Solo: A Star Wars Flop – Spoiler Review

Jeder mag Han Solo aber keiner wollte einen Film über ihn. Dies scheint irgendwie allen Menschen klar zu sein, mit Ausnahme der Teppichetage des Disney-Konzerns. Aber da der Film nun eben hier ist, erfolgreich oder nicht, will ich euch ein Review nicht vorenthalten!

Etwas kann ich schon mal vorwegnehmen: Dieser Film ist für mich unendlich schwer zu bewerten. Es gab vieles was mir sehr gut gefiel, aber auch vieles was ich nicht ausstehen konnte. Insgesamt ist „Solo“ wohl einer dieser Filme, die ich gerne lieben würde, wenn sie mich denn nicht auf diverse Arten frustrierten. Am besten gefiel mir der Mittelteil des Films. Denn da funktioniert die Handlung und alle Figuren können zur Geltung kommen. Nichts als unkomplizierter Spass im Star Wars-Universum, einfach wunderbar. Aber der Film als ganzes, der überzeugt mich einfach nicht.

Schon der Anfang ist ungünstig. Man wird praktisch direkt in eine Actionszene geworfen, nahezu ohne uns das Geringste über die Charaktere und ihren Hintergrund zu erklären. Han Solo lebt also zusammen mit seiner Freundin Qi‘ra auf diesem hässlichen Industrieplaneten und möchte von dort flüchten. Er scheint auch für ein insektenartiges Alien arbeiten zu müssen, wobei unklar ist in welcher Funktion. Ist aber auch völlig irrelevant, der ganze Planet ist nur die Kulisse für eine Actionszene, wichtig ist nur dass Han eine Freundin hat und sie beide befreien will. Man vergleiche wie Luke in „A New Hope“ und Rey in „The Force Awakens“ eingeführt wurden: In beiden Fällen wird mit einfachen Mitteln der Hintergrund des Protagonisten erklärt, grosse Action gibt es nicht, den der Film soll sich ja erst später steigern. Dazu gibt‘s schöne Bilder, die einem im Gedächtnis bleiben, wie Luke vor den zwei Sonnen und Rey bei dem Wrack des Sternenzerstörers. Obwohl wir eigentlich kaum mehr Informationen zu diesen Figuren bekommen als zu Han, so kennen wir sie nach ihrer Einführung trotzdem besser. Aber hey, wir alle kennen doch Han Solo, ist doch egal wenn uns dieser Film nichts über ihn erzählt…

Sobald Han von dem Anfangsplaneten weg ist, gibt es diesen unsäglichen Zeitsprung: Han geht zur imperialen Akademie, Han verlässt die Akademie und ist nun in irgendeinem Krieg der uns nicht interessiert. Dort trifft er Chewbacca und eine Gruppe Krimineller, angeführt von einem gewissen Tobias Beckett, die einen Zug voller Coaxium (ein Star Wars-Supertreibstoff) überfallen wollen. Bevor wir die neuen Charaktere richtig kennen, sterben auch schon zwei von dreien bei diesem Überfall. Sofort geht es weiter mit einem weiteren neuen Charakter (Dryden Voss, eine Art Mafiaboss) und der plötzlichen Rückkehr von Qi‘ra, die nicht erklärt wird. Aber keine Sorge, das werden wir sicher am Ende noch erfahren.

So ergibt sich schliesslich der zentrale Heist-Plot des Films: Han, Chewbacca und Beckett müssen Coaxium aus den Minen von Kessel stehlen, um so die Schulden bei Dryden Voss zu begleichen, die durch den gescheiterten Überfall auf den Zug angefallen sind. Qi‘ra wird auch noch mitgeschickt aus, ähm, Gründen. Schliesslich nehmen sie noch Lando Calrissian mit und betreten den Millennium Falken, das Pflichtprogramm ist also erfüllt. Allerdings ist es genau dieser Moment, sobald der Heist-Plot etabliert ist, als mir der Film endlich anfing Spass zu machen. Natürlich sind da viele Klischees dabei und da es ein Prequel ist, kommt auch kaum Spannung auf, da man ja weiss wer nicht sterben kann. Aber es ist halt gut gemacht und bietet einen von Donald Glover hervorragend gespielten Lando und – dank des Droiden-Charakters L3-37 – sogar einige Überraschungen.

Beim Schluss bot gutes wie schlechtes. Einerseits gefiel mir, dass Tempo herausgenommen wurde, um stattdessen ein Ende im Western-Stil zu zeigen, wo jeder versucht jeden auszutricksen – inklusive der obligatorischen Szene, wo Han zuerst schiesst. Andererseits gab es dieses unglaublich dumme Cameo mit Darth Maul, welches aus verschiedenen Gründen furchtbar ist. Erstens: Maul ist ein langweiliger nicht-Charakter, der Boba Fett der Prequels. Durch einen Cameo wird den simpel gestrickten Prequel-Fans nachgegeben, die ihn für cool halten, obwohl er in den Prequels keinerlei Persönlichkeit und Backstory hatte und insgesamt zwei Sätze sprach. Als ob das nicht schon schlimm genug wäre, muss der Film mein Argument gleich noch mit dem Vorschlaghammer bestätigen, indem Maul ohne jeglichen Grund mit seinen Doppel-Lichtschwert herumfuchtelt, weil er sonst ja nichts zu bieten hat. Für einen Moment verschwamm hier die Grenze zwischen Star Wars und Space Balls. Zweitens: Mauls Auftritt ist Teil eines Cliffhangers mit dem Qi‘ra-Charakter, der auf weitere Spin-Offs hindeutet. Nun gut, alles muss heutzutage ein Cinematic Universe sein und Sequels an sich sind ja nichts neues, aber es kommt eben drauf an ob es gut gemacht wird. Bei den unangefochtenen Göttern des Worldbuilding, Marvel Studios, läuft das einwandfrei, kein einzelner Film nimmt dadurch ernsthaft Schaden und es ist auch immer von vornherein klar, welche Filme als Sequels zu welchen anderen Filmen gedacht sind. Aber „Solo“ ruiniert doch einfach mal seinen weiblichen Hauptcharakter, lässt ihre Handlungen völlig unbegreiflich erscheinen, weil das kann man ja alles im Sequel erklären. So funktioniert die Sache aber nicht, liebe Produzenten, es macht einfach eure Filme schlechter, und schlechte Filme sind wohl kaum das geeignete Mittel, um an der Kasse Erfolg zu haben. Ich fühle mich zurückversetzt in die Zeit der Prequels, wo ständig irgendwelches Material im damaligen Expanded Universe erschien, welches die Plotholes der Hauptfilme flickte.

