TRVGW – Episode 1: „Eine neue Staffel“

Jeder kennt die virtuelle Welt und ihre bekannten Helden. Doch hier geht es um das echte Leben der Stars, welches sich radikal von dem unterscheidet, was wir von unseren Bildschirmen kennen …

Beginnen wir mit der Geschichte von Ash, dem bekannten Protagonisten des Pokemon-Universums. Ein erfolgssüchtiger, extrem ungeduldiger Pokemon-Trainer, der scheinbar nie aus seinen Fehlern lernt. Aber stimmt das wirklich? Tatsächlich ist er eher still, nachdenklich und lebt nicht einmal in Japan. Warum? Das werden wir bald erfahren.
Kürzlich wurde ihm mittgeteilt, dass eine 14. Staffel des Animes produziert werden soll. Tief seufzend hatte er den offiziellen Brief von Nintendo zusammengefaltet und zu all der anderen Post gelegt, seien es andere Mitteilungen von Nintendo oder auch Post seiner Fans, von denen keiner sein wahres Ich kannte. Einmal mehr machte er sich auf den Weg in die Game Over Bar, die beste Location für heruntergekommene Videospielhelden. Erneut eine ganze Staffel, erneut eine Staffel voller Demütigungen, Schmerz und unterdrückten Tränen. Seine einzigen wahren Freunde, Jessie und James, fühlten sich zurzeit bestimmt ähnlich. Wie grausam, dass er sie aufgrund des „Erzrivalen-Images“ nicht einmal öffentlich treffen durfte. Einmal hatte er es gewagt, und daraufhin prompt von niemand anderem als Nr. 1 persönlich besuch bekommen … Ein geradezu traumatisches Erlebnis – mit Nr. 1 war nicht zu spassen! Seither begnügte er sich damit, sich mit seinen Freunden während den Drehpausen oder über seine geheime Mailadresse, die Nintendo nicht kannte, zu unterhalten. „Na, wen haben wir den da? Den Pokemonmeister!“, sagte der Türsteher mit einem breiten Grinsen. „Spielst du immer noch mit diesen Bällen, kleiner?“. „Behalt deinen Spruch mit den Big Balls für dich, Duke. Ich bin nicht in der Stimmung!“, sagte Ash entnervt. Warum konnte der Kerl seine Macho-Attitüde noch immer nicht abstellen? „Aha, lieg ich richtig, dass ’ne neue Staffel ansteht? Was regst du dich auf? Du kannst zwischen Tausenden von Cosplay-Girls wählen! Was kann jemand mehr wollen?“, sagte Duke lachend und klopfte ihm mit seiner Riesenhand viel zu fest auf die Schulter. „Teenager in Pikachu Kostümen sind nicht alles …“, antwortete Ash, und wünschte sich nichts sehnlicher, als seinen Geist endlich fachgerecht mit einigen „Pixel on the rocks“ benebeln zu können. Schliesslich hatte der alte Muskelberg endlich Erbarmen und entliess Ash in die Welt der geplatzten Bildschirmträume. Er erkannte gleich ein paar alte Bekannte, wie den ebenfalls missverstandenen Waluigi, die ewig frustrierte Zelda oder den Dauergast dieses Ortes, den guten alten Sonic. Heute wollte er jedoch lieber für sich sein, weshalb er sich in eine einsame Ecke an der Bar setzte. „Wie immer, Ash?“, fragte ihn Barfrau Pauline. Schon seit er denken konnte arbeitete sie hier. Sie sah zwar wie immer absolut fertig aus. Mit riesigen Augenringen, die sich selbst durch all die Make-Up Schichten nicht verstecken liessen, mit der obligatorischen Zigarette zwischen den Fingern, die ihr kein Rauchverbot wegnehmen konnte und ihrem üblichen, viel zu kurz geschnittenen, roten Kleid. Aber tatsächlich war sie es, die den Laden hier selbst in den schwersten Zeiten am Leben hielt. Vor langer Zeit hatte sie einmal eine Hauptrolle in einem Welterfolg gehabt, seither lebte sie von ihrem Teil des Riesenkuchens, der dadurch entstanden ist. Zwar kannte sie keiner dieser jungen Onlinegamer-Kiddies, die verbotenerweise Call of Duty Ranglisten besetzten. Doch das schien ihr nichts auszumachen, Hauptsache sie bekam ihr Geld von Nr. 1 und konnte sich hier an junge Videospiel-Greenhorns, die gerade erst ihr Bildschirmdebüt hinter sich hatten, heranmachen. „Klar, wie immer.“, antwortete Ash und wartete auf seinen „Pixel on the rocks“. Pauline schob ihm das verlockende, kühle Ticket ins Reich des Vergessens zu und lehnte sich in seine Richtung. „Also echt, wie oft können die Kids eine identische Story mit ausgetauschten Nebendarstellern noch sehen wollen?“, fragte sie. „Solange sie ebenfalls jährlich ein Fussballspiel kaufen, das ihnen nichts Neues bietet ausser Zählunterricht: 2009, 2010, 2011 …“, sagte Ash und nahm einen kräftigen Schluck.
In diesem Moment betrat jemand neues die Bar und lief in seine Richtung …

Fortgesetzt folgt in Episode 2: „Geld und Pilze“

by Andypanther

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s