesem Fall vor allem durch Noobwaffen bewerkstelligt. Das wohl berühmteste Beispiel wäre die G18 akimbo. Da es doch tatsächlich Leute gibt, welche nicht verstehen, weshalb das eine Noobwaffe sein soll, welche das Gameplay ruiniert, möchte ich das an dieser Stelle kurz erläutern:
Die G18 feuert mit 1100rpm (rounds per minute). Ein Treffer verursacht 30 (nah) bis minimal 20 (entfernter) Schaden. Dies führt auf kurze Distanz zu 550 Schaden/Sekunde. Auf weitere Distanz liegen wir noch bei rund 367 Schaden/Sekunde. Natürlich muss das Ganze dank dem „Akimbo-Aufsatz“ noch mit dem Faktor 2 multipliziert werden. Dies führt zu unglaublichen Schadenswerten. Natürlich sind hier Zielgenauigkeit des Spielers und die Ladezeiten nicht mit einberechnet. Das Zielen dürfte jedoch in Anbetracht des extrem kleinen Hüftfeuer-Fadenkreuzes kaum schwerfallen. Führt man sich nun vor Augen, dass ein Spieler im Softcore-Mode 100 Lebenspunkte hat, sollte der Fall klar sein. Vier (nah) bzw. fünf (ferner) direkte Treffer führen (ohne Painkiller) zum Tode. Ich möchte jetzt nicht noch die nötigen Sekundenbruchteile vorrechnen, welche bei korrektem Zielen nötig wären, um einen Gegner zu töten. Ein vielleicht einfacherer Vergleich: Ein“G18-akimbo-Beschuss“ entspricht also in etwa dem Schaden, den drei ACR zusammen verursachen.


Natürlich ist die G18 nicht das einzige Casual-Element. Die Deathstreaks oder der beinahe fehlende Rückstoss der ACR währen ebenso zu nennen. Weitere Beispiele liefere ich gerne auf Anfrage.

Natürlich singt auch Call of Duty: Black Ops das selbe Lied. Warum auch nicht? Solange dieses Konzept zu einem Geldregen führt, wird es beibehalten. Sicher wird, trotz fehlenden Deathstreaks, das Spiel durch zu starke Waffen, Killstreak-Rewards oder Perks erneut vereinfacht (AK47u, RC-XD, Ghost …). Ich spare mir an dieser Stelle weitere Ausführungen. Stattdessen möchte ich ein neu eingeführtes Element hervorheben: Das Angleichen der Waffen.
Während sich die Eigenschaften der verschiedenen Waffen aus Modern Warfare 2 teilweise noch deutlich unterschieden, wurde die Diversität der Waffen in Black Ops markant heruntergeschraubt. Innerhalb einer Waffenklasse sind die einzelnen Modelle teilweise beinahe identisch. Wozu führt das? Zu einer weiteren versteckten Vereinfachung des Gameplays. Während früher das Auswählen und Beherrschen der einzelnen Waffen noch von zentraler Bedeutung war, spielt die Wahl der einzelnen Waffen aus einer Klasse kaum noch eine Rolle. Da alle Waffen innerhalb einer Klasse sowieso beinahe identisch sind (es bilden sich jeweils ca. 3 Archetypen), kann der Spieler kaum noch eine falsche Entscheidung treffen. Infolgedessen wird dem guten Spieler die Spieltiefe genommen und dem Neuling bzw. schlechten Spieler die Auswahl erleichtert. Somit ist nicht mehr wirklich nötig, sich mit den einzelnen Waffen auseinanderzusetzen. In einer Klasse sind meist alle gleich bzw. eine Waffe klar am stärksten.
Daher stellt man sich seine Klasse einfach aus der jeweils stärksten Waffe, den stärksten Killstreak-Rewards und den stärksten Perks zusammen. Schlussendlich unterscheiden sich die einzelnen Spieler eines Servers nur noch durch ihre verschiedenen Gesichtsbemalungen oder die Skins der insgeheim identischen Waffenmodelle.
Die Noobs klatschen in die Hände, der Profispieler wählt Alt+F4.

Für all diejenigen, welche sich noch von der Richtigkeit meiner Aussagen überzeugen wollen oder sich ganz einfach für die wahren Waffenstats interessieren: Klick mich!

by Joey the Hobbes

5 Antworten zu “Call of Duty goes casual

  1. Stellt sich mir die Frage, ob denn der MP überhaupt ein Kaufgrund ist für Anfänger und ob Activision den MP werbetechnisch pusht, um die von dir genannten Käuferschicht zu gewinnen. Ich würde sagen, eher nicht.