Nachdem wir nun also mit der Handlung durch sind, kommen wir zu den Darstellern, womit wir bereits bei einem weiteren meiner Hauptkritikpunkte wären: Ich kaufe es Alden Ehrenreich zu keinem Zeitpunkt ab, dass er Han Solo ist. Er sieht nicht aus wie ein junger Han Solo und verhält sich auch nicht so. Man kann jetzt darüber diskutieren, ob für solche Neubesetzungen einer Rolle eine exakte Kopie der richtige Weg ist, doch meiner Meinung nach ist diese Darstellung zu weit weg vom Original. Ich frage mich daher, ob es nicht bessere Alternativen zu Ehrenreich gegeben hätte. Donald Glover als Lando hat mir, wie schon gesagt, sehr gut gefallen und ich hätte nichts gegen einen Spin-Off-Film mit ihm einzuwenden. Die neuen Charaktere sind gut besetzt, auch Emilia Clarke als Qi‘ra, das dumme Script ist schliesslich nicht ihre Schuld.

Stichwort Script, der Film war ja bekanntlich in der berüchtigten „Development Hell“. Es gab diverse Kurs- und Personalwechsel und das merkt man dem Film an, er wirkt nicht wirklich wie aus einem Guss. Auffallend sind etwa die Überbleibsel einer eher komödiantischen Ausrichtung, wie die Verwendung des „Imperial March“ als offizielle Rekrutierungsmusik des Imperiums oder der Ursprung von Hans Nachnamen in einer Szene, die mich ernsthaft an den Super Mario-Film erinnerte. Nicht dass ihr mich falsch versteht, ich liebe den Super Mario-Film, aber wenn Star Wars in die Richtung gehen will, dann muss es auch gut implementiert sein! Gerade die Originaltrilogie verstand es, die Balance zwischen Ernsthaftigkeit und Humor zu finden. Diese Balance funktionierte im Mittelteil des Films am besten, womit ich ausdrücklich auch L3-37 meine, denn ich weiss dass Kritiker gerne auf diesen Charakter verweisen. Natürlich existiert L3-37 – eine harmlose Parodie auf Protestbewegungen – nur, um die Sargon of Akkads dieser Welt zu ärgern, welche Star Wars als Schlachtfeld für die Verteidigung des Abendlands betrachten. Oder war es die Männlichkeit? Egal.

Zuletzt muss noch der Fanservice erwähnt werden. Fanservice kann gut oder schlecht gemacht sein, im besten Fall ist er ein netter Bonus, der sich nicht negativ auf das Werk auswirkt. In „Solo“ gibt es erstens zu viel davon und zweitens funktioniert er oftmals nicht. Ihr wollt ein Beispiel? Das Raumschiff in der Mitte des Films, wird mit einer ausgiebigen Kamerafahrt und epischer Musik eingeführt. Klar, Nerds wie ich wissen, dass dies eben der Millennium Falke ist und wir gerade seinen chronologisch ersten Auftritt im Star Wars-Universum sehen. Aber jemand der noch nie einen Star Wars-Film gesehen hat, wird sich wohl fragen, was das soll, für ihn ist der Falke nichts als ein weiteres Raumschiff. In „The Force Awakens“ war der Auftritt des Falken auch purer Fanservice, aber es war cleverer gelöst: Rey will zunächst ein anderes Schiff nehmen und bezeichnet den Falken als „garbage“, ein kleiner Hinweis den Nerds sofort bemerken, aber nicht deplatziert wirkt für Neulinge. So sieht man schliesslich den „Schrott“, den sie gezwungenermassen fliegen müssen, zusammen mit einem klassischen musikalischen Motiv. Das Motiv verrät zwar den Fanservice, aber es ist eben zu subtil, um ein Problem darzustellen. „Solo“ hat zwar auch vielen unauffälligen Fanservice, der an sich in Ordnung ist, aber durch seine Masse doch anfängt, vom Film abzulenken.

Fazit

„Solo“ ist ein Film, nach dem niemand gefragt hat und an den sich auch ziemlich bald niemand erinnern wird. Es gäbe so viele interessantere Ideen für Star Wars-Filme, welche durch diesen Flop jetzt umso mehr in der Schublade verschwinden werden. Der Film mag zwar nicht direkt schlecht sein – das sind bei den Star Wars-Filmen weiterhin nur die Prequels – aber er ist einfach nur Hollywood-Durchschnittsware. Ein Film, den man sich anschaut weil einem gerade langweilig ist und man alle „Fast and Furious“ -Teile schon gesehen hat.

5 von 10 Pseudo-Lichtschwertern

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