    Viel mehr geht es doch um die Faszination Gewalt und Action und um das Gefühl, mittendrin zu sein. Dabei gestaltet sich der Spielablauf sehr simpel und verkommt Stück für Stück zu einem interaktiven Film, wo wir von Auslöser zu Auslöser rennen…

    • Ich kenne eigentlich keinen, der sich diese Spiele wegen des Singleplayers kauft. Ohne den Multiplayer würden sich die Verkäufe nicht in derartigen Höhen bewegen.

      Wobei ich selbst alles andere als ein Fan solcher Kriegsshooter bin. Letztes Jahr habe ich auf Videogameszone.de Aufsehen erregt mit meinem kritischen Blogartikel zum Thema. Unter anderem wurde dieser als Blogartikel des Monats bei der Play3 gedruckt, obwohl ich darin auch die Medien kritisiere… Vielleicht sollte ich ihn hier nochmal bringen, so als Gegenmeinung.

      Versteh mich nicht falsch, ich bin nicht grundsätzlich gegen jegliche Gewalt in Spielen, nur mit Kriegsdarstellungen habe ich so meine Mühe…

      • Dieser Aspekt ist mir neu, macht aber irgendwie Sinn, denn wenn ich es mir recht überlege, können wir gegenwärtig ja beobachten, dass immer mehr Titel zusätzlich einen MP entwickeln…

        Nein, das kann ich gar nicht falsch verstehen, denn wie es scheint, teilen wir da unsere Meinung bezüglich Kriegsdarstellungen. Dieser Artikel würde mich sehr interessieren, bitte poste den doch. Vielleicht wäre das sogar etwas, das wir bei uns auch aufschalten könnten als „Gastbeitrag“, da wir des öfteren auch etwas kritisch formulieren. Wenn du einverstanden bist, kannst du ihn uns auch per Mail zukommen lassen. Natürlich würden wir den Artikel verlinken.

  2. Die CoD-Reihe wird mittlerweile praktisch nur noch wegen des M-P-M gekauft! Deine Argumentation verstehe ich leider nicht, da die Gewalt im Single-Player detaillierter dargestellt wird als im MP, ergo: Die „gewaltliebenden“ Spieler würden es sich wegen dem S-P-M kaufen, so ist dem aber nicht.

    Viele spielen den S-P-M bei Gelegenheit durch, hauptsächlich wird aber der M-P-M gespielt. Dies aus den von Joey the Hobbes genannten Gründen, jeder Gelegenheitsspieler kann Erfoglserlebnisse verbuchen, da es nicht sonderlich schwer ist.

    Der Artikel spricht mir aus dem Herzen… ich spiele die CoD Reihe immer seltener wegen diesen Anfängern. In CoD MW2 sind die Server voller Spieler, die sich ihre Punkte mit der ACR und G18 Akimbo verdienen, selbes gilt für CoD BO, wo meist ganze Server nur mit der AK74u bespielt werden. Dies hat jedoch für die Publisher nur geringe Auswirkungen, da so höchstens die „Pros“ auf das nächste Spiel verzichten werden. Die Anfänger, welche sich sowieso nie Gedanken über so etwas machen werden weiter kaufen und weiter das Spiel für die Besseren ruinieren.

    fridge out

  3. Wer das Beispiel Call of Duty heranzieht, will ja nur den Trend bedienen😛 (oder Clicks sammeln). Schlauchlevel trifft auf Schlauchlevel. Wenn dann doch bitte Deus Ex oder Thief (was verschiedene Wege betrifft und den Spieler zum nachdenken bewegt). =)

    Des Weiteren finde ich es unpassend immer in Anglizismen abzudriften. Warum „Casual“? Warum nicht „Spieler mit wenig Videospielerfahrung“?

    Und ist Call of Duty (abgesehen von seinem Solo-Schlauch-Modus) wirklich ein Spiel für Leute mit wenig Erfahrung im Shooterbereich? Meiner Auffassung nach nicht. Schließlich zeigt sich im Multiplayer, wer erste Erfahrungen sammelt und wer Kenner der Materie ist. Denn wer es wirklich kann, der sammelt die Kills trotz der Hilfe.

    Diejenigen, die sich beschweren, sind eigentlich oft Leute, die zwar viel Zeit in ihre Spiele investieren, aber einfach nicht gut genug für die Pro-Elite sind.

    Gut, ich gebe zu, dass ich lediglich ein Videospieler bin, der ab und an mal zockt. Und sich dann auch eher den Games widmet, die einfach zu handhaben sind (Adventures und Rollenspiele). Aber dennoch habe ich eine gewisse Erfahrung. Schließlich verfolge ich den Kram seit dem Commodore 64. ^^

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